Berlinale 2020: Bilanz - das waren die Festival-Highlights

25.02.2020, Berlin: 70. Berlinale, Premiere, Wettbewerb, „Favolacce“ (Bad Tales): Berlinale Palast. Die Internationalen Filmfestspiele finden vom 20.02. bis zum 01.03.2020 statt. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Britta PedersenLachen, weinen, Langeweile
An Festivals finde ich toll, Dinge anzuschauen, die man sonst nicht sehen würde. Besonders ist auch, das in einem Saal mit anderen, unbekannten Menschen zu erleben, die laut lachen oder leise weinen. Ein Höhepunkt war für mich der Film „Rizi“ von Tsai Ming-Liang, den ein Kollege als „Gipfel der Langeweile“ bezeichnete. Ich glaube, diese besondere Langeweile wird bei mir noch nachwirken.Inga Dreyer
Die rettende, geschmuggelte Leberwurststulle
Stellen Sie sich vor: Auf der Leinwand gucken sich die Hauptfiguren tief in die Augen, sind kurz davor, sich die wichtigsten Worte im Film zu sagen, es ist muxmäuschenstill. Plötzlich beginnt der Magen zu knurren, weil er sich nach drei vorangegangen Vorstellungen einfach vernachlässigt fühlt. Peinlich! Glück, wer einen Sitznachbarn hat, der bereit ist, seine Leberwurststulle zu teilen. Und das trotzdem Essen bei der diesjährigen Berlinale in den Kinos unter geschmuggelte Ware fiel. Danke an meinen Retter! Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr mit Berlinale-Brotbox!Katrin Hartmann
Klick und ab
Die Berlinale hat in diesem Jahr ihren Ruf als Publikumsfestival alle Ehre gemacht. Klick und ab in den Warenkorb: Insbesondere via Internet konnte jeder ein Ticket für seinen favorisierten Film ergattern. Neue Kontingente sind rund um die Uhr immer wieder in den Verkauf gegangen. Das „Online-Shoppen“ war in den vergangenen Jahren Glücksache, man musste sich um 6 Uhr morgens in lange Warteschlangen einsortieren, um erfolgreich zu sein. Das ist zwar Kult für Hardcore-Fans, aber nicht mehr zeitgemäß. Also, weiter so!Gitta Dietrich
Anderthalb Stunden Spannung
Fest verankert hat sich in meinem Kopf der Held eines schwedischen Kinderfilms aus dem Vorjahr: Sune!Mit großer Vorfreude haben meine Kinder und ich in diesem Jahr die Fortsetzung erwartet - und „Sune best man“ hat uns nicht enttäuscht. Anderthalb Stunden lang Spannung, Action und lachen, bis einem der Bauch weh tut. Kinder und Erwachsene hatten gleichermaßen Spaß. Doch auch ernste Momente fehlten nicht. Zuvor gab es aber noch langanhaltenden Riesenapplaus.( Im Kinderfilm „H is for Happiness“ klatschten die Kinder sogar im Takt der Abspannmusik.) So muss Festival und so muss Kino sein!Barbara Breuer
Gruß aus Japan
Als Ulrike Ottinger mit der Berlinale-Kamera ausgezeichnet wurde, hielt die Schriftstellerin Yoko Tawada ihre Laudatio. Im ausverkauften Haus der Berliner Festspiele wurde es auf einmal ganz still – so geschliffen waren die Worte, so brillant die Kommentare zu Ottingers Werk und so bescheiden der Habitus der Japanerin.Daniela Sannwald
Lady in White
So viel Düsternis in den Filmen, beim Wetter, in der Wirklichkeit – da tut der Glamour auf dem Roten Teppich bei der Eröffnung einmal richtig gut. Auffällig viel Weiß bei den Roben der Damen, alles Bräute im Dienste der Kunst? Die unangefochtene Queen ist mal wieder Nina Hoss, in ihrem klassisch schlicht geschnittenen Kleid von Kaviar Gauche: zeitlos schön.Christina Tilmann