Berlinale 2024
: „Andrea lässt sich scheiden“ – Josef Hader und Birgit Minichmayr in Hochform

Nicht verpassen: Kabarettist Josef Hader zeigt mit „Andrea lässt sich scheiden“ seinen zweiten Film im Panorama der Berlinale. Es geht in die Tiefen der österreichischen Provinz.
Von
Barbara Breuer
Berlin
Jetzt in der App anhören

Verloren in der Provinz: Birgit Minichmayr in "Adrea lässt sich scheiden". Der Film, Josef Haders zweite Regiearbeit nach „Wilde Maus“, läuft im Panorama der Berlinale.

wega film

Die Osteuropäer können schwarzen Humor. Die Österreicher aber auch. Das beweist der wohl bekannteste Kabarettist unseres Nachbarlandes Josef Hader nicht nur bei seinen Liveauftritten, für die er jüngst mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet worden ist.

Auch mit seiner zweiten Regiearbeit „Andrea lässt sich scheiden“ ist er – wie schon vor sieben Jahren mit „Wilde Maus“ – zur Berlinale eingeladen. Dort bekommt das Publikum in der Sektion Panorama die brillante Birgit Minichmayr in der Hauptrolle als Andrea zu sehen.

Sie ist Chefin der Polizei in einem kleinen Ort im Nirgendwo. Als sie auf einer Geburtstagsfeier in der Dorfkneipe ihren Ex-Mann trifft, gibt es Krach: Er möchte sie zurück. Doch Andrea will die Scheidung.

Damit er nachts nicht volltrunken nach Hause fährt, nimmt sie ihm noch die Autoschlüssel ab – und fährt ihn wenig später, aus Versehen, auf der Landstraße tot. Im Affekt begeht Andrea Fahrerflucht und muss nur wenig später zusehen, wie der Ex-Alkoholiker und Dorflehrer Franz beschuldigt wird, ihren Ex-Mann überfahren zu haben. Franz ist sogar bereit, für seine Tat zu büßen, während Andrea damit beschäftigt ist, ihre Spuren zu verwischen.

Zu Unrecht verdächtigt: Josef Hader in "Andrea lässt sich scheiden"

wega film

Minichmayr gibt die Antiheldin Andrea

Stets unterkühlt und leicht genervt so gibt Birgit Minichmayr die Antiheldin Andrea. Dennoch gewinnt sie die Sympathie des Publikums. Oder ist es eher Mitleid? Schließlich ist sie eine Frau, die mit knapp 40 zurückziehen musste in ihr Teenagerzimmer beim Papa. Andrea hat Ziele, wollte raus aus der Ehe, weg aus der Provinz. Und auch nach dem Unfall will sie weitermachen wie geplant. Doch das geht nur, indem sie anderen schadet. Andrea muss sich entscheiden…

Dabei begleiten sie skurrile Charaktere – allen voran der liebdoofe Franz, dem Regisseur Josef Hader persönlich Leben einhaucht. Als friedliebender Religionslehrer packt der noch vor der Gerichtsverhandlung seinen Koffer fürs Gefängnis und verfällt erneut dem Alkohol.

Hader, der selbst auf einem Hof groß geworden ist, behauptet: „Die Städter verstehen das Land nicht.“ Er selbst kennt es als Bauernkind in all seinen Facetten und erzählt den Zuschauern eine Emanzipationsgeschichte, auf der die Baumuskeln ordentlich trainiert werden.

„Andrea lässt sich scheiden“: 18.2., 18.30 Uhr, Zoo-Palast, 19.2., 11.45 Uhr, Haus der Berliner Festspiele, 20.2., 10 Uhr, Cubix5, 24.2., 18.30 Uhr, Zoo-Palast