Berlinale
: Begegnung mit Johnny Depp

Der Star stellt auf der Berlinale seinen Film über den Fotografen Eugene W. Smith vor, der einen Umweltskandal aufdeckt
Von
Kira Taszman
Berlin
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Johnny Depp auf der Pressekonferenz zu "Minamata"

Christoph Soeder/dpa

Der Star selbst machte einen aufgeräumten und sympathischen Eindruck. Mit verbeultem Cowboy–Hut, hellblau getönter Brille, etlichen Silberketten und braunem Holzfällerhemd nuschelte der Schauspieler gewohnt entspannt ins Mikrophon, auch wenn die Witze bei ihm diesmal etwas sparsamer ausfielen. Das lag an dem ernsten Sujet des Dramas „Minamata“, das auf wahren Begebenheiten beruht. Depp spielt darin den US–Fotografen W. Eugene Smith, der 1971 im Auftrag des „Life“-Magazins einen Umweltskandal über Quecksilber–Vergiftungen in der japanischen Kleinstadt aufdeckte.

Aufdeckung eines Umweltskandals

Von der Persönlichkeit Smiths sei er fasziniert gewesen, so Depp. „Er hat viel geopfert, um diese Momente mit dem Fotoapparat festzuhalten, es war eine gefährliche Reise für ihn.“ Außerdem sei er von der Geschichte über die zahlreichen Opfer des Umweltskandals berührt gewesen, der niemanden verschont habe. „Wenn wir uns die Macht der Medien und des Kinos zunutze machen, glaube ich, dass man den Leuten die Augen öffnen kann. Filme wie dieser werden nicht oft gedreht.“

Viel zu Wort kamen Depps — immerhin namhafte — Partner auf dem Podium nicht. Sein großartiger britischer Schauspielkollege Bill Nighy, der Eugene Smiths Redakteur im Film spielt, lobte Drehbuch, Geschichte und Mitschauspieler und sorgte für Lacher, als er sagte: „Ich habe mit Johnny schon früher [in „Fluch der Karibik"] geschauspielert, aber da war ich ein Tintenfischmann. Es war schön, ihm als Mensch gegenübertreten zu können.“ Als Nighy danach befragt wurde, ob er auch Spaß mit Depp am Set gehabt habe, antwortete er verschmitzt: „Ja, aber das kann ich unmöglich öffentlich preisgeben.“ Daraufhin Depp: „Eines Tages, Bill, wird die Wahrheit über uns beide ans Tageslicht kommen.“

Auch die Witwe ist dabei

Regisseur Andrew Levitas schaltete sich auch ein und lobte die Bescheidenheit und das Engagement seines Hauptdarstellers, der vor allem auch als Produzent der treibende Motor hinter dem Projekt gewesen sei. Der Gepriesene bewies sich als Teamplayer, indem er seinen neben ihm sitzenden Kollegen applaudierte, darunter auch Kameramann Benoît Delhomme, dem japanischen Schauspielkollegen Hiroyuki Sanada und der Witwe von W. Eugene Smith, Aileen Smith. Diese sorgte mit bewegenden Worten über ihren Mann und die Opfer von Minamata für viel Applaus. Das Schlusswort gehörte Johnny Depp, der auf das chinesische Buch der Wandlungen „I Ging“ anspielte. Wenn man sich mit „monolithischen Gegnern“ konfrontiert sehe, wie der furchtbaren Minamata–Krankheit, Waldbränden oder ähnlichem, könnten Einzelpersonen Opposition anstoßen und durch die geballte „Macht der Kleinen“ große Veränderungen bewirken. „Allein sind wir Staubkörnchen“, so Depp, „aber irgendwann werden die Leute hoffentlich folgen.“ Danach entschwand der Superstar, während Bill Nighy noch geduldig Autogramm– und Selfiewünsche von Journalisten (!) erfüllte, nicht zuletzt für eine im Rollstuhl sitzende Reporterin.

„Minamata“: Berlinale Special, 22.2. 9.30 Zoo–Palast 1, 22 Uhr HdBF, 1.3. 11 Uhr Cinemaxx 3