Böhse Onkelz in Berlin 2025: So war das Konzert in der Uber Arena

Sänger Kevin Russell spielt mit den Böhsen Onkelz zwei Konzerte in der Uber Arena Berlin.
Stefan Csévi- Die Böhsen Onkelz spielten ihr erstes von zwei Berlin-Konzerten 2025 in der ausverkauften Uber Arena.
- Rund 17.000 Fans feierten die Band lautstark – generationsübergreifend mit „La Familia“.
- Die Setlist umfasste Hits wie „Hier sind die Onkelz“ und den umstrittenen Song „Der nette Mann“.
- Der Auftritt bot eine energiegeladene Show, jedoch ohne visuelle Effekte oder musikalische Überraschungen.
- Beendet wurde das Konzert mit Klassikern wie „Auf gute Freunde“ und „Mexico“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mit Onkeln und dem, was sie so von sich geben, kann es bekanntlich schwierig sein. Zu kaum einer Jahreszeit wird man schmerzlicher daran erinnert als an Weihnachten im Familienkreis. Immerhin die Böhsen Onkelz verstehen sich mit „La Familia“, wie sie ihre eingeschworene Fangemeinde nennen, blendend. Beim Konzert in Berlin dürfen sich die berüchtigtsten Oheime der deutschen Musiklandschaft über lautstarkem Jubel von rund 17.000 ihrer „Nichten und Neffen“ freuen.
Wer an diesem Mittwoch (17.12.) durch die Reihen der ausverkauften Uber Arena blickt, stellt fest, dass „La Familia“ Programm ist. Sorgte Onkelz-Hören einst für Schock und Graus bei Eltern, feiern Mama und Papa heute mit.
„Oh wie ist das schön“ schon ohne die Böhsen Onkelz
Ausgerechnet eine Band, die in den Achtzigern mit rechten Texten Popularität in der Skinhead-Szene genoss, bringt heute also die Generationen zusammen. Zwar darf man den Onkelz ihre Distanzierung von der eigenen Vergangenheit durchaus abnehmen. Erstaunlich ist es trotzdem, wie sehr die Frankfurter in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

Die Fans in der ausverkauften Uber Arena beim ersten von zwei Berlin-Konzerten der Böhsen Onkelz.
Stefan CséviNoch bevor Stephan Weidner die ersten Noten von „Hier sind die Onkelz“ auf seinem Bass schnalzt, schallt es „Oh wie ist das schön“-Gesänge durch die Halle. „Schnall dich an“, heißt es dann nicht nur im Opener – sondern auch für die folgenden zwei Stunden. Es ist ein energiegeladener Auftakt. „Berlin! Wir freuen uns auf einen weiteren geschichtsträchtigen Abend“, ruft Weidner den ohrenbetäubend laut grölenden Fans entgegen.
Mit Hymnen wie „Finde die Wahrheit“, „Gehasst, verdammt, vergöttert“ und „So sind wir“ finden sich früh Fan-Favoriten im Set. Und so dauert es nicht lange, bis sich die Arena in einen schwitzenden Kessel verwandelt. Raue Mengen Bier und geflissentliches Ignorieren des Rauchverbots verwandeln sie für einen Abend in Deutschlands größte Eck-Kneipe.
Die Böhsen Onkelz sind im Musikgeschäft ganz oben
In Berlin zeigt sich auch, dass die Böhsen Onkelz ganz oben im Musikgeschäft angekommen sind. Das Konzert ist die erste von zwei ausverkauften Shows in der Uber Arena. Deutsche Acts, die Vergleichbares schaffen, lassen sich an einer Hand abzählen. Dass die Onkelz in der Stadt sind, merken auch jene, die nichts von den Konzerten wissen. Vor der Arena parkt ein Doppeldecker-Bus des Onkelz Social Club. Selbst wer den schwarzen Koloss der gemeinnützigen Initiative übersieht, die in Band-Merch gekleideten Massen sind nicht zu ignorieren.

Vor der Uber Arena in Berlin parkt ein Doppeldecker-Bus der Böhsen Onkelz.
Michael HeiderIm Innern feiern sie den rotzigen Trotz von Nummern wie „Terpentin“. Immerhin 107.1 Dezibel zeigt die Live-Messung des Fangesangs an einer Stelle. Was sie dafür bekommen, ist eine Werkschau jener lustvollen Provokation, die die Böhsen Onkelz über Jahrzehnte perfektioniert haben. „Ich“, „Danke für nichts“ und „Stunde des Siegers“ – die altvertraute Erzählung der ewig Verkannten, das vertonte „Wir gegen die“. Auch die Ansprachen von Stephan Weidner erzeugen ein Gemeinschaftsgefühl in Abgrenzung. Gegen wen genau, ist nicht klar. Die Pose des ewig Standhaften wirkt so fast aufgesetzt.
Auch einen Song aus ihrer problematischen Frühphase gibt es
Dass sich die Reibungsflächen mit den Jahren abgenutzt haben, beweisen die Onkelz selbst. Mit „Der nette Mann“ findet sich ein einst indizierter und eng mit der problematischen Frühphase verknüpfter Song wieder auf der Setlist. Ein gehaltvolles Deutungsangebot der drastischen Schilderungen von Gewalt im Liedtext bleibt aber selbst der um keinen Wandtattoo-Spruch („Lass dich nicht verbiegen“) verlegene Bassist Weidner schuldig. Schlicht, dass die Welt damals einfach noch nicht für eine Band wie die Onkelz bereit gewesen sei, sagt er einleitend.
Ansonsten gibt es in Berlin keine musikalischen Überraschungen. Die Onkelz spielen mit bewährter Dramaturgie: Kurz und kantig. Wenn auch nicht pure Nostalgie, dominieren doch Songs aus den Neunzigern oder früher. Jünger als „Exitus“ vom 2000 erschienenen Album „Ein böses Märchen … aus tausend finsteren Nächten“ ist keines der gespielten Stücke.
Auf visuelle Extravaganzen verzichten die Böhsen Onkelz
Ihrem schroffen Mix aus Punk-Elementen auf Metal-Fundament bieten die Böhsen Onkelz die größtmögliche Bühne. Was auch immer man von den vier Musikern halten mag, solide Performer sind sie. Schnickschnack sucht man vergebens. Mit Ausnahme einer Gitarreneinlage nach „Wir ham‘ noch lange nicht genug“ setzt Matthias Röhr in Sachen Solos zwar nicht auf große Improvisation, auf den Punkt spielt er sie trotzdem. Und auch wenn sich Kevin Russell fast scheu gibt und meist regungslos den Mikrofonständer umklammert, er singt trotzdem mit gewohnt kratziger Stimme.

Böhse Onkelz-Bassist Stephan Weidner beim Konzert in der Uber Arena in Berlin.
Stefan CséviDer Sound ist gut abgemischt. Und während andere Rockband auf visuelle Spektakel setzen, belassen es die Böhsen Onkelz bei einer soliden Lichtshow. Durch Nebel schneidende Laser sind die größte Extravaganz. Auf Pyro verzichten sie.
Geknallt hat der Auftakt des Berliner Doppelkonzerts trotzdem. Beendet wird er mit bei Fans beliebten Nummern wie „Auf gute Freunde“ und „Mexico“. Die Mitglieder von „La Familia“ verlassen also zufrieden die Arena in Richtung Weihnachtszeit. Bleibt abzuwarten, ob sie in einer Woche mit den leiblichen Onkeln genauso gut auskommen wie mit den Böhsen Onkelz.



