Bruce Springsteen in Hannover 2024: Wie war der einzige Deutschland-Auftritt von The Boss?

Bruce Springsteen tritt zusammen mit «The E Street Band» bei einem Konzert seiner «World Tour 2024» in der Heinz-von-Heiden-Arena in Hannover auf. Das Konzert ist das einzige Deutschland-Konzert von Springsteen in 2024.
Michael Matthey/dpaEr beginnt immer pünktlich, sind sich die Fans in der Heinz von Heiden Arena in Hannover einig. Doch diesmal ist alles etwas anders, beim einzigen Deutschlandkonzert auf Bruce Springsteens aktueller Tournee, bei dem parallel das Viertelfinalspiel Deutschland gegen Spanien läuft. Viele Fans haben offenbar die Public Viewing -Mölglichkeiten am Waterloo-Platz bis zuletzt genutzt und strömen noch in Massen ins Stadion. Auftritt The Boss also: 19.45 Uhr, mit einer Viertelstunde Verspätung. Weißes Hemd, Weste und rote Krawatte und von Indisponiertheit keine Spur mehr. „Hallo Hannover, seid ihr bereit?“ Sie sind es.
Los geht es mit „Lonesome Day“, und schon mit „Prove it all Night“ sind Springsteen und seine E Street Band auf Betriebstemperatur, liefern sich Saxofonist Jake Clemons und Gitarrist Steven Van Zandt Battles, und während in der Parallelwelt die Fussball-Fans bangen (nur wenige verfolgen auch in der Arena das Spiel am Handy), gibt es Glückshormone in der Menge, als Springsteen bei „The Promised Land“ von der Bühne herab und auf die Fans zugeht, Autogramme gibt, Absperrungsgitter erklettert und ein Mädchen mit einer Mundharmonika beschenkt. Das ist so rampensaumäßig selbstgewiss wie ansteckend gut gelaunt und gleichzeitig überzeugend nahbar: ein Star zum Anfassen. Und die vielen treuen Fans, die T-Shirts der verschiedenen Tourneen tragen - sogar einige Veteranen des 1988-Konzerts in Ost-Berlin sind dabei - danken es ihm mit Wellen winkender Arme und textsicheren Gesangseinlagen.

Dialog der Instrumente: Bruce Springsteen und Suki Lahav von der The E Street Band beim Konzert in Hannover
Michael Matthey/dpaDie Kondition stimmt, und der Boss löst ein, was man von ihm erwartet - über drei Stunden, bis kurz vor elf, durch den Sonnenuntergang bis in den Abend geht das Konzert, der sieben Stücke umfassenden Zugabenblock, ein Highlight nach dem anderen und ohne Pause durchgespielt, wird schließlich bei eingeschaltetem Stadionlicht gegeben, das Publikum ist mindestens so sehr Teil des Geschehens wie die Crew auf der Bühne. „Born in the USA“ gefällt nicht jedem, umso besser gerät „Bobby Jean“ und „Dancing in the Dark“, immer wieder gibt Springsteen seinen fabelhaften Musikern den Vortritt, lässt Max Weinberg am Schlagzeug oder Nils Lofgren an der Gitarre allein performen, während er sich den Fans in der ersten Reihe widmet. Seit 1972, über 50 Jahre, spielen sie - mit Neugängen - zusammen - und haben sichtlich immer noch Spaß daran.
Das Programm lässt nichts zu wünschen übrig: Es gibt die Evergreens wie „Because the Night“ oder „Born to Run“, die Gute-Laune-Songs zum Mitsingen, die romantischen Songs wie „My Hometown“ oder „The River“, und es gibt berührend stille Momente mit vielen Gedanken an Tod und Vergänglichkeit: „Last Man Standing“ singt Bruce Springsteen allein an der Akustik-Gitarre, und im weiten Rund der Arena wird es sehr ruhig und es rollen sogar Tränen, als er sagt, dass Kummer der Preis dafür ist, gut geliebt zu haben. Und auch die allerletzte Zugabe „I'll see you in my dreams“ ist anrührender Abschied und würdiger Abschluss nach dem ausgelassenen „Twist and Shout“, mit dem Springsteen sein Versprechen wahrgemacht hatte: „You can't outlast the E Street Band“. Am Ende verlassen 43.000 glückliche Menschen das Stadion - sie haben auf jeden Fall die richtige Wahl für's Abendprogramm getroffen.
Korrektur: In einer Vorversion des Textes stand, Bruce Springsteen hätte auch „No Surrender“ gespielt. Hat er nicht.

