Corona und Kultur
: Brandenburger Theater in den Startlöchern

Toi, toi, toi - an den Bühnen zwischen Potsdam, Cottbus und Schwedt steigt das Lampenfieber. Endlich wieder Theater!
Von
Antje Scherer
Schwedt/Potsdam/FFO
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Mit Schwung: Luca Lehnert in dem HOT-Kinderstück "Die Biene im Kopf". An den Bühnen zwischen Potsdam, Cottbus und Schwedt steigt das Lampenfieber. Endlich wieder Theater!

Thomas M. Jauk

An den Uckermärkischen Bühnen Schwedt formuliert ihr Kollege André Nicke kurz und bündig: „Theater muss sein! Und zwar als Ort des Zusammenkommens.“ Dort ging es bereits vergangenes Wochenende los, mit dem Kinderstück „Robinson Crusoe“; die deutsch-polnische Inszenierung kommt auch nach Frankfurt (8.11.). Spielzeitauftakt ist dann am 30. August beim „Dinner in Weiß“ im Park. Insgesamt sind zehn neue Stücke geplant, darunter auch das Musical „Linie 1“ (Premiere: 9.4.2021). Wie überall läuft der Spielbetrieb unter Ausnahmebedingungen: Abstandsregeln, nur jede zweite Reihe darf besetzt werden … Auf den Druck eines Spielzeitheftes haben die Macher angesichts der unklaren Perspektiven verzichtet, auf alle Fälle sollte das beliebte Weihnachtsmärchen nicht ausfallen, in diesem Jahr „Die Bremer Stadtmusikanten“ (ab 21.11.). Besucherrekorde seien momentan unwichtig, so Intendant Nicke, es gehe vielmehr darum, den Besuch von Kulturveranstaltungen überhaupt wieder möglich zu machen.

Neuer Intendant in Cottbus

Die Kollegen vom HOT melden sich mit ihrer ersten Premiere am 11. September zurück – die Intendantin bringt mit „Vögel"  ein Werk von Wajdi Mouawad auf die Bühne, in dem religiöse und kulturelle Identitäten durcheinandergewirbelt werden.

Schon zuvor startet das Junge HOT am 4. September mit „Die Biene im Kopf“, eine Geschichte über einen Jungen, der seinen schwierigen Alltag in ein Computerspiel verzaubert. Insgesamt sind unter dem Motto "Toleranz“ 20 Premieren geplant. Ein Schwerpunkt ist das Jubiläum der Wiedervereinigung – dazu gibt es mit „Die Jury tagt“ die Uraufführung eines Auftragswerkes von der Potsdamer Autorin Julia Schoch, sowie eine Adaption des Romans „89/90“ von Peter Richter (beides Oktober). Am diesem Sonnabend kann man sich in Potsdam bei der Spielzeiteröffnung einen Überblick verschaffen.

Währenddessen wartet im Süden noch alles gespannt auf „den Neuen“: Stephan Märki, neuer Intendant am Staatstheater Cottbus, wird das Programm der Spielzeit am 2. September vorstellen.

Parallel hat sich das Kleist Forum in Frankfurt (Oder) ein eigenes Format zum Start ausgedacht: Die kostenlose Show „mit Überraschungsgästen“ soll am 12. September schwungvoll auf die neue Spielzeit einstimmen (drei Vorstellungen). Schon vorab präsentiert die Berliner Combo glanz&krawall das Open-Air-Spektakel „Trinkerpark“ (4.–6.9.) auf der Insel Ziegenwerder. Highlights der nächsten Spielzeit sind unter anderem gleich im Oktober die 30. Kleist-Festtage; Opernfans erwartet „Die Schule der Liebenden“ (13.9. und 13./14.11.) sowie die historische Marionettenoper „Philemon & Baucis“ (20.9.). Auf hohe See führt „Die Odyssee“ nach Homer als musikalisches Roadmovie, von und mit Boris Aljinovic und einem Saxophon-Quartett (25.10.); zum Lachen lädt die Show „Cavequeen“ ein (27./28.11.), und für Familien gibt es eine frische Adaption von „Schneewittchen“ (12.12.).

Florian Vogel, der künstlerische Leiter des Kleist Forums, sagte, der Spielplan – sicherheitshalber vorerst nur für die erste Hälfte der Spielzeit – sei „wahrscheinlich der außergewöhnlichste, den wir je gemacht haben“. Ein Großteil des Programms sei „eigens für diese besonderen Zeiten und Gegebenheiten produziert oder koproduziert“ worden.