DDR-Schlager: Sänger Michael Hansen mit 82 Jahren in Bernau gestorben

Sonnyboy der Unterhaltungskunst: der Sänger und Musikproduzent Michael Hansen (1940 – 2023)
Klaus-Dietmar Gabbert/dpaDer Schlagersänger Michael Hansen ist tot. Der 82-Jährige starb am Samstag nach wochenlanger Krankheit, wie Ehefrau Petra Kurucz-Schibilsky am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur sagte. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.
Hansen galt als Sonnyboy der DDR-Unterhaltungskunst. Der gebürtige Güstrower feierte mit seinen drei Sängerinnen, den Nancies, große Erfolge im Fernsehen und auf Showbühnen - etwa mit den Liedern „Regen in der Nacht“ und „Wer hat sie gesehn“. Er lebte in Wandlitz und war Ehrenpräsident der Elblandfestspiele in Wittenberge.
Ina Martell & Michael Hansen mit „Heut sehn uns alle Bostella tanzen“ (1969) auf YouTube
Hansen erkrankte nach Angaben seiner Witwe nach Ostern an Corona und war mehrfach im Krankenhaus in Berlin-Buch. „Ich habe meinen Mann zuhause teilweise pflegen müssen“, sagte sie. Zuletzt sei er in einer Reha-Klinik in Wandlitz gewesen.
Die Musik hatte Hansen alias Schibilsky von Kindesbeinen an im Blut. Er sang im Schulchor, später an der Universität Rostock, wo er Maschinenbau studierte und in einer Band spielte. „Die Musik war zunächst nur ein Hobby, nach dem Studium entschied ich mich ganz für den Beruf und wurde Schlagersänger“, erzählte er anlässlich seines 75. Geburtstages im Jahr 2015.
Die schwarzen gelockten langen Haare waren früher sein Markenzeichen. Im Jahr 2015 machte er Schluss mit dem Haarefärben. Kurz vor seinem 75. Geburtstag waren die Koteletten ergraut.
Großer Erfolg mit den Nancies
Der große Erfolg Hansens kam in den 1970-er Jahren. Zu ihm kamen drei Tänzerinnen, die auch sangen. Die Gruppe Michael Hansen und die Nancies war oft im Fernsehen oder auf Bühnen zu sehen. „Wir waren vor allem ein Begriff über die Augen: Wir sangen und tanzten“, sagte Hansen 2015.
Seine Karriere mit den Nancies beendete er einen Tag vor der Währungsunion am 30. Juni 1990. Danach war er aber nicht nur weiter musikalisch aktiv und schrieb Kindermusicals. Hansen engagierte sich zum Beispiel auch im Tourismus.
Ein reetgedecktes Haus in Wandlitz
Im Jahre 1973 erwarb Hansen in Wandlitz ein Grundstück, das er mit Hilfe von Freunden und Verwandten mit einem reetgedeckten Wohnhaus bebaute. Nancy Susanne aus der Musikgruppe wurde im August 1976 seine zweite Ehefrau. Sie starb 2008 auf dem Darß bei einem Familienausflug. Neben einem Sohn aus einer früheren Beziehung seiner Frau hatten sie zwei gemeinsame Kinder.
In den 1980er-Jahren wurde Hansen Vorsitzender der Sektion Gesangsinterpreten beim Komitee für Unterhaltungskunst der DDR. Nach der politischen Wende in der DDR begann Hansen mit Erfolg, in Wandlitz ein privates Tonstudio zu betreiben; zu seinen Kunden zählten bald auch Stars wie Lili Ivanova, Dagmar Frederic, Roberto Blanco und Gisela May.
Engagement für den Tourismus im Barnim
An seinem Wohnort engagierte sich Hansen auch bald im Umweltschutz. Er gilt als einer der Gründer des Tourismusverbandes Barnim. Auch als Manager war er aktiv, er arbeitete im Internationalen Bund am Bogensee, der die Nachfolge der früheren FDJ-Bildungsstätte antrat. Nach der Insolvenz dieser Einrichtung trat Hansen zusammen mit seiner Ehefrau mit Schlagern, Jazz, Rock und Folklore auf Kreuzfahrtschiffen auf.