Seit 1893 befindet sich auf dem ehemaligen Galgenberg der Stadt ein Ausflugslokal. Der Komplex beherbergt auch einen Ballsaal. Und in dem eckigen Turm in Backsteinrot und Weiß findet sich ein Literaturmuseum, das dem Dichter Christian Morgenstern gewidmet ist. Auch der saß häufiger auf dem Berg, der ihn zu seinen Galgenliedern inspirierte.
Gäste kommen zum Picknick
Betrieben wird die Bismarckhöhe heute von der Wohlthat Entertainment GmbH. Projektleiterin Gabriele Just führt über das Gelände, auf dem in großen Abständen Bierbänke stehen. Auf der Wiese vor der Bühne können Gäste ihre Picknickdecken ausbreiten.
Die Zeiten sind nicht leicht für Kulturbetreiber. Nach einigen Wochen, in denen die Bismarckhöhe komplett schließen musste, wurde überlegt, was unter den momentanen Sicherheitsvorkehrungen möglich ist. "Wir haben den Kultursommer innerhalb von zwei Wochen aus dem Boden gestampft", erzählt Gabriele Just. An den Wochenenden wird nun zu Kultur im Freien geladen. Am 1. August ist beispielsweise der Schauspieler und Musiker Stefan Jürgens zu Gast, am 8. August der Pianist Martin Herzberg.
Neuerdings zeigt die Bismarck-höhe donnerstags und freitags mit dem örtlichen Kinobetreiber Filme. Die geplanten Konzerte, Abi-Bälle, Hochzeiten und Jugendweihen im Ballsaal mussten ausfallen. Finanziell lohne sich der Betrieb unter diesen Bedingungen nicht, sagt Gabriele Just. Es sei jedoch wichtig, Mitarbeitende zu motivieren sowie Künstlern Auftrittsmöglichkeiten zu bieten.
Gabriele Just führt in den momentan leerstehenden, fast 800 Quadratmeter messenden Saal mit seinen großen Kronleuchtern. "Das ist der schönste Ballsaal, den Brandenburg zu bieten hat," sagt sie und sorgt für einen weiteren Superlativ. Die Bismarckhöhe sei ein Objekt, das man mit Herzblut betreiben müsse.
Die bereits auf dem Weg nach oben angekündigte Aussicht ist ein paar Etagen höher noch schöner. Dorthin führt Klaus Hugler, der einen Einblick in das Reich des Freundeskreises Bismarckhöhe in Werder (Havel) gibt. Der Verein hat den Turm saniert und betreibt dort  ein kleines Christian-Morgenstern-Literatur-Museum. Gezeigt werden auch Gegenstände aus dessen Nachlass, darunter eine Reihe von Büchern aus seiner Bibliothek.
Christian Morgenstern zog 1895 mit einer Reihe von gut gelaunten jungen Männern auf die Anhöhe, wo zwei Jahre zuvor unter dem Namen "Restaurant Galgenberg" ein Aussichtsturm mit Ausschank eröffnet worden war. Sie gründeten dort den "Bund der Galgenbrüder", trafen sich von da an häufiger und sangen. Morgenstern schrieb die Texte für die sogenannten Galgenlieder, die Julius Hirschfeld vertonte. Bei ihren Ausflügen fielen die Männer wohl häufiger unangenehm auf. "Für diese Art von Humor hatten viele Wirte kein Verständnis", erzählt Klaus Hugler.
Der zweite Betreiber der Gastwirtschaft, Gustav Altenkirch, baute den großen Saal und nannte das Ensemble ab 1897 Bismarckhöhe. Nach Jahrzehnten als Ausflugslokal wurden die Räumlichkeiten 1943 bis 1945 als Lazarett der deutschen Wehrmacht genutzt. Zu DDR-Zeiten diente die Bismarckhöhe als Lager für Jugendmode und später als Lehrlingswohnheim und Möbellager. Nach der Wende stand der Komplex leer. 2002 kaufte und sanierte ihn die Stadt Werder. Anfang dieses Jahres berichtete unter anderem die "Märkische Allgemeine" über Überlegungen der Stadt, die Bismarckhöhe 2021 zu verkaufen. Klaus Hugler glaubt noch nicht so recht an diese Pläne. Die Bismarckhöhe sei ein Wahrzeichen der Stadt. "Das wäre, als würde man den Fernsehturm in Berlin verkaufen."
Bismarckhöhe, Hoher Weg 150, 14542 Werder (Havel). Samstagskonzerte:  19 Uhr, Sonntagslesungen & Talks: 17 Uhr, Infos: 030 24658435, www.bismarckhoehe.com

Infokasten