Die Ärzte in Berlin 2024
: Vor Konzert im Festsaal – Schlangestehen mit den Fans

Ob Die Ärzte wirklich die „beste Band der Welt“ sind? Die besten Fans der Welt haben sie jedenfalls – wie sich beim ersten von fünf Konzerten in Berlin zeigt.
Von
Michael Heider
Berlin
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Kommt er noch in den Festsaal Kreuzberg zum Konzert von Die Ärzte? Pascal aus Potsdam

Kommt er noch in den Festsaal Kreuzberg zum Konzert von Die Ärzte? Pascal aus Potsdam

Michael Heider

Diese eine Liebe wird nie zu Ende geh'n!“, singen Die Ärzte in ihrem frühen Hit „Westerland“. Eine Zeile mit Gültigkeit, wie es scheint. Vor dem Festsaal Kreuzberg in Berlin kommt sie einem fast unvermeidbar in den Sinn. Und das obwohl (oder gerade weil) die eigentliche Musik hier noch einige Stunden auf sich warten lässt.

Noch ist die Holztür der Kreuzberger Eventlocation verschlossen. Erst gegen 20 Uhr wird dahinter die selbst ernannte „beste Band der Welt“ die Bühne betreten. Doch die (schon wesentlich objektiver gesprochen) besten Fans der Welt sind schon am frühen Nachmittag an Ort und Stelle – und trotzen der prallen Hitze, die an diesem Dienstag über der Hauptstadt liegt.

Um die erste zu sein, muss man einiges auf sich nehmen

Es ist das erste von fünf Konzerten von Die Ärzte in Berlin: Erst zwei kleine Clubshows, dann dreimal große Sause auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof. Den Anfang macht der Festsaal Kreuzberg. Rund 640 Menschen finden dort Platz.

Gegen 16 Uhr sind viele von ihnen bereits vor Ort. Ganz vorne in der stetig wachsenden Schlange: Sandra und Nadine. Zusammen mit einigen Freundinnen haben sie sich die Pole-Position gesichert. Ein Privileg mit Preis: „Wir sind seit heute Morgen hier.“ Wie früh genau, das wollen die beiden nicht verraten. „Um ehrlich zu sein, sagen wir das nicht so gerne“, erklärt Sandra. „Damit wir das nicht hochpushen. Sonst kommen nur noch mehr Leute.“

Sind nicht das erste Mal die Ersten bei einem Konzert von Die Ärzte: Sandra und Nadine

Sind nicht das erste Mal die Ersten bei einem Konzert von Die Ärzte: Sandra (l.) und Nadine

Michael Heider

Erfahrung und weise Voraussicht zugleich. Auf wie vielen Konzerten von Die Ärzte sie schon waren? „Auf jeden Fall über 50“, schätzt Sandra. Nadine kommt sogar auf rund 120. Das erste Mal hat sie das Trio 1998 live erlebt. Entsprechend vorbereitet ist die Gruppe, die extra aus Rostock, Hamburg, München und anderen Ecken des Landes angereist ist. Campingstühle, Sonnenschirme, Proviant seien unverzichtbar, erklären sie. Gleiches gilt für Schlafsäcke. „Weil es morgens trotzdem noch etwas kalt ist“, weiß Nadine zu berichten. Und die Tüten voll Konfetti? „Die sind für das Konzert“, lacht sie.

Viele sind seit frühester Kindheit Fans von Die Ärzte

Die Stimmung ist bereits Stunden vor Konzertbeginn prächtig. Die Vorfreude ist groß. Wer sich in der beachtlichen Schlange vor dem Eingang umhört, trifft fast ausschließlich auf langjährige Fans. So wie Nadine. Sie teilt sich zwar den Namen mit ihrer Fan-Kollegin, steht aber etwas weiter hinten. Angereist ist sie mit ihrer Kollegin Laura aus Dresden. Für die Show in Kreuzberg haben sie sich extra Urlaub genommen. Ob sie nun auf 50 oder 60 Konzerten der Ärzte war? Genau kann sie es nicht mehr sagen, rätselt Nadine. Eines aber ist sicher: „Früher sind es noch mehr gewesen.“

Die Arbeitskolleginnen Nadine (l.) und Laura sind extra aus Dresden für Die Ärzte angereist.

Die Arbeitskolleginnen Nadine (l.) und Laura sind extra aus Dresden für Die Ärzte angereist.

Michael Heider

Dabei wurde sie auf ihr erstes Ärzte-Konzert noch mitgeschleppt, lacht sie. „Meine Schwester hat mich mitgenommen. Das war noch in Dresden und ich war ganz klein, noch in der Jungen Garde.“ Doch der Funke sprang über. „Ich bin dann immer öfter zu den Konzerten gegangen.“

Auch Fans ohne Ticket stehen vor der Konzerthalle

Auf ähnlich beeindruckende Zahlen kommt Pascal noch nicht: „Ich bin relativ neuer Ärzte-Fan.“ Zwar kenne er die Band schon länger, richtig für sich entdeckt habe er sie aber erst durch eine Freundin vor gut einem Jahr, sagt der 33-Jährige aus Potsdam. Immerhin dreimal hat er Bela, Farin und Rod aber schon auf der Bühne erlebt. „Die sind super sympathisch und machen natürlich coole Musik.“

Warten auf Die Ärzte: Noch sind es ein paar Stunden bis zum Konzertbeginn im Festsaal Kreuzberg

Warten auf Die Ärzte: Noch sind es ein paar Stunden bis zum Konzertbeginn im Festsaal Kreuzberg

Michael Heider

Nach Kreuzberg ist Pascal auf gut Glück gekommen – ohne Ticket. Aber das will er ändern: „Suchä 2 Tickäts!“ hat er – Ärzte-typisch mit drei Umlautpunkten – auf ein Plakat geschrieben. Eines habe er schon ergattert, freut er sich. Zum Wucherpreis? „Nee, vernünftig. Ein Fuffi hat es gekostet.“ Eine Freundin steht auf Abruf, erklärt der Fan im schwarzen Ärzte-Shirt. „Wenn ich ein zweites Ticket ergattere, dann kommt sie spontan her. Ansonsten gehe ich alleine rein.“

„Das frühe Anstellen ist nicht nur für die Band“

Bangen um Tickets, stundenlanges Anstehen, Brutzeln in der prallen Sonne, extra Urlaub nehmen –warum betreiben Fans diesen Aufwand? „Das frühe Anstellen ist nicht nur für die Band“, erklärt die Erste in der Schlange, Nadine. Klar mache man es auch, weil man die Ärzte liebt. „Aber wir sehen uns alle nicht so oft“, sagt die Wahl-Berlinerin über ihre Gruppe von Freundinnen. „Aber für die Konzerte kommen wir immer wieder zusammen.“

Und langweilig werde es auch nicht, fügt Sandra hinzu: „Keine Show ist gleich.“ Aus diesem Grund hätten sie auch Tickets für alle fünf Konzerte von Die Ärzte in Berlin. Wenn das Trio am nächsten Abend also wenige Kilometer entfernt im Astra spielen, wollen Nadine und Sandra auch wieder ganz vorne sein. Genau wie darauffolgende Woche in Tempelhof – drei Tage in Folge.

Was soll man dazu sagen? Diese eine Liebe eben.