Die Prinzen in Berlin 2026
: So war das „Symphonica“-Konzert im Tempodrom

Mit ihrem unvergleichlichen A cappella-Sound haben sich die Prinzen Legenden-Status ersungen. Im Berliner Tempodrom spielten sie ihre Hits begleitet von einem Orchester. Funktioniert die Kombi?
Von
Michael Heider
Berlin
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Bei ihrem Symphonica-Konzert im Tempodrom Berlin teilten sie sich Die Prinzen (hier bei der Verleihung der Goldene Henne 2025) die Bühne mit einem Orchester.

Bei ihrem „Symphonica“-Konzert im Tempodrom Berlin teilten sie sich Die Prinzen (hier bei der Verleihung der Goldene Henne 2025) die Bühne mit einem Orchester.

Hendrik Schmidt/dpa
  • Die Prinzen spielten im Tempodrom Berlin ihr „Symphonica“-Konzert mit Orchesterbegleitung.
  • Die Thüringen Philharmonie eröffnete mit einem Medley, später stiegen die sieben Prinzen ein.
  • Hits wie „Millionär“, „Küssen verboten“, „Mein Fahrrad“ und „Alles nur geklaut“ prägten den Abend.
  • Auch seltene Stücke wie „Blaue Augen“ und das bittersüße „Königin“ fanden Platz – ebenso Neues.
  • Anfangs störte die Technik, doch am Ende überwog bei den rund 4000 Fans die Begeisterung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Dass die Prinzen deutsches Kulturgut sind, versteht sich von selbst. Etwas Deutsch-Unterricht darf also sein. An diesem Samstagabend auf dem Lehrplan: Oxymoron. Ein rhetorisches Stilmittel, das zwei gegensätzliche Begriffe kombiniert. Süßer Schmerz zum Beispiel. Doch gehören die Prinzen mit Orchester auch in diese Kategorie? Vertragen sich A cappella und ein bombastischer Klangkörper? Das gilt es in den nächsten zweieinhalb Stunden im Tempodrom Berlin herauszufinden.

Auf ihrer aktuellen „Symphonica“-Tour teilt sich die Leipziger Band die Bühne mit der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach. Deren Streicher- und Bläsersektionen sorgen gleich zu Beginn mit einem rein musikalischen Medley von Prinzen-Hits für gediegene Wucht. Als sich zu „Krone der Schöpfung“ auch Sebastian Krumbiegel, Tobias Künzel, Wolfgang Lenk, Jens Sembdner, Henri Schmidt, Mathias Dietrich und Ali Zieme in ihren dunklen Anzügen dazugesellen, zeigt sich direkt: Die Prinzen sind selbst eine Wucht.

Die Berliner Fans kennen die Spielregeln der Prinzen

Es ist ja nicht so, als würden sie sich nicht mit großen Klangkörpern auskennen. Das Publikum der Ohrwurm-Züchter ist stets ein akustischer Faktor. Und auch die rund 4000 Berlinerinnen und Berliner machen den Mitgliedern des Orchesters ordentlich Konkurrenz – ganz wie gewünscht übrigens. „Ihr kennt ja die Spielregeln bei einem Prinzen-Konzert“, ruft Frontmann Krumbiegel vor dem früh platzierten Mega-Hit „Millionär“. „Das Publikum singt besser und lauter als die Band!“ Im Tempodrom sind die Fans mit den Spielregeln bestens vertraut.

Die Prinzen stellen gleich beim Einstieg klar, dass auch auf ihrer symphonischen Tour die Primär-Emotion Spaß lautet. Und sie liefern geeignetes Ton-Material, um diesen zu befeuern. „Alle Hits“ ist auf den Tour-Plakaten im Foyer des Tempodroms zu lesen. So fehlen neben besagtem „Millionär“ auch „Küssen verboten“, „Mein Fahrrad“ und „Alles nur geklaut“ nicht auf der Setlist. Die unverwüstlichen Pop-Satiren vertragen die orchestralen Arrangements gut. Auch, weil diese nicht bloß Ausschmückung sind, sondern gekonnte Interpretation. Dem sehnsuchtsvoll von Tobias Künzel gesungenen Ideal-Cover „Blaue Augen“ etwa steht der Streicher satte Pathos ganz außerordentlich.

Doch die Prinzen verlassen sich nicht allein auf den sicheren Effekt ihrer größten Hits. Dazwischen streuen sie Stücke mit Seltenheitswert. Neben „Blaue Augen“ gehört dazu das – Achtung: Oxymoron! –  bittersüße „Königin“. Im Zentrum steht in Berlin aber klar die Ära der Klassiker, mit denen die Gruppe in den 90ern ihre größten Erfolge feierte. Aber auch das jüngste, wenn auch mit Veröffentlichung 2021 nicht mehr ganz junge, Album „Krone der Schöpfung“ ist mit gleich mehreren Stücken prominent vertreten.

Zu „Bombe“ explodieren Prinzen und Publikum gemeinsam

Bei allem Spaß, den Sebastian Krumbiegel und Tobias Künzel auch mit humorvollen Einlagen zwischen den Songs liefern, ist ebenfalls Platz für Emotion. Vor allem mit der Ballade „Abgehauen“ treiben Künzel und die symphonischen Streicher Fans Tränen in die Augen. Es sind gekonnt gesetzte Stimmungen mit gutem Gespür für Timing. Auch darin werden die vier Jahrzehnte Bühnenerfahrung der Prinzen spürbar. Eindrücklichstes Beispiel ist wohl der taktische Wachmacher nach der Pause „Suleimann“.

Die Berlinerinnen und Berliner danken es mit enormer Euphorie und kräftigem Mitsingen, besonders bei frechen Nummern wie „Gabi und Klaus“ und „Küssen verboten“. Kollektive Tanzlaune will sich im vollbestuhlten und ausverkauften Saal zwar nicht einstellen, spätestens zu „Deutschland“ hält es aber trotzdem vereinzelte Fans nicht mehr auf ihren Plätzen. Zu „Bombe“ explodieren die Prinzen schließlich mit ihrem Publikum gemeinsam.

Da neigt sich der Abend bereits dem Ende zu. Hier und da hat sich an ihm die Technik als Spielverderber erwiesen. Erst ab der zweiten Konzerthälfte sind die Stimmen der Prinzen derart gepegelt, dass sich ihre Harmonien mit dem Klang der Symphoniker gut ergänzen. Die Euphorie-Analyse unter Fans ergibt trotzdem ein durchweg positives Stimmungsbild. Gegensätze, besonders vermeintliche, ziehen sich eben an. Oder um ein Oxymoron zu bemühen: Die „Symphonica“-Show der Prinzen ist teuflisch gut.