Doku
: Berlinale – „Speer goes to Hollywood“

Die belgische Regisseurin Vanessa Lapa dokumentiert ein Filmprojekt, mit dem Hitlers Architekt sich 1971 reinwaschen wollte.
Von
Barbara Breuer
Berlin
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Albert Speer in "Speer goes to Hollywood". Die belgische Regisseurin Vanessa Lapa dokumentiert ein Filmprojekt, mit dem Hitlers Architekt sich 1971 reinwaschen wollte.

Hanns-Peter Frentz

Im Zentrum von „Speer goes to Hollywood“ aus der Sektion Berlinale-Special steht Hitlers Reichsarchitekt und späterer Rüstungsminister. Er wurde währen der Nürnberger Prozesse zu 20 Jahren Haft verurteilt. Als er am 1. Oktober 1966 aus dem Gefängnis kam, war er gesund und munter – und bereit, mit der Welt seine Perspektive auf Nazideutschland zu teilen.

Der Kriegsverbrecher schrieb seine „Erinnerungen“, die millionenfach verkauft wurden. Da wurde auch Hollywood auf ihn aufmerksam und Paramount plant, einen Film über ihn drehen. Albert Speer lädt 1971 deshalb den Drehbuchautor Andrew Birkin zu sich ein. Albert Speer will ihn beraten: Die dabei entstehenden Dialoge bringen es auf 40 Stunden Kassettenaufnahmen – die Grundlage für Vanessa Lapas Film.

Albert Speer sagt darin Sachen wie: „Ich fühle mich wie Ödipus. Ich weiß nicht, für welche Verbrechen ich angeklagt worden bin“. Die Regisseurin mit den belgischen Wurzeln schon. Einzelne Punkte der Anklage mit Zeugenbefragungen aus den Nürnberger Prozessen sind genau so im Film enthalten wie bisher unveröffentlichte Fotos aus Konzentrationslagern und deren Kommentierung von Zeitzeugen.

So behauptet Albert Speer, er habe nicht so genau gewusst, wie es in den Konzentrationslagern ausgesehen hat, „nur dass es eine unangenehme Sache gewesen sein muss“. Gleich dahinter schneidet Vanessa Lapa die Zeugenaussage eines Mannes, der Fotos präsentiert: Sie zeigen Alber Speer beim Besuch in einem KZ. Er selbst orderte immer mehr KZ-Insassen zum Verschleißen: Sie sollten in den Kruppstahlwerken und anderen Produktionsstätten bis zum Umfallen schuften.

Das Korrigieren des Drehbuchs, Fakten aus der deutschen Geschichte zwischen 1931 bis 1945, sowie die Nürnberger Prozesse sind die drei Lagen, die diesen Film ausmachen.

„Is it History oder His story?“, fragt die Autorin nach der Vorführung. Sie hat vor allem ein Ziel: Den Menschen möglichst viele Bilder, Tonbänder und auch Filmaufnahmen zugänglich zu machen, die bisher noch nie jemand gesehen hat. Vanessa Lapa sagt: „Es ist wichtig, dass die Menschen diese Bilder noch zu sehen bekommen, bevor die Zeit sie unbrauchbar macht.“

„Speer goes to Hollywood“: Berlinale Special, 29.2. 18 Uhr Cubix 6