Drehbesuch
: Bibi und Tina auf Schloss Reichenow

Mit neuen Hauptdarstellerinnen zeigt Amazon Prime im Frühjahr 2020 eine „Bibi & Tina“-Serie. Gedreht wird derzeit in Reichenow.
Von
Lukas Grybowski
Reichenow-Möglin
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  • Alles auf Position: Regisseur Detlev Buck (vorn) gibt den Hauptdarstellerinnen Harriet Herbig-Matten als Tina (Mitte) und Katharina Hirschberg als Bibi auf einem Pferd (rechts) letzte Anweisungen für die nächste Szene.

    Alles auf Position: Regisseur Detlev Buck (vorn) gibt den Hauptdarstellerinnen Harriet Herbig-Matten als Tina (Mitte) und Katharina Hirschberg als Bibi auf einem Pferd (rechts) letzte Anweisungen für die nächste Szene.

    Patrick Pleul/dpa
  • Haben enorm viel Spaß am Set: Franziska Weisz (M.), die die Gutsbesitzerin Frau Martin spielt, mit ihren jungen Kolleginnen  Katharina Hirschberg (l.) und Harriet Herbig-Matten.

    Haben enorm viel Spaß am Set: Franziska Weisz (M.), die die Gutsbesitzerin Frau Martin spielt, mit ihren jungen Kolleginnen  Katharina Hirschberg (l.) und Harriet Herbig-Matten.

    Patrick Pleul/dpa
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Ein starker Wind weht über ein riesiges Feld bei Reichenow–Möglin (Märkisch–Oderland) und wirbelt eine Menge Sand auf. „Ruhe bitte, wir müssen uns ein bisschen beeilen“, hört man es trotz der Böen über den Acker rufen, während am Horizont dunkle Wolken aufziehen. "Danke! Die Szene drehen wir aber noch einmal“, hört man nur einige Sekunden später. Einer der Schauspieler lief in die falsche Richtung. Noch bis Mitte August wird im und um Schloss Reichenow die neue Amazon–Prime–Serie „Bibi & Tina“ gedreht.

Wie schon bei den vorherigen vier Kinofilmen die ab 2014 in den Kinos liefen, führt Detlev Buck Regie. Doch dieses Mal spielt die 17–jährige Bayreutherin Katharina Hirschberg Bibi und die 16–jährige Harriet Herbig–Matten aus München Tina.

Bibi und Tina verbringen ihre Sommerferien auf dem Martinshof und erleben einen heißen und trockenen Sommer voller Abenteuer — ausgebüxte Pferde, eine Wildschweinplage und unvorhersehbare Wetterkapriolen. Zudem kommt mit Chico (Christoph Moreno) ein neuer Charakter auf den Martinshof,  bietet seine Mitarbeit an und erhält dafür freie Unterkunft. Bibi und Tina freunden sich mit ihm an und lüften ein Geheimnis, das Chico mit sich trägt.

Klimawandel wichtiges Thema

Beim Dreh auf dem Feld führt Detlev Buck selbst die Kamera. Mehr als 13 Mal drehen sie eine Szene aus verschiedenen Perspektiven, bei der Chico vom Pferd fällt und sich von Bibi und Tina den Kommentar „Ich dachte, du kannst reiten“ gefallen lassen muss. Dabei konnten nicht alle Darsteller vor dem Dreh reiten. Während es für Katharina Hirschberg kein Problem war, musste Harriet Herbig–Matten es zunächst lernen. „Ich denke, mittlerweile klappt es ganz gut“, sagt sie.

Mehr als 16 Filmleute stehen in unmittelbarer Nähe des Geschehens. Sie sorgen für das richtige Licht, ein sauberes Kostüm, einen guten Ton und dafür, dass die Pferde in den verschiedenen Einstellungen immer an derselben Stelle stehen bleiben. Rund um das Schloss Reichenow, das die Residenz von Graf Falko darstellt, stehen unzählige Lastwagen mit Requisiten und technischen Hilfsmitteln. Im Schloss ist alles im Stil der Filmfamilie Falkenstein dekoriert. Bereits im Eingangsbereich sticht ein riesiges Bild mit dem Familienlogo ins Auge.

Für Detlev Buck sind die wichtigsten Dinge für den Dreh der Serie, dass man die Ruhe behält, eine Leidenschaft entwickelt, etwas Neues zu kreieren, ein wenig Glück und ein gewisser Abstand, um neue Ideen zu finden. „Bibi & Tina“-Filme sind leicht. Sie sind freudvoll und nicht depressiv. Klar, gibt es Probleme, aber die werden unkonventionell gelöst, weil es eine Hexe gibt, und dieses Unkonventionelle entspricht auch meinem Denken“, beschreibt Detlev Buck seine Leidenschaft, nach vier „Bibi & Tina“-Kinofilmen nun auch noch eine Serie zu drehen.

Eines dieser Probleme, das in der Serie angesprochen wird, ist der Klimawandel und der daraus resultierende heiße Sommer. Für die beiden Hauptdarstellerinnen ein enorm wichtiger Aspekt. „Man kriegt viel über Social Media mit, und wir waren beide auch mehrmals bei Fridays–for–Future Demonstrationen“, berichtet Harriet Herbig–Matten. „Es ist einfach die ganze Zeit ein sehr präsentes Thema. Es ist natürlich auch wichtig, nicht nur Demos zu machen, sondern auch im Alltag darauf zu achten“, pflichtet ihr Katharina Hirschberg bei.

Beide gehen in die 10. Klasse und wollen in der Zukunft ihr Abitur ablegen. „Ich könnte mir gar nicht vorstellen, jetzt einfach mit der Schule aufzuhören. Für mich war von Anfang an klar, dass ich trotz der Schauspielerei das Abitur zur Sicherheit machen möchte“, so Harriet Herbig–Matten, die ein Gymnasium in München besucht. Ähnlich sieht es Katharina Hirschberg, die ein Gymnasium in Bayreuth besucht: "Die Schauspielerei ist für mich total neu, daher ist es meinen Eltern, aber auch mir sehr wichtig, dass ich das Abitur mache.“ Da der Dreh noch in der Schulzeit begann, haben beide Nachhilfe bekommen und mussten den Unterrichtsstoff an den Wochenenden nacharbeiten. Außerdem mussten sie einige Prüfungen nachschreiben, die sie auch bestanden haben.

Für beide erfüllt sich mit ihrer Rolle ein großer Traum, denn sie sind auch mit den Hörspielen, Zeichentrickserien und den Kinofilmen von Detlev Buck aufgewachsen. "Das kann man sich alles noch gar nicht so richtig vorstellen, dass man selbst Bibi spielt. Es ist natürlich noch einmal etwas ganz anderes als die Hörspiele“, so Bibi–Blocksberg–Darstellerin Katharina Hirschberg. „Ich finde es super cool, eine Hexe sein zu können. Es ist so fantastisch, und einfach alles ist möglich“, erklärt sie die Vorteile ihrer Rolle.

Während die 16–Jährige Harriet Herbig–Matten durch ihre Hauptrolle in „Das Pubertier“ bereits Erfahrungen vor der Kamera sammeln konnte, ist der Dreh für die 17–jährige Katharina Hirschberg etwas vollkommen Neues. „Es gefällt mir alles total gut. Wir verstehen uns richtig gut miteinander. So schön habe ich es mir wirklich nicht vorgestellt“, erzählt sie. Dabei gibt sie auch zu, dass sie vor dem ersten Dreh ziemlich aufregt war. „Aber Harriet hat mich beruhigt und meinte immer, dass ich nicht aufgeregt sein müsse.“

Für Erfahrung am Set sorgt Franziska Weisz, die Susanne Martin, die Mutter von Tina und Pächterin des Martinshofes, darstellt. Sie spielte bereits in zahlreichen Kinofilmen mit und bildet seit 2015 gemeinsam mit Wotan Wilke Möhring das norddeutsche Ermittlerduo beim „Tatort“.  Vorher habe sie immer gehört, dass Kinder und Tiere am Set das Schlimmste seien, was einem als Schauspieler und Filmemacher passieren könne. „Und wir haben beim Dreh Tiere und Kinder, wobei es eher wunderbare Teenager sind, und es macht mir so einen Spaß“, erzählt sie mit einem strahlenden Lächeln. Den Großteil ihrer Szenen hat Franziska Weisz bereits auf dem Martinshof, der in der Nähe von Wriezen liegt, abgedreht und ihre Fans über Instagram mit zahlreichen Selfies mit den Tieren teilhaben lassen. „Ich ziehe mich bei Dreharbeiten auch ganz gern mal zurück, aber hier gehe ich einfach in den Stall. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich so aufgewachsen bin“, sagt die 39–Jährige.

Seit Mitte Juni wird die Serie bereits in Ostbrandenburg gedreht. Im ersten Halbjahr 2020 sollen die zehn Folgen mit einer Länge von jeweils 20 bis 25 Minuten bei Amazon Prime laufen.