Ehrenbär: Eine Begegnung mit Helen Mirren

Verleihung des Goldenen Ehrenbären an Helen Mirren. Sie war "The Queen", und spielte in dem Skandalfilm Caligula mit. Mit der Presse sprach sie über Drehbücher, Höflichkeit und Hunde.
Britta PedersenDie Journaille gehorchte, die Diva strahlte und bewies damit Verschmitztheit, Autorität und Klasse. Der neue künstlerische Leiter der Berlinale, Carlo Chatrian, hatte es sich nicht nehmen lassen, Mirren auf dem Podium zu sekundieren. Doch Beistand brauchte die blendend aussehende Mirren — im schwarzen Anzug mit Perlenkragen — wahrlich nicht. Sie plauderte charmant und humorvoll über Karriere, Mitstreiter und Filme und zuweilen auch aus dem Nähkästchen.
So offenbarte die 74–Jährige, dass sie als junge Schauspielerin vor allem Bühnenstar habe werden wollen und keinerlei Kinokarriere angestrebt hätte. Den „Oscar“ erhielt Mirren 2007 für ihre Rolle in Stephen Frears’ Drama „The Queen“. Mit der Monarchin sei sie nur sehr kurz in Berührung gekommen, bekannte die Schauspielerin, nämlich als diese sie 2003 zur Ritterin schlug. Das brachte Mirren den Titel der „Dame“ ein. Royalistin sei sie nicht, hätte aber im Laufe der Recherchen für die Rolle einen immer tieferen Respekt vor der Disziplin und dem Verantwortungsbewusstsein der Queen empfunden.
Dass sie nicht nur in Meisterwerken mitgewirkt hat, ist Helen Mirren klar. Auf einen ihrer frühen Filme angesprochen, „Caligula“ (1979) des als „Tittenfilmer“ verschrienen Italieners Tinto Brass, reagierte Mirren souverän und verwies auf die sich ändernden Befindlichkeiten in puncto Sittlichkeit: „Damals war es ein extremer Film. Doch ich habe gewettet, dass er 20 Jahre später normal im Fernsehen laufen würde, und so war es auch.“
Großes Gelächter erntete Mirren, die sich trefflich auf das Setzen von Pointen versteht, als sie verriet, wie sie sich beim Drehbuchlesen für oder gegen einen Film entscheide: „Bei einem Drehbuch lese ich immer zuerst die letzte Seite. Wenn meine Figur darin noch auftaucht, ist das ein gutes Zeichen. Dann lese ich das Drehbuch von Anfang bis Ende. Wenn nicht, blättere ich zurück und suche den letzten Auftritt meiner Figur. Und wenn sie einen fantastischen, dramatischen Abgang hat, lese ich es auch vom Anfang an.“ Wenn die für sie gedachte Figur jedoch einfach so verschwinde, sei es dagegen für sie ein Zeichen, dass sie das Drehbuch nicht lesen müsse: „Dann ist es keine gute Rolle.“
Wiederholt musste die englische Mimin über ihre Paraderolle der Queen Auskunft geben und nutzte die Gelegenheit auch dazu, Regisseur Stephen Frears und Drehbuchautor Peter Morgen zu loben. Auch mit den Film–Corgies der Queen habe sie sich als Hundeliebhaberin gut verstanden: „Ich weiß nicht, ob Sie gemerkt haben, wie ich Sie eben alle dazu gebracht habe, aufzustehen. Ähnlich habe ich es mit den Corgies gemacht. Ich habe sie nicht angeblafft. Wir haben uns gut verstanden, und ich habe mich geehrt gefühlt, mit ihnen gearbeitet zu haben.“ Als die Diva nach kurzen 23 Minuten vom Podium abtrat, hatte sie wohl das Herz des letzten Rüpels erobert. Auch uns war es eine Ehre, Dame Helen.