Encounters: „Servants“ über die Katholische Kirche auf der Berlinale

Samuel Skyva und Samuel Polakovič in "Sluzobnici" (Berlinale Encounters). Ein Film Noir über zwei Seminaristen in der Tschechoslowakei der frühen Achtziger. Warum läuft der Film nicht im Wettbewerb?
Juraj ChplikAls dort die beiden neuen Schüler Martin und Juraj ankommen, ist die Staatssicherheit schon da. Das Ziel: Kirchliche Einrichtungen in Meinungs– und Glaubensfragen zu kontrollieren und den Klerus davon zu überzeugen, zwei Herren zu dienen. Und tatsächlich: Einige Kirchenmänner gehören zu „Pacem in Terris“, der vom kommunistischen Regime geförderten Priestervereinigung. Viele Anhänger der zwischen 1971 und 1989 in der Tschechoslowakei bestehenden Organisation waren Spitzel. Auch Juraj und Martin geraten bald zwischen die Fronten. Das gegenseitige Misstrauen wächst und scheinbar entscheidet sie sich jeder von ihnen für unterschiedliche Seiten.
Düstere Ecken, glänzender Schotter, lange Tunnelfahrten — und eine Leiche: Der spannende Film Noir des Slowaken Ivan Ostrochovský ist geschickt komponiert und sehr schön fotografiert. Ein enger Innenhof aus der Vogelperspektive, auf dem der Priesternachwuchs Fußball spielt, eine einsame lange Straße, an deren Ende das weit aufgerissene Maul eines Tunnels klafft. Die Bildideen sind großartig. Zwar macht es die verschachtelt erzählte Geschichte nicht immer leicht, alles sofort zu verstehen, doch die Spannung bleibt bis zum letzten Bild.
Dass der slowakische Regisseur Ivan Ostrochowský ein Könner seines Faches ist, hat er in Berlin schon oft bewiesen: Bereits 2014 gewann er mit „Velvet Terrorists“ den Leser–Preis einer Tageszeitung, 2015 zeigte er im Forum den bewegenden Spielfilm „Koza“ um einen Roma–Boxer.
Ein Bärenkandidat wäre „Sluzobnici“ auf jeden Fall. Warum wäre? Weil der Film bedauerlicherweise in der falschen Sektion läuft. „Encounters“ heißt die neue Reihe mit 15 Filmen, die ebenfalls mit einander konkurrieren. Preise hat diese Sektion auch, Bären gibt es dort aber keine."Als wir über eine neue Wettbewerbsreihe nachdachten, war eine Idee, dass Berlin gleich anderen Festivals wie Cannes oder Venedig noch einen anderen Wettbewerb für eine andere Art von Beiträgen haben sollte. So wollten wir die Arbeit einiger Filmemacher noch einmal herausheben“, erklärte der neue künstlerische Leiter der Berlinale, Carlo Chatrian der MOZ.
Hinzu sei noch eine künstlerische oder ästhetische Abwägung gekommen: „Ich wollte, wie auch schon in meinem vorhergehenden Job, nach Produktionen suchen, die durch ihre ungewöhnliche Machart hervorstechen, eine Mischung aus Dokumentar– und Spielfilm sind, oder über einen essayistischen Ansatz verfügen.“
Aus welchem Grund „Sluzobnicic“ in der Sektion Encounters landete, ist unklar. Sicher ist: Im Wettbewerb mit den vielen netten, aber wenig nachhaltigen Beiträgen, wäre dieser Film bestens aufgehoben.
„Sluzobnici“ (Servants): Berlinale Encounters, 26.2. 22 Uhr International, 1.3. 10 Uhr Cubix 6