Experten sehen neuen Umgang
: Museen in Ost und West zeigen DDR-Kunst

Drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall zeigen Museen in Ost und West Kunst aus der DDR. Experten sehen einen neuen Umgang mit dem Thema.
Von
dpa
Berlin
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Positive Reaktionen: Eine Frau schaut sich im Dresdener Albertinum die Gemälde "Sisyphos behaut den Stein" (l.) und "Die Flucht des Sisyphos" von Wolfgang Mattheuer an.

Sebastian Kahnert

„Die Leute sind neugierig, auch kritisch, diskutieren und informieren sich“, sagt Steffen Krautzig, der die Schau „Utopie und Untergang“ im Düsseldorfer Museum Kunstpalast kuratiert hat. „Vielleicht ist auch der zeitliche Abstand da, um nüchterner auf das Thema zu gucken, ohne persönlich oder emotional zu werden.“

Im Osten hat sich die Stimmung schon länger gedreht, Kunst aus DDR-Zeiten wird temporär ausgestellt oder in die ständigen Präsentationen integriert. Der Westen hat da Nachholbedarf, „das kulturelle Gedächtnis ist noch zweigeteilt“, sagt Krautzig. Aber es gebe eine neue Generation Kuratoren, „die sich vielleicht offen oder kritisch mit dem Thema beschäftigt und noch nie ein Bild im Original gesehen hat“. Es gebe viele westdeutsche, auf diese Kunst spezialisierte Sammler. Die Museen würden da ein bisschen „hinterherhinken“.

Mit dem Abstand der Gegenwart

Die Reaktionen auf die Düsseldorfer Schau sind positiv. „Die Neugier ist da, anregende, kritische Gespräche und sehr interessierte Diskussionen“, betont Krautzig. Für viele Besucher sei es eine Entdeckung, wie vielfältig die Kunst im anderen Teil Deutschlands war, wie die Hintergründe und die Stile. „Es bringt ein bisschen Normalität rein, dass man über Themen und Künstler spricht und nicht mehr über DDR oder Nicht-DDR.“

Auch die Dresdener Ausstellungsmacher wollen, dass die Besucher anders auf die Kunst blicken, mit dem Abstand der Gegenwart. „Es ist auch eine Revision, anders auf Motive und Inhalte zu schauen, die damals existenziell bewegten.“ Auslöser war die Debatte um den Umgang mit DDR-Kunst, die in Dresden besonders heftig geführt wurde und als „Bilderstreit“ Schlagzeilen machte. Es ging um den Vorwurf, dass die Werke im Albertinum ins Depot verbannt wurden. „Da wurde immer von Bildern geredet, die gar nicht zum Bestand des Museums gehören und nur zur DDR-Kunstausstellung dort waren“, sagt Porstmann. Die Städtische Galerie hat nun 34 der Werke zurückgeholt – auf Zeit.

Normal wäre, in der DDR entstandene Werke nicht zu separieren, sondern einzugliedern in die gesamtdeutsche Kunst, fordert Krautzig. „Labels und Schubladen müssen vermieden werden.“ Die Düsseldorfer Schau solle ein erster Schritt sein, um künftig thematisch Kunst zu zeigen, ohne Ost und West zu deklarieren. „Was der Osten seit 1990 in Sachen internationaler Kunst aufholen musste, macht der Westen jetzt bei der ostdeutschen Kunst.“

Laut Jürgen Danyel vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam haben sich die Fragen an die Kunst verändert. „Man kommt weg von Pauschalisierungen.“ Die Kunst sei in anderen thematischen Zusammenhängen präsent. „Es wäre schön, wenn es nicht nur eine feiertagsbedingte Welle ist, sich mit den Ossis und ihrer Kultur zu beschäftigen.“ Es werde viel davon abhängen, ob diese Kunstwerke in andere Kontexte eingefügt werden können.

„Wir müssen wegkommen vom Labeling, hin zu Ausstellungen, wo ganz selbstverständlich Grafik oder Malerei von Künstlern aus dem Osten dabei ist“, sagt Danyel. Die hätten ja 1990 nicht aufgehört, sondern sich auch mit der Entwicklung danach auseinandergesetzt. Da brauche es keinen „Sondersoli“, sondern Statements in gegenwärtigen Debatten. „Das ist Teil der deutschen Kunst und aus diesem Kontext nicht herauszulösen.“