Festival: Südkorea im Berlinale-Wettbewerb – Hong Sangsoo

Kim Minhee und Song Seonmi in Hong Sangsoos "The Woman Who Ran" im Berlinale Wettbewerb. In seinem neuen Film verfolgt der südkoreanische Regisseur drei alte Freundinnen durch ihren Tag.
Jeonwonsa FilmIn Hong Sang-soos Wettbewerbsbeitrag „Die Frau, die rannte“ dagegen wohnen die betuchten Protagonistinnen in zwar spartanisch, aber geschmackvoll eingerichteten teuren Neubauwohnungen mit Blick auf die Berge. Einen Einblick in zwei dieser Apartments gewinnt man, weil die Heldin des Films, Gamhee (Kim Minhee) die Dienstreise ihres Ehemannes nutzt, um alte Freundinnen zu besuchen.
Gemeinsam essen und reden – sonst passiert nicht viel
Von einem entfernten Stadtteil in Seoul ist sie in ihre alte Wohngegend zurückgekehrt und tauscht sich nun mit den anderen Frauen aus. Der ersten Freundin, die geschieden ist, hat Gamhee Fleisch mitgebracht und kann es selber kaum erwarten, es zu verspeisen. Ihr erzählt sie, dass sie in den fünf Jahren, die sie mit ihrem Mann zusammenlebt, noch nie von ihm getrennt war. Staunen seitens der Freundin, dann geht das Gespräch über zu den schönen Augen von Kälbern, ob man nicht doch lieber Vegetarierin werden solle und dass der Hahn im Garten der Freundin die Hühner immer piesacke, um seine Dominanz zu demonstrieren.
Auch die Gespräche mit der zweiten Freundin und mit einer dritten Bekannten kreisen um Alltägliches, scheinbar Banales. Und doch offenbaren sie einiges über ihre Protagonistinnen und die Gesellschaft, in der sie leben. Ungesagtes ist dabei mindestens ebenso wichtig wie Gesagtes. So entschuldigt die dritte Frau sich nachdrücklich bei Gamhee für eine nicht benannte Tat. Erst die etwas betretene Begegnung Gamhees mit deren Ehemann, ihrem eigenen Ex-Freund, lässt auf durch die vorangegangene Entschuldigung darauf schließen, dass Gamhee offenbar damals der Freund ausgespannt wurde.
Männer tauchen im Film kaum auf
Ansonsten werden Worte von den Frauen auch als Waffen eingesetzt. So demütigt die zweite Freundin einen Ex-Lover mit harten Worten, die dieser mit masochistischem Habitus genießt. Männer sind in dem Film überhaupt rar gesät. In einer äußerst komischen Sequenz beschwert sich ein Neunachbar bei der ersten Freundin über deren Fütterung einer von ihm als „Räuberkatze“ titulierten Samtpfote – ohne Erfolg. Ansonsten tauchen Männer vor allem in den Gesprächen auf, sind eher erduldende als handelnde Figuren.
Als Themen dieses wortreichen und handlungsarmen Films kristallisieren sich Tiere, Beziehungen und Finanzen heraus sowie eine gewisse Sehnsucht nach Gewesenem und der Traum nach etwas Neuem. Nicht hinter allem muss man Allegorisches wittern, manchmal stehen die Anekdoten einfach für sich. Dankenswerterweise wird auch wenig erklärt, so dass die Zuschauer frei interpretieren können. Auch den enigmatischen Titel sollte man einfach so stehen lassen und ihn mit den kleinen, feinen Beobachtungen des Films nachwirken lassen.
„The Woman Who Ran“: Berlinale Wettbewerb, 26.2. 10 Uhr FSP, 27.2. 18.45 Uhr FSP, 28.2. 12.15 HdBF