Festspiele Mark Brandenburg
: Abhängen wie in einer Band

Die neue Reihe Festspiele Mark Brandenburg soll von Königs Wusterhausen aus im gesamten Bundesland Fuß fassen.
Von
Boris Kruse
Königs Wusterhausen
Jetzt in der App anhören
  • Spielen Spanisches in Storkow: Die Gitarristin Ana Ferrer (unten) und die Sängerin Celina Jiménez bilden das Duo Silento

    Spielen Spanisches in Storkow: Die Gitarristin Ana Ferrer (unten) und die Sängerin Celina Jiménez bilden das Duo Silento

    Paloma Ferrer
  • Neu in Brandenburg: Intendant Manuel Dengler

    Neu in Brandenburg: Intendant Manuel Dengler

    Janine Kuehn
1 / 2

Noch mehr überschwänglich formulierte Werbetexte, noch mehr Superlative. Die in dieser Saison gestarteten Festspiele Mark Brandenburg wagen auf wohlbekanntem Terrain einen mutigen Ansatz. Die Veranstaltungsreihe will eine besondere Verbindung ihrer Konzertprogramme zu den wechselnden Spielorten im gesamten Bundesland herstellen. Das ganze Jahr über.

Vom Gründungsort Königs Wusterhausen ausgehend wollen die Festspiele entlegene Orte bespielen; Gutshäuser, Schlösser und Burgen, aber auch Kirchen, Konzerthallen und Museen. Mit handverlesenen Stars der klassischen Musik, die ein anspruchsvolles Publikum auch aus Berlin und von noch weiter her in die Provinz locken. Vor Ort wollen die Konzertveranstalter nicht nur hochklassige Konzerte anbieten, sondern gemeinsam mit Einheimischen auch die Geschichte dieser Orte aufspüren. Das Resultat können Publikumsgespräche sein, aber auch Film- und Lichtinszenierungen zur Musik.

Intendant der jungen Reihe ist Manuel Dengler, Jahrgang 1989 und aufgewachsen in Oberschwaben. Dengler ist studierter Dirigent, Bratschist und Kulturmanager. Seine neue Aufgabe packt er gemeinsam in einer Doppelspitze mit der katalanischen Cellistin Elisabet Iserte-López an, die als künstlerische Leiterin fungiert. Beide mussten sich erst einmal in die kulturellen und landschaftlichen Besonderheiten Brandenburgs einfuchsen – und Arbeitsroutinen entwickeln. Dengler sagt über die ersten Monate, es sei ein bisschen „wie bei einer neu gegründeten Band: Man hängt zusammen ab“. Ihre Ortsfremde sei ihnen sogar zugute gekommen, weil beide eine "Entdeckerposition“ hätten. „Unglaublich beeindruckend“ findet Dengler nach vielen Kilometern im Auto die „Ästhetik der Weite“, die die märkische Landschaft kennzeichne.

Hinter den Kulissen zieht der erfahrene Kulturmanager und Wirtschaftsfachmann Cord Schwartau die Strippen, der vor Jahren bereits die Schlosskonzerte Königs Wusterhausen initiiert hat. Vor der Wende war der gebürtige Hamburger als DDR-Experte für die Bundesregierung tätig, danach half er beim Aufbau neuer Strukturen in Brandenburg. Für die neue Reihe rief er eigens eine Stiftung ins Leben, mit deren Hilfe finanzielle Mittel eingeworben werden sollen. Die Festspiele Mark Brandenburg sollen eine Lücke füllen, weil es in dem Bundesland bislang noch kein großes landesweites Musikfestival gibt. Zwei von den Initiatoren häufig genannte Vorbilder sind das Schleswig-Holstein Musik Festival und die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.

Mit dem Brandenburgischen Staatsorchester verbindet das junge Festival bereits ein Partnerschaftsvertrag. Die begleitenden Projekte vor Ort sollen nach den Vorstellungen von Dengler auf Nachhaltigkeit ausgelegt sein, man wolle keineswegs nur als "Reisezirkus“ wahrgenommen werden: „Wir möchten bleiben.“ Mit dem Residenzorchester Mark Brandenburg schicken die Veranstalter sogar ein eigens aus der Taufe gehobenes Ensemble auf Reisen; Intendant Manuel Dengler greift bei deren Konzerten selbst zum Taktstock.

Bereits Anfang Januar sind die Festspiele Mark Brandenburg offiziell an den Start gegangen. Den Auftakt mit Aha-Effekt hat die Reihe ein bisschen verstolpert, einige Konzerte mussten kurzfristig abgesagt oder neu terminiert werden. Einen kurzen Planungsvorlauf hätte die Reihe gehabt, das „büßen wir jetzt mit zu wenig Schlaf“, so Manuel Dengler. Ein wirklich rund laufendes Festival dieser Größenordnung wird eben nicht an einem Tag geboren. Da ist in Ankündigungen und Interviews viel von „lokaler Identifikation“ die Rede und von „Potenzialen“, die es „herauszukristallisieren“ gelte, es wabert alles noch verdächtig unkonkret.

Gleichwohl ist unverkennbar, dass hier unverbrauchte Kräfte mit erfrischend wenig Respekt vor eingefahrenen Strukturen zu Werke gehen. „Der klassische Kulturbetrieb fühlt sich für mich ziemlich eng an“, sagt Manuel Dengler. Schon im dritten Semester seines Musikstudiums gründete er deshalb eine GmbH, die im Bereich der Konzertorganisation tätig wurde. Eine Tournee mit dem australischen Pianisten David Helfgott war ein frühes Ergebnis der Geschäftsidee. Jetzt will Dengler in Brandenburg Spuren hinterlassen.

„La rosa enflorese“ mit dem Duo Silento, Sonnabend, 20 Uhr, Burg Storkow; Info: www.festspiele-mb.de

Aus dem Programm

7.9., Schloss Baruth, und 8.9., Schloss Freyenstein: "Back To The Roots" Saxophon Quartett;  musikalische Reise mit dem Quartet Vela22.9., Palais Lichtenau Potsdam: "Folkloristische Identitätssuche von Ost bis West", Gesprächskonzert mit der Pianistin Danae Dörken16.11., Schloss Wolfshagen, und 17.11., Kavalierhäuser Königs Wusterhausen: "Fontane Reloaded" – interaktive Konzertwanderung für Bariton, Klavier und Navigationsgerät22.11., Friedrich-Wolf-Theater Eisenhüttenstadt, und 26.11., Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin-Charlottenburg: "I Eat The Sun And Drink The Rain", mit Komponist Sven Helbig ⇥red