Der Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg lebt auf einem Bio-Bauernhof im schwarzwälderischen Loßburg, ohne Fernseher, ohne Kino, Geschäfte, Ablenkung. Sein Büro ist ein historischer Bauwagen auf einer Wiese, umgeben von Wald, der die Hänge wie ein Bärenpelz überzieht. Ein Ort, an dem allein schon das Wort  "Krieg" deplatziert wirkt.
Träume vom Krieg
Hier hat Heinzel "Heinzelfilm" gegründet, seine Produktionsgesellschaft, mit der er "Filme für eine bessere Welt" produzieren will. Dann begannen die Träume, die Heinzel belasteten. Wieso träumte er von Gewalt? In einem Land, in das es ihn immer wieder gezogen hatte: Weißrussland. "Da habe ich mich gefragt, ob diese Anziehung  mit dem Krieg zu tun hatte", den verschwiegenen Geschichten seines Großvaters.
Irgendwann erzählte er Kollegen und Freunden von seinen Kriegsträumen. Die sagten zu seiner Überraschung, dass sie selbst solche hätten und von Gefühlen überwältigt würden, für die sie in ihrem eigenen Leben keine Veranlassung finden könnten. Über ein Buch der Kölner Autorin Sabine Bode kam er in Kontakt mit der Kriegsenkel-Bewegung, die sich mit den Auswirkungen des Kriegs auf die Familiensysteme beschäftigte und damit, wie Traumata an die nächste Generation weitergegeben werden. Da wurde ihm bewusst, dass seine Träume ihn auf ein Generationen-Thema gestoßen hatten.
"Wir sind die Generation, die die ganze Schulzeit über mit dem Holocaust konfrontiert wurde", sagt Heinzel. Das habe oft die Annäherung an die eigene Familiengeschichte erschwert. Die würde oft immer noch in Schwarz-Weiß-Kategorien gesehen: Täter- oder Opferfamilie?
"Die Eltern haben die realen Trümmer beiseite geräumt. Unsere Aufgabe ist es, die psychischen beiseite zu räumen", zitiert Sabine Bode einen Befragten in ihrem Buch "Kriegsenkel", das sich über eine Million Mal verkaufte. Und genau das will Heinzel auch mit seinem Film.
Trotz des steigenden Interesses an dem Thema, trotz des Bestsellers und Kriegsenkel-Seminaren im ganzen Land stieß Heinzel in den Fernseh-Redaktionen zunächst auf Abwehr, als er vorschlug, einen Film über diese Generation zu drehen. "Zu esoterisch", hieß es, und: "Wir wollen doch nicht von der deutschen Schuld ablenken!"
Nach langer Suche traf er schließlich beim "Kleinen Fernsehspiel" des ZDF auf einen Redakteur, der den Film unterstützen wollte. Allerdings unter zwei Bedingungen: Heinzel sollte das Thema auch wissenschaftlich untermauern und die neuesten Forschungen zur transgenerationalen Weitergabe von Traumata dokumentieren. Und er sollte sich in der Recherche nicht allein auf deutsche Kriegsenkel beschränken.
So beobachtete Heinzel, wie Mäuse im Labor unter Stress gesetzt wurden und danach im Wasser  nicht um ihr Leben kämpften. Er sprach mit Traumatherapeuten über die Wirkung von transgenerationalen Traumata. Von dem amerikanischen Körpertherapeuten Peter Levine lernte er, dass ein Trauma die Bindungsfähigkeit des Menschen beschädige. Das passte zu den Interviews mit Kriegsenkeln, die alle von einem schwierigen Verhältnis zu ihren Herkunftsfamilien erzählten.
Als die Zusage vom Kleinen Fernsehspiel kam, begab sich der 40-jährige gemeinsam mit seinem Vater auf eine lebensverändernde Reise nach Belarus. Nach Auskunft der "Deutschen Dienststelle", wo man die Kriegsakten von Wehrmachtsangehörigen einsehen kann, war der Großvater als Luftwaffenoffizier dort im Einsatz. Was er genau dort tat, ob und welche Verbrechen er dort begangen hatte, fanden sie nicht heraus. Aber sie finden als Vater und Sohn in ihrer unterschiedlichen Haltung zur Schuld des Großvaters zusammen.
Heinzels Albträume sind Teil des Films geworden, in Szene gesetzt von Animationskünstler Igor Shin Moromisato. Ursprünglich wollte Heinzel sie mit Schauspielern nachstellen. Aber "die Bilder haben an einen Nazifilm erinnert."
Bei seiner Premiere auf dem DokFilmfest in München wurde "Der Krieg in mir" begeistert gefeiert. Seitdem ist er auf zahlreichen Festivals gelaufen, am 5. März ist Kinostart.

Ein Generationen-Trauma


Der Krieg in mir heißt der neue Film des Dokumentarfilmers Sebastian Heinzel, der sich auf die Spuren seines Großvaters begab, der als Luftwaffenoffizier am Ostfeldzug teilnahm. Eine Reise in die Vergangenheit mit der großen Frage: Wie wirkt sich diese Vergangenheit auf die "Kriegsenkel" aus? Der Film läuft am Freitag (24.1.) um 16 Uhr beim neu gegründeten  Festival des politischen Films, das heute Abend mit Cornelius Schwalms "Hotel Auschwitz" im  Berliner Kino in der Königstadt, Straßburger Str. 55, eröffnet. Im Anschluss gibt es eine Diskussion mit Festivalleiter Patrick von Blume, Traumatherapeut Andre Jacomet, dem Regisseur und Autorin Alexandra Senfft. red