Film in Berlin und Brandenburg
: Zum Tod des Filmhistorikers und Kinemathek-Urgesteins Hans Helmut Prinzler

Kinemathek, Filmmuseum, Filmhaus, Retrospektive der Berlinale, alles nicht denkbar ohne ihn. Doch vor allem hat Hans Helmut Prinzler seine Liebe zum Film weitergegeben an Generationen von Cineasten.
Von
Christina Tilmann
Frankfurt (Oder)
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Hans Helmut Prinzler (1938 – 2023) bei der Eröffnung der Ausstellung "Licht und Schatten. Am Filmset der Weimarer Republik" 2014 in der Deutschen Kinematek

Marc Tirl/dpa

Generationen von Filmbegeisterten haben durch ihn die Filmgeschichte entdeckt: Als Abteilungsleiter der Stiftung Deutsche Kinemathek und Gründungsdirektor des Filmmuseums am Potsdamer Platz hat Hans Helmut Prinzler dem Film in seiner Geburtsstadt Berlin einen Ort und eine Heimat gegeben. Als Ausrichter der Retrospektive auf der Berlinale hat er das Wissen an Filmfans aus aller Welt weitergegeben – und die wunderbarsten Filmentdeckungen ermöglicht. Hans Helmut Prinzler war ein leidenschaftlicher, unermüdlicher Filmbegeisterter, wie sie selten geworden sind. Nun ist er am Sonntag (18. Juni) im Alter von 85 Jahren gestorben.

Der leise Grandseigneur mit dem weißen Bart und der dunklen Brille war ein genauer Beobachter und ein Vielleser, ein steter Gast auf Filmpremieren und Festivals, ein offener Geist, der auch vor Hollywood und dem sogenannten Unterhaltungskino nicht zurückscheute und sein Herz für den deutschen Autorenfilm bewahrte. Wer wissen will, wie Filmvermittlung und Filmbegeisterung geht, dem sei der Film „Auge in Auge“ empfohlen, den Prinzler 2008 gemeinsam mit dem viel zu früh verstorbenen FAZ-Filmkritiker Michael Althen gedreht hat. Zehn deutsche Regisseure treffen auf zehn Werke der Filmgeschichte. Das ist eine Schule des Sehens und eine Verführung zum Sehen gleichermaßen.

Trailer zu „Auge in Auge“

Prinzler studierte Publizistik, Theaterwissenschaft und Germanistik in München und Berlin. Von 1969 bis 1979 war er Studienleiter an der Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB). „Sie wurde für zehn Jahre mein Ort des Lernens. Ich habe organisiert, Verbindungen hergestellt, vermittelt, Anregungen gegeben, zugehört und zugeschaut“, wie er später bekannte.

Auszeit zum Lesen in Brodowin

Hans Helmut Prinzler hat unzählige Texte publiziert und Bücher herausgegeben. Er schrieb Porträts über King Vidor, Rainer Werner Fassbinder, Detlev Buck, Konrad Wolf und Audrey Hepburn, über Western, Kino im Kalten Krieg und das Fotografieren am Filmset. Zwischenzeitlich zog er sich mit seiner Frau Antje Goldau nach Brodowin zurück, fand dort Ruhe und Zeit zum Sichten und Lesen. Bis zuletzt veröffentlichte er auf seinem Blog hhprinzler.de Rezensionen zu Filmbüchern. Der letzte Eintrag stammt aus dem Juni 2023: „Optische Literatur. Die Filmabteilung des Literarischen Colloquiums Berlin, herausgegeben von Frederik Lang und Jutta Müller-Tamm.“

Auch die Akademie der Künste, deren Sektion Filmkunst er von 2000 bis 2009 leitete, erinnert seiner in Dankbarkeit. Akademie-Mitglied und Regisseurin Jutta Brückner schreibt: „Der plötzliche Tod von Hans Helmut traf mich wie ein Schock. Er war ein Gentleman im altmodischen Sinne dieses Wortes. Er war film- und welterfahren und nach jeder Begegnung mit ihm habe ich mich bereichert gefühlt. Adieu, mein Freund.“