Film: Kirk Douglas mit 103 Jahren gestorben
Das klassische Hollywood mit seinen Studios und Stars, mit den mit Unmengen von Komparsen und riesigem Kulissen-Aufwand gedrehten Monumentalfilmen und einem Männerbild, das bevorzugt muskulöse Oberkörper, kantige Unterkiefer mit einem markanten Grübchen und Blicke aus stahlblauen Augen bedeutete, endet mit Kirk Douglas unwiderruflich.
Das neue Kino ist technisch hochgerüstet, inhaltlich deutlich weniger originär. in seinem Personal ungleich gebrochener und hoffentlich bald diverser. Joacquim Phoenix’ Auftritt bei der britischen Bafta-Verleihung, als er angesichts seiner Auszeichnung als bester Schauspieler für „Joker“ von Zerrissenheit und schlechtem Gewissen angesichts eines ausschließlich weißen Nominiertenfeldes sprach, kündet von deutlichen Umbrüchen im System. So einen wie Kirk Douglas wird es nicht mehr geben.
Es wirkt daher wie ein Menetekel, dass Kirk Douglas nun, fünf Tage vor der diesjährigen Oscar-Verleihung, die erneut als #OscarsSoMale kritisiert wird, gestorben ist, im Alter von 103 Jahren. Und zwei Wochen vor der Berlinale, die für ihn immer eine Bühne war. Wer 2001 den damals immerhin schon 85-Jährigen in Berlin erlebt hat, wie er sich noch einmal ins Goldene Buch der Stadt einschreibt und auf einem Empfang mit zitternder Altherrenstimme „Oh Tannenbaum“ sang, den hat schon damals der Geist der Filmgeschichte angeweht. Nach einem überlebten Hubschrauberabsturz und einem Schlaganfall 1995 hatte er das Sprechen mühsam wieder lernen müssen. Und bewiesen, dass er die Sprache von seiner in Hannover geborenen zweiten Ehefrau Anne gut gelernt hat: „Das erste Wort, dass ich auf Deutsch gelernt habe, war: danke.“
Längst ist Douglas selbst Begründer einer Kino-Dynastie. Sein zweiter Sohn Michael, der inzwischen selbst im Rentenalter ist, ist mit Filmen wie „Wall Street“ und "Liberace“ würdig in die Fußstapfen des Vaters getreten. Und dann ist da noch Schwiegertochter Catherine Zeta-Jones, die ihm auf Instagram einen letzten Gruß hinterherschickte. Auch Enkel Cameron ist schon als Schauspieler hervorgetreten.
Es ist der typisch amerikanische Mythos vom Selfmademan, der vom Tellerwäscher zum Star aufsteigt, den Kirk Douglas perfekt verkörperte. Das ist heute auch schon historisch, in einem Land, das Einwanderern gegenüber längst nicht mehr aufgeschlossen ist. Auch Douglas hat es als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer zunächst nicht leicht, finanzierte sein Studium durch Jobs als Hausmeister und Ringer auf Jahrmärkten und schaffte den Einstieg ins Filmgeschäft nur dank der Empfehlung seiner früheren Klassenkameradin Lauren Bacall.
Gegen die zunehmend restriktive Einwanderungspolitik unter Donald Trump hat er sich in den letzten Jahren vehement ausgesprochen: „Dies sind nicht die amerikanischen Werte, für deren Schutz wir im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben“, schreibt er in einem Blog-Eintrag der „Huffington Post“.
So gern er in seinen Filmen harte, rücksichtslose Männer gespielt hat, einen ehrgeizigen Boxer in „Zwischen Frauen und Seilen“, einen Filmproduzenten in „Stadt der Illusionen“ oder einen rücksichtslosen Reporter in Billy Wilders „Reporter des Satans" – seine Lebensrolle ist Spartacus, der Sklavenrebell in Stanley Kubricks Monumentalfilm von 1960. Auch hier war Douglas, wenn vielleicht auch etwas hölzern in der Darstellung, absolut gradlinig: Als Produzent positionierte er sich gegen die Kommunistenjagd der McCarthy-Ära in den USA, indem er durchsetzte, dass Drehbuchautor Dalton Trumbo, der auf der schwarzen Liste stand, im Abspann mit Namen genannt wird.
Einen Großteil seines Vermögens hatte Douglas einem Fund für bedürftige frühere Hollywood-Mitarbeiter gespendet, und einem Kinderkrankenhaus einen OP-Roboter namens „Spartacus“. Dafür würdigen ihn jetzt Stars von Antonio Banderas bis Sylvester Stallone, von Steven Spielberg bis Danny DeVito als "letzten großen Riesen meiner Kinohelden“ (Stallone). Kirk Douglas selbst erklärte 2016 bei der Verleihung des Teddy-Kollak-Preises: „Unsere Welt ist eine Katastrophe, aber je älter ich werde, desto näher bin ich Gott. Wenn ich schlafe, spricht er zu mir. Er lacht über die Menschheit. Er wartet. Er hat viel Zeit.“



