Trauer um Filmstar
: Schauspieler und Autor Hardy Krüger mit 93 Jahren gestorben

„Ich habe mir eine Karriere aufgebaut, durch die Filme, die ich nicht gemacht habe“, sagte Hardy Krüger, der am Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben ist, einmal. Dem in Berlin geborenen Schauspieler gelang, was nur wenige seiner deutschen Kollegen geschafft haben.
Von
dpa
Hamburg
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  • Spielte in rund 75 Filmen mit: Schauspieler Hardy Krüger (1928–2022) war auch international sehr erfolgreich.

    Spielte in rund 75 Filmen mit: Schauspieler Hardy Krüger (1928–2022) war auch international sehr erfolgreich.

    Susann Prautsch/dpa
  • Hardy Krüger als Agent Jim Ellis in einer Szene des dreiteiligen Fernseh-Krimis „Das Messer“ (1971) nach einem Drehbuch des britischen Schriftstellers Francis Durbridge

    Hardy Krüger als Agent Jim Ellis in einer Szene des dreiteiligen Fernseh-Krimis „Das Messer“ (1971) nach einem Drehbuch des britischen Schriftstellers Francis Durbridge

    Dieter Klar/dpa
  • Hardy Krüger in der Titelrolle des Western „Potato Fritz“ (1975) von Regisseur von Peter Schamoni

    Hardy Krüger in der Titelrolle des Western „Potato Fritz“ (1975) von Regisseur von Peter Schamoni

    Horst Ossinger/dpa
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Auf der Leinwand war er Großwildjäger und Offizier, Naturbursche und Sonnyboy — unter den deutschen Schauspielern einer der wenigen Weltstars. Der Blonde mit den blauen Augen und dem markanten Gesicht stand in Hollywood mit Kollegen wie James Stewart, Claudia Cardinale und Sean Connery vor der Kamera. Er drehte mit Regisseuren wie Stanley Kubrick, Richard Attenborough und Laurence Olivier.

Erst legte Hardy Krüger eine rasante Karriere im Nachkriegsdeutschland hin, dann war er als „German Hero“ und Frauenschwarm ein international gerngesehener Leinwandheld. Im Alter von 93 Jahren starb er am Mittwoch in seiner Wahlheimat Palm Springs, wie seine Agentur unter Berufung auf seine Ehefrau am Donnerstag mitteilte.

„Meine Heimat ist Berlin, hier will ich auch beerdigt werden“

„Eberhard Glückspilz kommt nach Hollywood“ — so hatte es der als Franz Eberhard August Krüger geborene Berliner mal rückblickend beschrieben. Ein „wunderschönes Leben“ habe er gehabt, fand er selbst und blieb bis ins hohe Alter „neugierig und hungrig“ auf noch mehr. Auch wenn er die Hauptstadt immer wieder als sein wirkliches Zuhause („Meine Heimat ist Berlin, hier will ich auch beerdigt werden“) bezeichnete, pendelte er lange Zeit seines Lebens zwischen Hamburg und Kalifornien. Der „Weltenbummler“ war er nicht nur im Fernsehen, für das Krüger als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller der gleichnamigen Reihe spektakuläre Gegenden besuchte.

Hinaus in die Welt ging es für den jungen Hardy, bei Kriegsende gerade 17 Jahre alt, schon früh: Im Alter von 15 Jahren war der Sohn Hitler–begeisterter Eltern für den NS–Film „Junge Adler“ entdeckt worden, nach dem Krieg versuchte er in Hamburg sein Glück als Schauspieler. Ihm gelang eine Karriere auf deutschen Bühnen und als ewiger Sonnyboy in deutschen Unterhaltungsfilmen. Aber er paukte auch fleißig Englisch–Vokabeln und arbeitete an seinem deutschen Akzent. Als er in der britischen Produktion „Einer kam durch“ (1956) die Hauptrolle als deutscher Fliegeroffizier Franz von Werra übernahm, schaffte er auch international den Durchbruch.

In Hollywood öffneten sich die Türen für ihn

In der englischen Presse wurde Krüger zum Botschafter seines Landes und in Hollywood öffneten sich die Türen. Krüger drehte mit John Wayne („Hatari!“, 1962) und mit James Stewart und Peter Finch („Der Flug des Phoenix“, 1965). In rund 75 Filmen war er Hauptdarsteller, neben Abenteuerrollen oft auch aufrechte Offiziersfiguren darunter. Zu einem Freund wurde ihm der französische Chansonnier Charles Aznavour seit dem gemeinsamen Antikriegsfilm „Taxi nach Tobruk“ (1960). „Auf Hardy kann man sich bedingungslos verlassen“, sagte Aznavour mal. Auch mit Catherine Deneuve, Yul Brynner, Orson Welles und Richard Burton stand Krüger vor der Kamera.

1966 in London: Hollywood-Star James Stewart (2.v.l.), seine Frau Gloria (l.), US-Star Raquel Welch (M.), der deutsche Schauspieler Hardy Krüger und seine zweite Frau Francesca

UPI/dpa

1963 erhielt die französische Produktion „Sonntage mit Sybill“ einen Oscar — „dass ihr Hauptdarsteller Hardy Krüger nicht nominiert war, lag an Hollywoods damaliger notorischer Scheu vor ausländischen Schauspielern“, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, als sie ihn zum 80. Geburtstag würdigte. Sie erinnerte auch an die Frage, die Krüger in seiner Karriere immer wieder gestellt wurde: „Sind Sie Deutscher?“ Sein „arisches“ Aussehen hätte dem Schauspieler zum Verhängnis werden können, habe Hollywood ihm doch immer wieder Nazi–Rollen angetragen — aber „Krüger wendete sie zu Charakterstudien“.

Hardy Krüger als Oberst Krenzer in einer Filmszene von „Die Schlacht an der Neretva“ (1969)

UPI/dpa

Vom Lausbuben zum Charakterdarsteller

Mit seiner Rollenauswahl schaffte er es, das negative Klischee des „hässlichen Deutschen“ auf der Leinwand zu überwinden. Und ihm gelang der Sprung vom ewigen Lausbub mit Strahleaugen aus lockeren Publikumsschlagern wie „Das Mädchen aus der Südsee“ (1950) zum ernst zu nehmenden Charakterdarsteller wie in Helmut Käutners moderner „Hamlet“-Version „Der Rest ist Schweigen“ (1959). „Ich habe mir eine Karriere aufgebaut, durch die Filme, die ich nicht gemacht habe“, sagte er selbst. Er habe sehr sorgfältig ausgewählt, mit welchen Filmemachern er arbeite — „dadurch war ich in der Nähe der besten Regisseure“.

Hardy Krüger mit Tochter Malaika (v.l.), Sohn Hardy jr. und Ehefrau Francesca im Jahre 1970 auf seiner Farm, der Momella Game-Lodge in Tansania

Horst Ossinger/dpa

Doch als aus dem Weltstar im Fernsehen der „Weltenbummler“ wurde, brach die internationale Karriere ab. „Sie können nicht ungestraft von Hollywood zehn Jahre lang wegbleiben“, sagte Krüger später. Gemeint war jene Zeit, als er mit persönlichen Reisetagebüchern das Fernsehpublikum faszinierte: Im Fernsehen erzählte er von 1987 bis 1995 für die ARD als „Weltenbummler“ von seinen Reisen. Außerdem schrieb der begeisterte Hobby–Flieger das Buch „Eine Farm in Afrika“. Krüger, der die „Hatari!“-Farm gekauft hatte, lebte lange in Tansania und ging mit seiner „Momella Game Lodge“ bitter pleite.

Schauspieler, Autor und Regisseur Hardy Krüger ist 1993 in Kanada mit dem Hubschrauber unterwegs, um Eindrücke für seine ARD-Sendung „Weltenbummler“ zu sammeln.

Frank Augstein/dpa

Er trank John Wayne unter den Tisch

An die „Hatari!“-Dreharbeiten mit John Wayne erinnerte er auch gern mit einer Anekdote in einem seiner Bücher: „Bottoms up!“ — mit diesem Trinkspruch prostete Wayne ihm damals zu. Dabei war Krüger vor ihm gewarnt worden: „Trink niemals mit dem Mann. Und rede mit ihm nicht über Politik.“ Doch als er ihm gegenüberstand, kündigte Wayne sofort an: „Kid, wir heben nachher einen an der Bar.“ Krüger konnte sich noch mit drei Löffeln Maisöl präparieren und den „Brandy. Französisch. Dreistöckig“ auf einen Doppelten herunterhandeln, bevor es ernst wurde — und schließlich der junge Deutsche den US–Star unter den Tisch trank.

Seinen Memoiren „Wanderjahre“ folgten weitere Bücher wie „Zarte Blume Hoffnung“. Nach langer Pause war er 2011 auch wieder in einem TV–Drama („Familiengeheimnisse“) zu sehen, später konnte er den Rollen, die ihm angeboten wurden, nichts mehr abgewinnen. Dafür aber nach wie vor dem Reisen: „Reisen ist mein Leben“, sagte er einmal. Auch im fortgeschrittenen Alter fuhren Krüger, dessen Sohn Hardy und Tochter Christiane ebenfalls Schauspieler wurden, und seine dritte Ehefrau Anita nach Afrika.

Engagiert gegen rechte Gewalt

Krüger selbst engagierte sich derweil für ein anderes Projekt: Wenige Tage vor seinem 85. Geburtstag startete er eine Initiative gegen rechte Gewalt. Bei ihm waren es die Schauspieler Hans Söhnker und Albert Florath, die seine Ansichten radikal veränderten. „In einem halben Jahr haben sie es geschafft, aus dem Adolf–Hitler–Schüler einen Anti–Nazi zu machen“, sagte er damals bei der Vorstellung des Projektes in Hamburg. Auch in seinem letzten Buch, „Was das Leben sich erlaubt — Mein Deutschland und ich“, nimmt er sich des Themas erneut an und erzählt von seinem Aufwachsen in NS–Deutschland.

Mit der Amadeu Antonio Stiftung engagierte sich Hardy Krüger zuletzt gegen Rechtsextremismus. 2013 gründete er zusammen mit Klaus Bednarz, Hark Bohm und Dieter Hallervorden die Initiative „Gemeinsam gegen rechte Gewalt“. In den USA nahm er teil an zahlreichen Anti–Trump–Demonstrationen.

Schauspieler Hardy Krüger (M.), sein Sohn Hardy Krüger Junior und seine Frau Anita Park freuen sich im Oktober 2009 im Roten Rathaus in Berlin über das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik für Hardy Krüger.

Jens Kalaene/dpa

Seine damaligen Co–Autoren sowie Agenten, Olaf Köhne und Peter Käfferlein, schrieben in der Mitteilung zum Tod Krügers am Donnerstag: „Der Schauspieler, Schriftsteller und Weltenbummler engagierte sich zeitlebens gegen das Vergessen der Naziverbrechen. Der Kampf gegen Rassismus und die Aufklärung der Jugend waren sein persönliches Lebenswerk. Seine Herzenswärme, seine Lebensfreude und sein unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn werden ihn unvergessen machen.“

Für Hamburgs Kultursenator Carsten Brodsa (SPD) war Krüger eine „der wichtigsten Stimmen Nachkriegsdeutschlands“, wie der Politiker am Donnerstag auf Twitter mitteilte. „Hardy Krüger war nicht nur ein besonderer Schauspieler, sondern ein Weltstar und Weltenbürger mit Haltung, der sich bis zum Schluss gegen rechte Gewalt engagiert hat. Hamburg trauert.“