Nightmare Before Christmas

Nanu? Ein Weihnachtsfilm, in dem es vor Hexen, Kobolden, Vampiren und Gespenstern nur so wimmelt? Ganz recht. Und ein schaurig schöner noch dazu. Als „Nightmare Before Christmas“ 1993 ins Kino kam, gab es nichts Vergleichbares. Getragen von liebevoll-gruseligen Figuren aus der Feder Tim Burtons und untermalt von der Musik Danny Elfmans, nahm der Animationsfilm die Zuschauer mit auf die krummen Straßen Halloween-Towns – und von dort auf eine chaotische Reise, in deren Verlauf Weihnachten ruiniert, gerettet und wahre Liebe gefunden wird.
Inmitten des festlichen Schreckens steht Kürbiskönig Jack Skellington. Das Skelett im Nadelstreifenanzug mag zu Halloween zwar verlässlich Kinder erschrecken und für böse Träume sorgen, doch auch Meister des Grusels können ihres eigenen Erfolges müde werden. Desillusioniert von der Routine taumelt Jack am Ende eines weiteren glorreichen Halloweens durch den finstren Wald. Bis er zufällig auf Christmas-Town stößt. Und siehe da: das schneebedeckte und hell von weihnachtlichem Schmuck erleuchtete Reich entfacht seinen Ehrgeiz neu. Kurzerhand beschließt der Knochenmann: Halloween-Town übernimmt Weihnachten! Doch so enthusiastisch Jack alias „Nikki-Graus“ auch Geschenke verteilt, seine schaurige Weihnacht gerät zum Desaster – wäre da nicht der wahre Weihnachtsmann, der das Fest in letzter Minute noch zu retten weiß.
Nicht nur ist „Nightmare Before Christmas“ einer der originellsten und schrägsten Vertreter seines Genres – er ist zudem ein Stück Filmgeschichte. Erstmals wurden für ihn liebevoll gestaltete Figuren in Spielfilmlänge per Stop-Motion-Technik zum Leben zu erweckt. In nervenaufreibender Kleinstarbeit entstand so Bild für Bild ein moderner Klassiker. Der hat selbst nach gut 30 Jahren kein bisschen an Charme eingebüßt und versprüht weiterhin schaurig-schönen Weihnachtszauber. Jahr für Jahr aufs Neue. (hem)
Gestreamt werden kann „Nightmare Before Christmas“ auf Disney+.

Dr. Who: Fest der Liebe („A Christmas Carol“)

Raumschiff und Zeitmaschine in Cottbus gelandet: Die Telefonzelle des Doktors namens TARDIS ist Kult.
Raumschiff und Zeitmaschine in Cottbus gelandet: Die Telefonzelle des Doktors namens TARDIS ist Kult.
© Foto: Heiner Stephan
Die 1843 erschienene Novelle „A Christmas Carol“ machte den von Charles Dickens erdachten Bösewicht Ebenezer Scrooge weltberühmt. Der arg geizige Geschäftsmann hasst Weihnachten. Der Grund: Mr. Scrooge muss seinem Bediensteten am ersten Weihnachtstag einen ganzen freien Tag gewähren. Im Laufe der Handlung wandelt sich der ikonische Antiheld aber mit überirdischer Hilfe zum geläuterten Gönner.
Einen außerirdischen Griesgram lernten im Dezember 2010 fast 13 Millionen britische Zuschauer im „Fest der Liebe“-Science-Fiction-Abenteuer der sechsten Serienstaffel von Dr. Who kennen. Das einstündige Weihnachtsspecial des 2005 neu aufgelegten BBC-TV-Klassikers ist eine liebevolle und keinesfalls schlichte Dickens-Adaption. Dargestellt von Matt Smith, versucht sich die elfte Inkarnation des Doktors als guter Geist der Weihnacht. Das Ziel: Den gleichermaßen mächtigen wie ignoranten Griesgram Kazran Sardick (Michael Gambon) in ein mitfühlendes Wesen zu verwandeln.
Weit entfernt von Raum und Zeit der Erde ändert der unkonventionelle „Timelord“ deshalb die Vergangenheit und löst damit lediglich noch mehr Weltraum-Action und obskure Zeitreise-Paradoxien aus. An gefühligen Momenten fehlt es der „Christmas Carol“-Episode aber nicht. Schließlich gilt es, eine Hochzeitsreise und die Leben von zwei sich Liebenden zu retten. (ron)
Das Dr. Who-Weihnachtsspecial 2010 „Fest der Liebe“ (A Christmas Carol) gibt’s als Stream via Amazon beim kostenpflichtigen BBC-Chanel (3,99 Euro/Monat nach dem Gratis-Zeitraum). Als Download bietet Amazon Prime Video das Weihnachtspecial als „Folge 14“ gekennzeichnet für 2,99 Euro feil.

Sissi-Trilogie

Traumpaar: Karlheinz Böhm und Romy Schneider entführen die Zuschauer auch dieses Jahr zu Weihnachten wieder in die Wiener Hofburg.
Traumpaar: Karlheinz Böhm und Romy Schneider entführen die Zuschauer auch dieses Jahr zu Weihnachten wieder in die Wiener Hofburg.
© Foto: ARD Degeto/dpa
Zugegeben: Die Sissi-Verfilmungen aus den 1950er-Jahren sind schnulzig, kitschig und pompös. Aber sind wir doch einmal ehrlich: Trifft dies nicht alles auch auf Weihnachten zu? Und wann sonst kann man seinen „Guilty Pleasures“ so gut nachgehen wie an den Feiertagen? Ob es nun das fettige Schmalzgebäck von Oma, der sündhaft teure Gänsebraten oder eben ein hoffnungslos romantischer Film ist, den man in Kuschelsocken auf der Couch schauen kann. Und dazu hat man auch in diesem Jahr wieder vor dem heimischen Fernseher die Gelegenheit: Die ARD zeigt am ersten Weihnachtsfeiertag um 15.45 Uhr „Sissi“.
Die bayerische Prinzessin Elisabeth, genannt „Sissi“ (Romy Schneider), lernt fernab des Hofzeremoniells den jungen Kaiser Franz Joseph (Karlheinz Böhm) kennen. Er verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Doch eigentlich hatte seine Mutter, Erzherzogin Sophie (Vilma Degischer), bereits die Verlobung mit einer anderen Frau geplant.
Weiter geht es im Anschluss mit Teil 2: „Sissi, die junge Kaiserin“ um 17:30 Uhr. Den krönenden Abschluss bildet schließlich „Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin“ am zweiten Weihnachtsfeiertag um 17.30 Uhr (ARD). Und wo wir schon bei Guilty Pleasures sind: Es gibt auch ein Trinkspiel, mit dem man das Schauen des Films zum Erlebnis machen und unwillige Familienmitglieder mittels Alkohol vor die Bildröhre locken kann. Jedes Mal, wenn das Wort „Majestät“ während des Films fällt – und das tut es in der Tat sehr häufig – müssen alle aufstehen und rufen: „Lang lebe die Kaiserin!“. Daraufhin trinkt jeder ein Schluck von seinem Getränk oder einen Shot. Wer als Letzter umfällt, hat gewonnen (so weit muss man es natürlich nicht kommen lassen). (jz)

Kevin – allein zu Haus

Kevin (Macaulay Culkin) ist "allein zu Haus" und wird, während er seinen Weihnachtsbaum schmückt, vom Ganoven Harry (Joe Pesci) beobachtet.
Kevin (Macaulay Culkin) ist „allein zu Haus“ und wird, während er seinen Weihnachtsbaum schmückt, vom Ganoven Harry (Joe Pesci) beobachtet.
© Foto: dpa/Disney+
Alle Jahre wieder fahren die McCallisters in ihren verdienten Weihnachtsurlaub. Da es diesmal nach Paris gehen soll, ist die Vorfreude groß – zum Leidwesen Kevins. Der ist überglücklich, als er bei der Abreise von seinen Eltern zu Hause vergessen wird. Das Unheil nimmt seinen Lauf, als das Haus der McCallisters ins Blickfeld der Ganoven Harry und Marv gerät, die prompt dort einbrechen wollen. Doch haben sie ihre Rechnung ohne Kevins Erfindergeist gemacht, der den Verbrechern kräftig Paroli bietet.
Ein Weihnachten ohne „Kevin – allein zu Haus“ ist einfach kein richtiges Weihnachten. Zu komisch ist es einfach, wenn Harry (Joe Pesci) und Marv (Daniel Stern) vom kleinen Kevin (Macaulay Culkin) überlistet werden. Übrigens: Der Youtube-Kanal „Screen-Junkies“ ist 2014 der Frage nachgegangen, ob Harry und Marv Kevins Fallen ‚im echten Leben‘ überstanden hätten. Antwort: Die Banditen wären allein im ersten Teil der „Kevin“-Reihe viermal gestorben. Kein Wunder bei all den gefüllten Farbeimern, Schneidbrennern und Weihnachtsbaumkugeln, mit denen die beiden Verbrecher malträtiert werden. Trotzdem lehrt der Film, worauf es an Weihnachten ankommt: die Liebe zur Familie. Denn am Ende erkennt Kevin, dass das Leben zu Hause viel schöner ist, wenn auch seine Eltern und Geschwister dort sind. (chf)
Den Weihnachtsklassiker gibt es Weihnachten 2022 gleich mehrmals im Fernsehen zu sehen. Sat.1 zeigt den Film am 24. Dezember zur „Primetime“ um 20:15 Uhr, dann nochmal als Wiederholung am 25. Dezember um 17:55 Uhr. Diejenigen, die die Ausstrahlung im Fernsehen verpassen, können „Kevin – allein zu Haus“ alternativ auf Disney+ anschauen – oder bei Anbietern wie Amazon Prime, Maxdome, iTunes oder Youtube gegen ein kleines Entgelt streamen.

Ist das Leben nicht schön?

Ein Muss für Schwarz-Weiß-Fans: Inspiriert von Philip Van Doren Sterns Kurzgeschichte "The Greatest Gift", zeigt Frank Capras herzliche Tragikomödie einen jungen Mann auf der Suche nach sich selbst und den wirklich erfüllenden Dingen im Leben.
Ein Muss für Schwarz-Weiß-Fans: Inspiriert von Philip Van Doren Sterns Kurzgeschichte „The Greatest Gift“, zeigt Frank Capras herzliche Tragikomödie einen jungen Mann auf der Suche nach sich selbst und den wirklich erfüllenden Dingen im Leben.
© Foto: picture alliance/dpa/ARD
Ein echter Herzwärmer für gemütliche Weihnachtsabende ist Frank Capras „Ist das Leben nicht schön?“ aus dem Jahr 1946. Ein Film, der oft in den Verruf kommt, kitschig und idealistisch verklärt zu sein.
Doch der Hollywood-Klassiker in schwarz-weiß ist trotz seiner einfach gehaltenen Dramaturgie erstaunlich vielschichtig und vor allem filmgeschichtlich nicht uninteressant. Denn zwischen 1934 und 1967 galt für alle in den USA produzierten Filme der sogenannte Hays Code. Eine Art Richtlinienkatalog, der dafür sorgen sollte, dass Themen wie Sex, Politik und Kriminalität auf eine moralisch vertretbare Weise dargestellt werden.
Wer sich nicht daran hielt, riskierte Geldstrafen oder gar ein Ausstrahlungsverbot. Capra handelte sich beispielsweise eine Geldstrafe ein, weil er Henry F. Potter, den betrügerischen Gegenspieler der Hauptfigur George Bailey, ungestraft davonkommen ließ. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die im Film gestellten Fragen nach dem Sinn des Lebens und dem Kampf gegen die Ungerechtigkeit eher oberflächlich erscheinen.
Nichtsdestotrotz gelingt es Capra, seinem Protagonisten die nötige, gesellschaftskritische Tiefe zu geben. Denn jedes Mal, wenn Bailey sich für das Wohl der Allgemeinheit entscheidet, entscheidet er sich zwar gegen seinen Wunsch, die Welt zu bereisen, erfüllt sich jedoch sein offenbar dringlicheres Bedürfnis nach Gerechtigkeit. (rio)
Den Klassiker gibt es als Stream bei Amazon unter dem Seven Entertainment-Chanel (5,99 Euro/Monat nach dem Gratis-Zeitraum), bei Google Play Filme&Serien für 2,99 Euro und auf Apple-TV ab 3,99 Euro.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Endlich kann der Prinz (Pavel Travnicek) sein Aschenbrödel (Libuse Safrankova) in die Arme schließen - Szene des Klassikers «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel». Der Klassiker ist auch in der Weihnachtszeit 2022 mehr als ein Dutzend Mal bei ARD-Sendern zu sehen - erstmals am Ersten Advent (27.11.2022) nachmittags.
Endlich kann der Prinz (Pavel Travnicek) sein Aschenbrödel (Libuse Safrankova) in die Arme schließen - Szene des Klassikers «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel». Der Klassiker ist auch in der Weihnachtszeit 2022 mehr als ein Dutzend Mal bei ARD-Sendern zu sehen - erstmals am Ersten Advent (27.11.2022) nachmittags.
© Foto: WDR/DRA/ARD/dpa
Kenner sprechen nur von „3hfa“, wenn sie das wohl berühmteste deutsch-tschechische Filmmärchen von 1973 meinen. Und jedes Jahr wieder schlagen die Herzen höher, wenn Libuše Šafránková als Aschenbrödel ihr Schaffell überwirft, Pferd Nikolaus sattelt und durch den verschneiten Winterwald streift... und wenn die Eule Rosalie ihr einen Wunsch nach dem nächsten erfüllt, bis sie am Ende mit ihrem Prinz (Pavel Trávníček) glücklich dem Horizont entgegenreitet.
In Schloss Moritzburg, wo viele Szenen, unter anderem die Flucht über die Treppe, gedreht wurde, lockt die immer wieder überarbeitete Winter-Ausstellung jedes Jahr Zehntausende von Fans an. Models wie Tamara Kretz posieren dort im Originaloutfit. Die Filmmusik des Komponisten Karel Svoboda wird längst bei vielen populären Klassik-Weihnachtskonzerten gespielt, 2009 erschien eine deutsche Version des Themas mit dem Titel „Küss mich, halt mich, lieb mich“ von Ella Endlich. Eine norwegische Neuverfilmung von Cecilie Mosli mit der Popsängerin Astrid Smeplass in der Titelrolle hielt sich 2021 eng an das Original, konnte aber nicht überzeugen. Im Theatersommer Netzeband wurde die Bearbeitung mit Daria Monciu 2020 zum Theaterhit.
Als Hauptdarstellerin Libuše Šafránková im Juni 2021 starb, trauerte nicht nur ganz Tschechien. Umso schöner jedes Jahr das Wiedersehen mit der damals 20-Jährigen, wenn es heißt: „Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schornsteinfeger ist es nicht....“ (tim)
„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ an den Feiertagen:
24. Dezember: 13.40 Uhr ARD
24. Dezember: 16.05 Uhr NDR
24. Dezember: 18.50 Uhr One
24. Dezember: 20.15 Uhr WDR
24. Dezember: 23.10 Uhr SWR
25. Dezember: 11.05 Uhr ARD
25. Dezember: 15.35 Uhr RBB
26. Dezember: 17.25 Uhr MDR
und in der ARD-Mediathek sowie bei Amazon Prime, Netflix, Magenta TV und anderen Bezahlsendern.

Schöne Bescherung – Hilfe, es weihnachtet sehr

"Schöne Bescherung": Clark Griswold (Chevy Chase, M.) und seine Familie warten auf das Christkind – und erleben dabei so manche unverhoffte Überraschung.
„Schöne Bescherung“: Clark Griswold (Chevy Chase, M.) und seine Familie warten auf das Christkind – und erleben dabei so manche unverhoffte Überraschung.
© Foto: MOZ
Wenn schon, dann richtig. Die Familie Griswold bereitet sich auf das Weihnachtsfest vor. Dieses Mal soll alles ganz besonders unvergesslich werden: Großeltern und Verwandte sind eingeladen, der Kühlschrank quillt über, es blinkt und glitzert überall. Das volle Programm eben.
Im Wald hat die vierköpfige Familie dafür einen riesigen Tannenbaum geschlagen. Vater Clark, der an diesem besonderen Fest wirklich alles 100prozentig richtig machen will, hat für die Dekoration des Hauses sage und schreibe 25.000 Glühbirnen importieren lassen. Nach den üblichen Festtagsvorbereitungen mit hohem Stressfaktor, die hier detailliert und genüsslich ausgeschlachtet werden – eine Shopping-Fahrt in die Stadt, kulinarische Vorbereitungen, das Anbringen der Deko – trifft die Verwandtschaft nach und nach ein. Und dann beginnt das Chaos erst so richtig. Es will einfach nichts zusammenpassen an diesen Slapstick-reichen Wintertagen, irgendwo in einer ganz normalen Stadt in den USA.
Schon klar: Dieses Thema ist bereits vielfach bearbeitet worden, vom Film ebenso wie von Schriftstellern. Aber selten gelang die Umsetzung so charmant, so sympathisch-schrill, so hemmungslos überspitzt und dabei im Grunde genommen doch so zutiefst realistisch wie hier. Dieses perfekte Spießer-Idyll aus dem namenlosen Suburbia der USA zeichnet das Weihnachtsfest im Familienkreis in satirischer Überspitzung als das, was es für viele Menschen nun einmal ist: eine gleichzeitig verhasste Anstrengung, die doch immer wieder aufs Neue herbeigesehnt wird.
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„Schöne Bescherung – Hilfe, es weihnachtet sehr“ kam 1989 in den USA als dritter Teil der „National Lampoon“-Komödienreihe um Familie Griswold in die Kinos und sollte die Erfolgsgeschichte von Filmen wie „Die schrillen Vier auf Achse“ (1983) fortsetzen. Der Titel stammt von einem gleichnamigen früheren US-amerikanischen Satiremagazin, das Mitte der 70er-Jahre auch einen Ableger im Radio hatte und an dem bereits der Schauspieler Chevy Chase beteiligt war, der hier die Hauptrolle des Clark Griswold spielt. John Hughes schrieb das Drehbuch, Jeremiah S. Chechik führte Regie. Die Geschichte dieses Kultfilmes in Deutschland ist ungewöhnlich: denn hierzulande fand der Hollywood-Studio-Riese Warner Bros. Zunächst keinen Kinoverleiher, die Vermarktung begann 1990 direkt mit einem Video. Über den Umweg regelmäßiger erfolgreicher Fernsehausstrahlungen in der Weihnachtszeit erreichte der Streifen schließlich doch noch sein Publikum.
Zahlreiche Dialoge und Szenen besitzen Kult-Charakter, Fans können sie längst mitsprechen wie bei einem Monty-Python-Sketch. So etwa die Szene, in der das städtische Energieversorgungsunternehmen einen zusätzlichen Atomreaktor zuschalten muss, weil die 25.000 italienischen Glühbirnen das Netz kollabieren lassen. Oder der Moment im Kaufhaus, als Clark Griswold sich über besonders hautschonende Damenunterwäsche beraten lässt. Oder die Szene, in der Tante Bethany der Familie ihre Katze ... Oder … Aber mehr sei hier nicht verraten.
Hinzu kommt ein fabelhafter Cast: Die charmante Beverly d`Angelo als gestresste Mutter Ellen, die immer bereit ist, in allen das Beste zu sehen. Chevy Chase als geplagter Familienvater Clark, der beruflich irgendwo auf der mittleren Ebene hängengeblieben ist und der jetzt unbedingt als Gastgeber des schönsten Familienweihnachtsfestes überhaupt glänzen will. Ein typischer Fall von Midlife-Krise.
Veteran des Komödienfilms: Der US-Schauspieler Chevy Chase im Jahr 2018
Veteran des Komödienfilms: Der US-Schauspieler Chevy Chase im Jahr 2018
© Foto: Adam Hunger
Und nicht zu vergessen Randy Quaid als nervender arbeitsloser Cousin Eddie samt Anhang – ein proletarischer Redneck, der mit seinem ungehobelten Auftreten ein betont unspießiges Gegenbild zum Bilderbuch-Amerika der Vorstädte und Reihenhäuser verkörpert. Im Nebeneinander der beiden Familienteile versinnbildlicht „Schöne Bescherung – Hilfe, es weihnachtet sehr!“ nebenbei auch noch Abstiegsängste der weißen amerikanischen Mittelschicht. In dem unangepassten und ungeliebten Eddie scheint sich die Furcht der anderen im Familienclan vor dem Scheitern und vor sozialer Stigmatisierung zu manifestieren. Mit Blick auf die politischen Verwerfungen der jüngeren Vergangenheit in den USA war das geradezu prophetisch. Drehbuchautor John Hughes (1950-2009), aus dessen Feder drei „National Lampoon“-Komödien sowie nebenbei auch „Kevin – Allein zu Haus“ stammen, hat das damals sehr genau beobachtet und protokolliert.
Vielleicht ist die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern nach heutigen Maßstäben nicht mehr ganz zeitgemäß. Aber geschenkt – der Film ist von 1989 und persifliert das damalige Familienleben. Unter Komödien-Gesichtspunkten stimmt an diesem Streifen einfach alles: Das sorgfältige Produktionsdesign, das Erzähltempo, die Spannungskurve – immer dichter folgen die tollpatschigen Pannen und Familien-Katastrophen aufeinander. Auch der Soundtrack mit Liedern unter anderem von Ray Charles und Bing Crosby ist ausgesucht schön. Allen voran das grandios dick aufgetragene Synth-Soulpop-Weihnachtslied „Christmas Vacation“ von der großartigen Mavis Staples mit ihrer raumgreifenden Altstimme.
„Schöne Bescherung – Hilfe, es weihnachtet sehr“ auf RTL II am Donnerstag, 22. Dezember, 20.15 Uhr sowie am Freitag, 23. Dezember, 1.35 Uhr
Im Streaming auf Amazon Prime für 3,98 Euro; In der Sammelbox als Blue Ray zusammen mit „Die schrillen Vier auf Achse“ und „Hilfe, die Amis kommen“ für 19,98 Euro