Musik

Umsonst: Igor Levit spielt live auf Twitter
Jeden Abend um 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit beginnt Igor Levit einen Live-Stream auf seinem Twitter-Profil @igorpianist. Durch die Corona-Pandemie sind zahlreiche Auftritte des russisch-deutschen Pianisten abgesagt worden. Stattdessen präsentiert er sein Talent nun abendlich im Hauskonzert, für die ganze Welt zum Zusehen. Der 33-Jährige tourt normalerweise durch die Welt, spielt am Barbican Centre in London, in der Carnegie Hall in New York, in der Elbphilharmonie. Er studierte Klavier an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, an die er mittler-weile als Professor berufen wurde. Und keine Sorge – wer es nicht bis 19 Uhr schafft, der Stream kann erneut abgespielt werden.
Mehr als 600 Konzerte: Die Philharmoniker digital
Auch die Berliner Philharmoniker wollen nicht untätig bleiben in Zeiten der Krise. Sie stellen während der Schließung ihres Saals mehr als 600 Konzerte kostenlos als Streaming im Internet zur Verfügung. In der Digital Concert Hall (digitalconcerthall.com) seien Aufnahmen aus mehr als zehn Jahren abrufbar, darunter 15 Konzerte mit dem neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko, teilte die Pressestelle mit. Mit dem Code "BERLINPHIL" könnten nach einer Registrierung alle Konzerte und Filme für 30 Tage kostenfrei abgerufen werden. Der späteste Termin zum Einlösen des Codes sei der 31. März.

Serie

Was Sie schon immer wissen wollten: "Sex Education"
Otis hat zwar null sexuelle Er-fahrung, aber dennoch ein Talent, anderen bei Sex-Problemen zu helfen. Wahrscheinlich liegt das in der Familie, denn seine Mutter ist eine bekannte Paartherapeutin. An der Moordale Secondary trifft seine seltsame Begabung auf das Problem von Mitschülerin Maeve, die dringend Geld braucht – gemeinsam gründen sie an der Schule eine Art mobile Praxis für Sexberatung. Sie treibt Kunden auf und Geld ein – er redet. Britische Serie mit Charme und Tiefgang, die trotz vieler zum Schreien komischer Momente ihre sehr gut gezeichneten Figuren nie ans Messer liefert (Netflix, bislang zwei Staffeln verfügbar).
Ein Jahr Training für den Wettbewerb: "Cheer"
Dass Cheerleading mehr heißt als Fähnchen schwenken und Anfeuerungsgedichte skandieren, zeigt die Netflix-Dokumentation "Cheer". In den USA ist Cheerleading eine eigene, extrem anspruchsvolle Sportart, bei der es im Wesentlichen um das Bilden menschlicher Pyramiden geht. Die Serie begleitet eine College-Mannschaft von den ersten Trainingseinheiten bis zum jährlich stattfindenden nationalen Wettbewerb. Angeleitet von einer strengen, mütterlichen Trainerin, finden die Jugendlichen, die oft aus schwierigen Verhältnissen kommen, Stabilität und eine Ersatzfamilie (Netflix, erste Staffel).
Eiskunstlauf als Zickenkrieg: "Spinning Out"
Wer sich nach richtigem Winter gesehnt hat, kann sich mit der Serie "Spinning Out" auf Netflix in einen zauberhaften, kanadischen Gebirgsort begeben und dort dem Eistanz widmen. Ehrgeizige Mütter, eine russische Trainerin und vor allem auf Konkurrenz getrimmte Läuferinnen sind das Personal der Serie, die man durch Liebes- und Drogenräusche begleitet. Vor allem aber sieht man dem sehr hübschen Protagonistenpaar Kat und Justin beim Erarbeiten ihrer eleganten Choreografie zu – ein Vergnügen nicht nur für Eiskunstlauf-Fans (Netflix, erste Staffel).

Film

Kultur-Clash: "Womit haben wir das verdient?"
Die Wiener Chirurgin Wanda hat für jedes Problem eine Lösung – auch für Tochter Nina, die zu viel trinkt und die Schule schwänzt. Sie schleppt die 16-Jährige zur Psychologin, und bald rührt Nina keinen Tropfen Alkohol mehr an. Dafür trägt sie plötzlich Kopftuch, isst nur noch halal und nennt sich Fatima. Die liberalen Eltern, besonders Wanda (Caroline Peters), die stolz auf ihre tolerante Haltung ist, sind fassungslos – und rasch entgleitet ihnen ihr perfekt austariertes Patchworkleben. Sehr lustige und doch einigermaßen differenzierte Clash-of-Cultures-Geschichte, die viel über die Widersprüche heutiger Gesellschaften erzählt (über Amazon).
Für lokale Kinos: "Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes"
Was ein Filmemacher ohne Förderung macht, spielt Regisseur Julian Radlmaier in seinem höchst amüsanten Debüt durch. Als Erntehelfer in Brandenburg arbeiten, sich frisch verlieben, an Wunder glauben … und am Ende entsteht daraus ein neues Filmprojekt. So abgefahren kann die Welt im Kopf eines Filmemachers aussehen. Und was noch besser ist: Die Streaming-Plattform grandfilm.de, die diesen Film bereithält, spendet die Hälfte der Einnahmen an lokale Kinos. Auch eine Unterstützungsmaßnahme in Corona-Zeiten.

Hörbuch

Mission zur Rettung der Menschheit: "Black Out"
Der junge Hacker Christopher wird gejagt – das glaubt ihm bloß keiner. Bis in der Wüste Nevadas Hubschrauber auftauchen und Schüsse fallen … Unterwegs ist er mit der gleichaltrigen Serenity, auf der Suche nach deren Vater: dem geheimnisvollen Aussteiger und Technikkritiker Jeremiah Jones. Christopher sieht ihn als Verbündeten für seine Mission: eine Bedrohung für die gesamte Menschheit aufzuhalten. Aber auch Christopher hat Geheimnisse – und einen Chip im Kopf. "Black Out" ist ein spannendes Hörbuch für Jugendliche, das Themen wie Künstliche Intelligenz, Cyborgs und Risiken der Smartphone-Nutzung anreißt und Erwachsene an Neil Postman und Henry David Thoreau denken lässt. (Andreas Eschbach: "Black Out", Arena Verlag, gelesen von Stefan Kaminski, über Audible)

Podcasts

Mit den Ohren reisen: Zentralasien ganz nah
Ob Luftverschmutzung in Kasachstan oder Hip-Hop aus Usbekistan: Der Zentralasien-Podcast "Shashlyk Mashlyk" der zwei deutschen Journalistinnen Edda Schlager und Othmara Glas informiert monatlich über bedeutende Ereignisse und aktuelle Themen in Zentralasien. Die zwei Macherinnen fanden im südkasachischen Almaty zueinander. Schlager arbeitet dort seit 15 Jahren als freie Journalistin vor Ort, Glas kam vor knapp drei Jahren als Redakteurin der "Deutschen Allgemeinen Zeitung" in die Region und schreibt heute für deutsche Printmedien von vor Ort. Die Idee stammte von Podcast-Fan Glas. Schlager kommt vom Radio und war schnell von der Idee zu überzeugen. "Mit ,Shashlyk Mashlyk‘ können wir selbst ein bisschen Zentralasien nach Deutschland bringen", sagt Othmara Glas zu dem jungen Projekt. Was der Name bedeutet und vieles mehr ist zu hören auf: shashlyk.de.
Zeit zum Üben: Musikunterricht via YouTube
Wann wäre es an der Zeit, den lange gehegten Traum vom Erlernen eines Instrumentes in die Tat umzusetzen, wenn nicht jetzt? Selbst wenn auch die letzte Musikalienhandlung bald geschlossen haben sollte – eine alte Gitarre oder Blockflöte lässt sich vielleicht noch auf dem Dachboden auftreiben. Und auf YouTube gibt es zu jedem Instrument eine ganze Heerschar von Video-Bloggern, die den fachlich geschulten Musikpädagogen ersetzen – vom Einsteiger-Niveau bis zum Feinschliff für angehende Profis. Zum Beispiel Kontrabass-Coach Nicki Parrott, Akkordeon-Lehrerin Janina Rüger, das Triangel-Tutorial von Peripole, oder Tuba-Lehrer Raimund Lippok … Ein Lied kann eine Brücke sein!