Filmfestival: Berlinale zeigt „Berlin Alexanderplatz“

Guter Dinge: Die Direktoren der Berlinale Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian stellen das Programm vor.
Britta Pedersen/dpaDrei deutschsprachige Filme, und alle haben mit Berlin zu tun. Das Wettbewerbsprogramm der 70. Berlinale, das die neuen Direktoren Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek am Mittwoch in Berlin bekannt gaben, wartet zumindest mit drei Höhepunkten auf: die Neuverfilmung von „Berlin Alexanderplatz“ des deutsch–afghanischen Regisseurs Burhan Qurbani, der den Stoff ins Hier und Jetzt einer afrikanischen Migrationsgeschichte überführt — Jella Haase spielt die Mieze. Auch wieder dabei: Regisseur Christian Petzold mit seinem neuen Film „Undine“, erneut mit Paula Beer und Franz Rugowski in den Hauptrollen, die schon in dem Vorgänger „Transit“ brillierten. Und, als drittes, ein Heimspiel für Berlin, gedreht vom Schweizer Regieteam Stephanie Chuat und Veronique Reymond: „Schwesterherz“ mit Nina Hoss und Lars Eidinger erzählt eine Geschwister–Geschichte an einem Berliner Theater, und Schaubühnen–Chef Thomas Ostermeier spielt sich selbst.
Der Trend geht zu Regie–Duos
Soweit also alles fein bei den 18 Filmen, die im Wettbewerb des Festivals laufen — die neu geschaffene zweite Wettbewerbssparte Encounters für etwas speziellere Filme fügt noch einmal 15 hinzu. Der Frauen–Anteil bei den Regisseurinnen liegt mit sechs Filmen bei einem Drittel, einen Trend sieht Berlinale–Chef Chatrian bei vermehrten Regie–Duos und Kollektiven. Der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof hat trotz Filmverbot seinen Film „There Is No Evil“ fertiggestellt — man hoffe, dass er zum Festival anreisen dürfe, so Chatrian.
Das Star–Aufgebot hingegen ist eher auf der Kunstfilm–Seite, mit dem neuen Film „Siberia“ von Abel Ferrara mit seinem Lieblingsdarsteller Willem Dafoe, „The Roads Not Taken“, einer Vater–Tochter–Geschichte der britischen Regisseurin Sally Potter mit Javier Bardem, Elle Fanning, Salma Hayek und Laura Linney in den Hauptrollen, und der US–Independent–Regisseurin Kelly Reichardt, die mit „First Cow“ eine Geschichte aus dem mittleren Westen erzählt. Große Hollywood–Produktionen fehlen komplett, dafür sind Regisseure wie Philippe Garrel, Hong Sangsoo und Tsai Ming–Liang dabei. Und der russische Skandal–Regisseur Ilya Khrzhanovskiy, der 2018 für Aufregung sorgte, weil er in Berlin–Mitte die Mauer wieder aufbauen wollte, zeigt Teile seines filmischen Großprojektes „DAU“.
Immerhin: Etwas Populäres bietet die Gala–Reihe, die als Weltpremiere den neuesten Pixar–Film „Onward“ zeigt — etwas für Kinder und auch für Erwachsene, so Berlinale–Chef Chatrian. Auf dem Programm stehen auch ein neuer Film mit Hollywoodstar Johnny Depp, eine Dokuserie über die US–Politikerin Hillary Clinton und eine Neuverfilmung von „Pinocchio“ mit Roberto Benigni. Cate Blanchett ist in "Stateless“ in der Sektion „Berlinale Series“ zu sehen, als Special läuft eine Dokumentation über Albert Speer, „Speer goes to Hollywood“.
Nicht zu Wort kamen hingegen die Leiter der anderen Berlinale–Sektionen Panorama, Internationales Forum, Generation, Retrospektive sowie Perspektive Deutsches Kino. Sie durften zwar zum vielköpfigen Gruppenbild erscheinen, die Programmvorstellung behielt der neue Chef jedoch seinem Wettbewerb vor und verwies ansonsten auf die Programmveröffentlichung.
Eröffnet wird das Festival, wie schon gemeldet, am 20. Februar mit „My Salinger Year“ von Philippe Falardeau. Die Jury wird vom britischen Schauspieler Jeremy Irons (71, „Das Geisterhaus") geleitet, weitere Mitglieder werden in der kommenden Woche bekannt gegeben. Den Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk erhält die britische Schauspielerin Helen Mirren (74, „Die Queen"). Ihr wird auch eine Hommage gewidmet. Die Retrospektive ehrt King Vidor. Das gesamte Programm wird am 11. Februar auf www.berlinale.de veröffentlicht. Insgesamt laufen in diesem Jahr rund 340 Filme auf der Berlinale, 60 Werke weniger als 2019.
