Veranstaltungsort der etablierten Veranstaltungsreihe "Gespräche am Kamin" ist der historische Barocksaal im Gutshaus von Sieversdorf. Eingeladen hatten am Freitag das Kleist-Museum Frankfurt (Oder) sowie dessen Förderverein. Auf dem Podium: Hans-Georg von der Marwitz und der Verleger André Förster. In dessen Verlag für Berlin-Brandenburg ist als eine von bislang 13 Publikationen zu Fontane in diesem Jahr die Anthologie "Von Dorf zu Dorf, von Kirche zu Kirche. Auf Fontanes Spuren in märkischen Kirchen" erschienen, herausgegeben von Antje Leschonski. Hans-Georg von der Marwitz las seinen Beitrag "Auferstanden aus Ruinen. Die Dorfkirche in Friedersdorf". Die Lektüre bildete den Ausgangspunkt für ein von Wolfgang de Bruyn, dem früheren Direktor des Kleist-Museums, moderiertes Gespräch. Dieses sollte einen Bogen schlagen vom Adel der Fontane-Zeit zur heutigen Wirklichkeit, für die die Familie Marwitz als Beispiel dienen kann.
Die Barockkirche von Friedersdorf hat nach Meinung Fontanes "sehr wahrscheinlich in märkischen Landen nicht ihresgleichen" – so steht es in seinen in seinen "Wanderungen". "Am 16. April 1945", so schreibt von der Marwitz in seinem kurzen Buchbeitrag, "versanken das Dorf und die Kirche von Friedersdorf in der Schlacht um die Seelower Höhen im Granathagel der Sowjetarmee". Der Pfarrerssohn und Landwirt zog mit seiner Familie 1990 vom Allgäu zurück in die Heimat seiner Vorfahren. Beim Anblick der Kirchenruine stellte er fest: "Das Wenige allerdings war beeindruckend genug, um alles daranzusetzen, den Wiederaufbau voranzutreiben." Hans-Georg von der Marwitz beschreibt anschaulich, was er vorgefunden hat und dass nach 28 Jahren "sich Friedersdorf schöner, als Fontane es nach seiner ersten Reise beschrieben hat" präsentieren würde.
Das anschließende Gespräch drehte sich insbesondere um die öffentliche Wahrnehmung der Nachkommen des Adels, den Fontane seinerzeit als "unausstehlich und reizend zugleich" bezeichnet hat.