Frank Sinatra: Weltpremiere von dem Musical „That’s Life“

Hauptdarsteller Janko Danailow singt während der Fotoprobe im Ritz Carlton Berlin. Danailow spielt den jüngeren Frank Sinatra in That’s Life - Das Sinatra-Musical.
Annette Riedl/dpaAber eben auch eine der größten Stimmen des 20. Jahrhunderts. Die Bühnenshow „That’s Life — Das Sinatra–Musical“ zeigt beide Seiten des Sängers, Schauspielers und Entertainers, der zum Inbegriff für die US–amerikanische Unterhaltungsindustrie geworden ist. Stefan Warmuth, langjähriger Leiter des Orchesters im Berliner Wintergarten–Varieté, hat das Stück geschrieben und Regie geführt. Am Mittwochabend war Weltpremiere im Theater am Potsdamer Platz.
Es ist eine Geschichte von hart erkämpftem, manchmal auch ergaunertem Erfolg, von Exzessen und Abstürzen und dann wieder kometenhaften Höhenflügen, die Warmuth hier erzählt. Die Geschichte eines nimmersatten Charakters, der, wie es in dem Stück einmal heißt, alles haben will, und immer alles zugleich. „My Way“ ist das Lied dazu, es erklingt natürlich zum großen Finale.
Aus diesem märchenhaften Leben lässt sich ein Bühnenmärchen konstruieren, keine Frage. Geboren 1915 in Hoboken im US–Bundesstaat New Jersey, arbeitet sich der Sohn italienischer Immigranten als singender Kellner in einem Diner–Restaurant hoch. Wird von dem Bigband–Leader Harry James entdeckt und wechselt bei der ersten Gelegenheit zum berühmteren Tommy Dorsey. Startet seine Solokarriere, geht zum Film nach Hollywood, liebt, säuft und pöbelt sich durch die Branche.
Auch dieses Musical kommt nicht ohne die genretypischen Dramatisierungen und Romantisierungen aus. Den Zuschauer erwartet das handelsübliche Elend willkürlich gesetzter Plotpoints. Fragwürdig ist in dieser Zuspitzung etwa die Verknüpfung von Sinatras Karriereknick um 1950 mit der Begegnung mit Schauspieldiva Ava Gardner (Katia Bischoff). Die aufreibende Amour fou endet nach kurzer Ehe; Sinatra überwindet die Krise schon bald, wird 1954 gar mit dem Oscar für seine Nebenrolle in „Verdammt in alle Ewigkeit“ belohnt.
Es folgen im Parforceritt die wilden Jahre mit dem „Rat Pack“, als Sinatra mit Sammy Davis jr. (Micky Smith jr.) und Dean Martin (Randy Diamond) Las Vegas unsicher macht. Experimente meidet das Stück, das nach einigen Abenden in Berlin auf Deutschlandtour gehen soll. Das Bühnenbild von Manfred Waba bedient sich mit einer Showtreppe und einer Galerie der typischen Zutaten von US–Shows in der Swing-Ära. Das ist nicht wirklich originell, erfüllt aber seinen Zweck. Eine Videowand über der Bühne hilft, die Orts– und Szenenwechsel plausibel zu machen.
Zwei Darsteller teilen sich die Hauptrolle. Janka Danailow, der den jungen Sinatra spielt, ist zwar ein agiler Schauspieler, der Sinatras übersteigerten Narzissmus greifbar macht. Er ist seiner Rolle aber stimmlich nicht gewachsen. Tam Ward wiederum, der Mime des älteren Sinatra, ist stimmlich kaum vom Original zu unterscheiden. Allerdings geht ihm jedes Charisma ab. Zwar war auch Sinatra eher ein hüftsteifer Entertainer, der eher aus der Not heraus die lässige Geste mit dem Mikro in der einen und dem Whiskyglas in der anderen Hand zur Kunstform stilisiert hat. Doch leider bleibt Sinatras Magie bei Ward auf der Strecke.
Viele Welthits wie „Strangers In The Night“, „Something Stupid“ und natürlich „New York, New York“ werden im Zugabenblock abgehandelt. Das souveräne 13–köpfige Orchester kann hier alle Stärken ausspielen, und die Zuschauer hält es nun nicht mehr auf den Sitzplätzen. Ein versöhnliches Ende.
Nächste Vorstellung am 10.1., 20 Uhr, Theater am Potsdamer Platz, Marlene–Dietrich–Platz 1, Berlin–Tiergarten, Kartentel. 01806 570070; weitere Tourtermine: www.sinatra–musical.com
