Fürst Pückler - Ein Leben in Bildern
: Kurzweilige Reise ins 19. Jahrhundert

Literatur/Geschichte
Von
Camillo Kupke
Frankfurt (Oder)
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Fu¨rstPu¨ckler_Umschlag.indd Buchcover "Fürst Pückler. Ein Leben in Bildern" (2019), be.bra verlag

be.bra verlag

Wie aber sieht die Gaumenfreude tatsächlich aus? Und wie wird sie zubereitet? Eine Antwort liefert im Jahre 1861 der Hofkoch von Pücklers Freund Malte zu Putbus in seinem Kochbuch. Laut Kurths Rezept wird "Gefrorenes von geschlagener Sahne à la Pückler“ nicht geschichtet, sondern, nach den drei Farben abwechselnd, löffelweise in eine Form gefüllt und durch Schütteln dergestalt gemischt, dass die Farben letztlich wie marmoriert wirken.

Histörchen wie diese machen die opulent ausgestattete Biografie „Fürst Pückler. Ein Leben in Bildern“ gleichermaßen zu einem Lesevergnügen wie Augenschmaus. Das abenteuerliche Leben des Schriftstellers und Orientreisenden, des Landschaftskünstlers und Standesherren, des Freundes der Wissenschaften und Genießers alles Schönen ist reich an Anekdoten, Legenden und Mythen; die Veröffentlichungen über ihn sind kaum noch zählbar. Und spätestens seit der Ausstellung „Parkomanie. Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler“, die 2016 in der Bonner Kunsthalle zu sehen war, ist das Interesse an dem Fürsten wieder aufgelebt.

Essays namhafter Experten

Der jetzt im Berliner be.bra verlag publizierte Band ist quasi eine Zusammenfassung dessen, was die Forschung heute über Pückler (1785–1871) weiß. Dabei ist die von dem Kunstwissenschaftler Ulf Jacob, der Kunsthistorikerin Simone Neuhäuser sowie Gert Streidt, scheidender Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, nach zweieinhalbjähriger Arbeit herausgegebene Biografie trotz ihres Gewichtes keineswegs ein schwerer Brocken. Sie ist lesefreundlich geschrieben, zugleich informativ wie faktenreich und bewegt sich auf dem Grat zwischen wissenschaftlich und unterhaltsam. Insofern kann das Buch auch als vertiefende Begleitlektüre zu der Ende Mai dieses Jahres eröffneten neuen Dauerausstellung im Schloss Branitz dienen.

Beginnend von den Irrungen und Wirrungen der Kindheits- und Jugendjahre bis hin zum Nachruhm des exzentrischen Fürsten liefert die Biografie auf 780 Seiten ein facettenreiches, gleichwohl entstaubtes und zeitgemäßes Pückler-Bild, das anhand von weit mehr als 800 kommentierten Bildern, Autografen, Fotos, Objekten und Karten erzählt wird. Die exzellenten Abbildungen und die den zwölf Kapiteln vorangestellten Essays namhafter Experten aus Deutschland, Frankreich und England gestatten zugleich tiefe, vielschichtige Einblicke in das kulturelle, gesellschaftliche und politische Leben dieses aufregenden, an Ereignissen so reichen 19. Jahrhunderts in Europa und darüber hinaus.

Dabei muss man den Band nicht in einem Zug lesen, sondern kann auch irgendwo anfangen. Hier mal in einem der kurzweiligen Texte schmökern, da eine Abbildung näher betrachten – wie ein Kaleidoskop fügen sich Pücklers Leben und Schaffen zu einem schillernden Gesamtbild, das oft auch rätselhaft erscheint.

Da ist beispielsweise die Frage nach seiner Kinderlosigkeit. Dass Pückler tatsächlich zeugungsunfähig war, darauf würden einige wenige Quellen hindeuten, heißt es in dem Band. Nachdem ihn eine Dame als Vater ihres Kindes angab, schreibt er 1840 seiner geliebten „Schnucke“ Lucie – von der er 1826 „pro forma“ geschieden wurde –, dass er „aus dem Spiele“ sei. Denn es sei bekannt, „daß ich infolge einer Krankheit keine Kinder mehr zeugen könne, wenn auch der Beischlaf stattfände.“ Die Autoren vermuten, diese Krankheit könnte mit einer „Lücke“ in Pücklers Lebenslauf zwischen dem Dezember 1804 und dem Juni 1806 zusammenhängen. – Es sind auch solche pikanten Details, die dafür sorgen, dass man das Buch kaum noch aus der Hand nehmen möchte.

Ob Pückler das dreifarbige Eis, das seinen Namen trägt, selbst gern aß, ist vermutlich eher nicht der Fall. Auf der Tafel in seinem Erbschloss Branitz bei Cottbus wurde das „Eis à la Prince Pückler“ jedenfalls nur ein Mal serviert, haben Wissenschaftler recherchiert. Der Fürst bevorzugte Kirscheis, wie er überhaupt Süßspeisen aller Art mit dieser Frucht liebte.

Ulf Jacob, Simone Neuhäuser und Gert Streit (Hrsg.): „Fürst Pückler. Ein Leben in Bildern“, be.bra verlag, 480 Seiten, 34 Euro