Gärten in Potsdam-Sanssouci
: Gartendirektor Harri Günther im Alter von 94 Jahren gestorben

Er wohnte gegenüber von Schloss Sanssouci – und stand in der Nachfolge des großen Vorbilds Peter Joseph Lenné. Nun ist Gartendirektor Harri Günther im Alter von 94 Jahren gestorben.
Von
MOZ
Potsdam
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Harri Günther war von 1959 bis 1992 für die Potsdamer Gärten im heutigen Unesco-Weltkulturerbe verantwortlich. Jetzt ist er im Alter von 94 Jahren gestorben.

SPSG

Der langjährige Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Harri Günther, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Der Landschaftsarchitekt und Gartenhistoriker sei als einer der Nachfolger von Peter Joseph Lenné (1789 bis 1866) von 1959 bis 1992 für die Potsdamer Gärten im heutigen Unesco-Weltkulturerbe verantwortlich gewesen, teilte die Stiftung am Montag mit. Dazu gehört auch der Park Sanssouci. Günther, der 1928 im vogtländischen Reichenbach geboren wurde und im Hofgärtnerhaus im Park Sanssouci lebte, starb den Angaben zufolge am vergangenen Freitag in Potsdam.

Generaldirektor Christoph Martin Vogtherr betonte, Günther sei es gelungen, in den 33 Jahren seines Wirkens für das Kulturerbe die Schönheit der Gartenanlagen unter schwierigsten Bedingungen für die Zukunft zu bewahren. „Mit großer Liebe und Pragmatismus hat er sein Leben den Potsdamer Gärten gewidmet“, erklärte Vogtherr: „Nicht zuletzt seinem gartendenkmalpflegerischen Lebenswerk ist die Einsicht zu verdanken, dass diese Kulturlandschaft fortwährend der fachgerechten Pflege bedarf, wenn sie für kommende Generationen erhalten werden soll.“

Die Vernachlässigungen der Nachkriegszeit beseitigt

Günther wuchs den Angaben zufolge in Dessau auf und erlernte dort den Beruf des Gärtners. Danach studierte und promovierte er in der DDR an der Berliner Humboldt-Universität. 1959 wurde er Gartendirektor der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci. Hier hatte die jahrelange Vernachlässigung der Potsdamer Gärten in der Nachkriegszeit deutliche Spuren hinterlassen. Harri Günther organisierte umfassende Instandsetzungsmaßnahmen.

Eines seiner ersten Projekte war ab 1966 die Rückführung des Parterres vor der Neptungrotte im Park Sanssouci. Die Wiederherstellung der Weinbergterrassen vor dem Schloss Sanssouci bis zum Beginn der 1980er Jahre fiel ebenso in seine Amtszeit wie die der Partien am Chinesischen Haus und des Marlygartens sowie die Wiederherstellung der Gärten rund um das Schloss Cecilienhof im Neuen Garten.

Abriss der Grenzanlagen im Neuen Garten

1979 gründete er den bis heute erfolgreichen Arbeitskreis Orangerien und prägte mit seinen Erfahrungen und Kenntnissen die Reihe der „Dendrologischen Wintertagungen“. Am Ende seiner Dienstzeit – unmittelbar nach dem Fall der Mauer 1989 – koordinierte er den Abriss der deutsch-deutschen Grenzanlagen im Neuen Garten und im Park Babelsberg und ermöglichte damit die lang ersehnte gartendenkmalpflegerische Instandsetzung dieser zentralen Anlagen in der UNESCO-Welterbestätte „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ in den Folgejahren.

International anerkannter Gartenexperte

Darüber hinaus war Harri Günther ein profunder Gartenhistoriker, der schon zu DDR-Zeiten international geschätzt wurde. Seine Studien über Peter Joseph Lenné und die von ihm zu dessen 200. Geburtstag im Mai 1989 initiierten Veranstaltungen und Restaurierungen waren wichtige Impulse für die Aufnahme der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft ins UNESCO-Welterbe. Die Liste seiner Veröffentlichungen umfasst mehr als 120 Titel, darunter der nach wie vor als Standardwerk unverzichtbare Katalog der Gartenpläne und Zeichnungen Lennés, den er zusammen mit Sibylle Harksen edierte.

Kurz vor dem Ende der DDR wurde Harri Günther 1989 der Friedrich-Ludwig-von-Sckell-Ehrenring der Bayerischen Akademie der Schönen Künste verliehen, der in Deutschland höchsten Auszeichnung „für herausragende Landschaftsarchitekten, Gartenhistoriker und verwandte Berufe“. 1994 erhielt er den Verdienstorden 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland.