1977 veröffentlichte Grass "Der Butt". Auf mehreren Erzählebenen wird die Geschichte der Menschheit mehrerer Jahrhunderte erzählt. Geografischer Hintergrund ist die Weichselmündung. Das Andersen-Märchen vom Fischer und seiner Frau bildet den Ausgangspunkt. 1982 schuf Günter Grass die Skulptur "Butt im Griff". Sie steht sowohl in Danzig als auch am Hafen im dänischen Sonderburg und jetzt vorübergehend als handliche Figur im Trebnitzer Seitz-Museum.
Die Idee für die Ausstellung entstand bei einem Besuch der 2009 eröffneten Günter-Grass-Galerie in Danzig. Eine Dauerausstellung widmet sich dem berühmten Sohn der Stadt. Grass wurde dort geboren, besuchte die Volksschule und das Gymnasium – bis 1944. Dann wurde er als Luftwaffenhelfer eingezogen. Die Kriegserlebnisse sollten ihn für immer prägen. Der Verlust seiner Heimat beschäftigte ihn Zeit seines Lebens. Einher ging damit die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, den er in vielen seiner Werke, ob in Romanen, Erzählungen, Gedichten oder Essays verarbeitet hat.
Immer wieder kommentierte er das öffentliche politische Geschehen, unterstützte Wahlkämpfe von SPD und Grünen. Dies war in erster Linie Ansatzpunkt für die Sonderausstellung im Trebnitzer Museum. Denn auch Gustav Seitz setzte sich in seinen Arbeiten intensiv mit politischen Themen und der deutschen Vergangenheitsbewältigung auseinander, eckte als Wandler zwischen Ost und West an, blieb jedoch seinen Maximen treu, ließ sich nie von modernen Strömungen beeinflussen. "Günter Grass bei Seitz. Inhalt als Widerstand", so der Titel der Schau, die das plastische und grafische Werk von Günter Grass in den Fokus stellt und es mit dem von Gustav Seitz konfrontiert. Beide Bildhauer eint die Hinwendung zum Figürlichen. Im Mittelpunkt steht immer wieder der Mensch. "Die menschliche Gestalt an sich stellt jedoch nur einen Teil der Motive dar, die sein reichhaltiges, sehr gern mit Methaphorik aus der Welt der Natur operierendes Schaffen bevölkern", so Marta Wrobleweska.
Die Danziger Kunsthistorikerin hat die Ausstellung kuratiert. In vielen Arbeiten findet der Betrachter den Bezug zu den Romanen von Grass. "Er hat seine Literatur illustriert", so sieht es Wolfgang van Gulijk vom Vorstand der Gustav Seitz Stiftung. Und verweist auf die außerordentliche Qualität der Bronzearbeiten und auf die Grafiken, die meist mit Texten "garniert" sind und zu den Romanen Bezug nehmen.
Ursprünglich war die Eröffnung  mit der Kuratorin Mitte April geplant. Dann kam Corona. Es war lange ungewiss, ob und wann die Arbeiten aus Danzig kommen. "Wir hatten glücklicherweise alles vorbereitet, vom Flyer über eine Broschüre mit den Lebensdaten von Grass bis hin zu den Sockeln für die Skulpturen", berichtet van Guljik. "Als dann fast über Nacht die Exponate doch geliefert wurden, konnten wir die Ausstellung umgehend aufbauen und eröffnen, konnten schon die ersten Besucher begrüßen." Zu sehen ist sie nun in Trebnitz bis zum 8. November.
Infos:www.gustav-seitz-museum.de

Ausstellungsriten in Zeiten der Pandemie


Die Vernissage soll nachgeholt werden. Ebenso sind ein Gespräch mit der Direktorin der Städtischen Galerie Danzig zum besonderen Verhältnis des Schriftstellers zu seiner Geburtsstadt, die ihn 1993 zu ihrem Ehrenbürger ernannte, sowie eine Lesung aus Texten von Grass geplant. Auf der Internetseite der Stiftung wird rechtzeitig dazu informiert. dos