Heino in Frankfurt (Oder): Konzert in der Kirche – singendes Parfum und ein Appell

Kurz vor seinen Konzerten in den USA gibt, tritt Heino in der Marienkirche in Frankfurt (Oder) auf. An Applaus wurde nicht gespart.
René MatschkowiakDass am Sonntagabend mitten in Frankfurt (Oder) ein Konzert stattfindet, davon ist in der Stadt wenig zu spüren. Viele machen es sich zu Hause gemütlich und bereiten sich auf den Montagmorgen vor. Biegt man jedoch in die Regierungsgasse, zwischen Europa-Uni und Marienkirche, ein, lässt sich eine Schlange voller Menschen erspähen. Allesamt stehen sie an, um Heino live in der Marienkirche zu sehen. Im Rahmen seiner „Das Beste Live“-Tour kommt der 85-jährige Sänger nach über 25 Jahren zurück in die Oderstadt.
Komplett in Schwarz und mit glitzernden Streifen an den Jackett-Ärmeln tritt der Sänger auf die Bühne. Doch eigentlich ist der gebürtige Düsseldorfer für seine rote Anzugjacke mit schwarzer Sonnenbrille bekannt. Rot ist an diesem Abend lediglich der Heino-Banner, vor welchem der Künstler des Abends performt. Vorerst. Denn Heino wäre nicht Heino, wenn er sein Publikum in den letzten Minuten mit einem Kleidungswechsel überrascht. Passend zu seinem Mega-Hit „Blau blüht der Enzian“ schmeißt sich der 85-Jährige in das rote Jackett und kassiert dafür kräftigen Applaus.
Fan aus Frankfurt berichtet von Freundschaft zu Heino
Immer wieder erzählt er während des Auftritts kleine Geschichten aus seinem Leben und spricht über die jahrelange Freundschaft zu seinem Fan Eberhard Kulla aus Frankfurt (Oder). Kulla hat 2020 das Buch „Glücksfall Heino“ veröffentlicht - ein persönliches Werk mit einer kleinen Liebesbotschaft aus Sicht eines Fans. Mit seiner Familie, das sind Ehefrau und Sohn, besucht der Frankfurter Heino-Fan das Konzert. „Ich bin mit Heino im Kontakt, ab und zu telefonieren wir“, sagt er. Noch zu DDR-Zeiten habe er dank seiner Oma einen Brief, adressiert an Heino, nach Westberlin bringen können. Sie hatte eine Ausreisegenehmigung. Den Brief habe sie daraufhin zur Post gebracht. Nach knapp einem Jahre habe Kulla eine Antwort erhalten. „Heino war in der DDR nicht gerne gesehen“, ergänzt er.
Umso schöner, dass die Freundschaft seitdem besteht. Mit einer „Heino-Freunde“- WhatsApp-Gruppe tauscht er sich regelmäßig mit anderen Heino-Fans aus. Dazu zählen unter anderem Annette Vierling und Ramona Haake aus Ziltendorf bei Eisenhüttenstadt. Sie besuchen ebenfalls das Konzert und genießen mit Eberhard Kulla die Veranstaltung aus der ersten Reihe. „Es sind rund 20 bis 25 Leute in der Gruppe und sie kommen alle verteilt aus der ganzen Bundesrepublik“, erzählt Kulla. Den beiden Damen habe die Vorstellung sehr gefallen. Als langjährige Heino-Fans war es für sie natürlich nicht das erste Konzert des Volksmusikers. Erst vor einer Woche hätten sie den Heino-Auftritt in Beelitz besucht. „Alles, was im Umkreis von 200 Kilometern ist, schauen wir uns an“, verraten sie. Der Abend in der Marienkirche war für sie gewissermaßen ein Heimspiel.
Annette Vierling und Ramona Haake loben die Texte des Sängers. Da könne man alles in Ruhe verstehen und mitsingen. „Heute muss die Musik immer schnell und laut sein“. Außerdem halten die Heino-Freunde an der Volksmusik fest, die ja immer mehr aussterbe, sagen sie.
Appell vom Manager: weiter Volkslieder singen
Dazu gibt es gegen Ende der Veranstaltung prompt ein Appell von Heinos Manager: „Schämen Sie sich nicht, Volkslieder zu singen“. Zu schade sei es, die Lieder nicht weiter an die eigenen Kinder zu geben. „Früher wurde ich dafür belächelt“, sagt Heino. Davon unterkriegen lassen, habe er sich aber nie - zum Glück. Denn seine Songs kommen beim Publikum gut an. Zu den Hits wie „Die schwarze Barbara“ oder „Rosamunde“ schunkelt das Publikum in den Sitzreihen von rechts nach links und klatscht. Eine halbe Weltreise von der Copa Cabana (Carneval in Rio) über Mexiko (Fiesta Mexicana) bis Spanien (Viva Espana und Sierra Madre) gibt es an dem Abend für alle inklusive.

Auch junge Besucher strömen in die Marienkirche in Frankfurt (Oder), um Heino zu sehen.
René MatschkowiakEntgegen der Erwartung strömen auch junge Gäste zu Heino in die Marienkirche. Eine Männergruppe aus Beeskow ist beim Konzert von schätzungsweise 300 Anwesenden dabei. „Einmal muss man ihn gesehen haben“, sagen sie und finden, dass der Auftritt ja für Jung und Alt sei.
Bevor sich Heino mit "Märkische Heide", ein Lied über Brandenburg von der Bühne verabschiedet, durchstöbern die Gäste noch den Fan-Shop. Darunter Shirts, CDs, Schallplatten und ein Unisex-Parfum, welches beim Sprühen den Hit „blau blüht der Enzian“ singt. Hundeleinen, Bücher und ein Heino-Teddybär sind ebenfalls im Angebot.
Nach einer Stunde ist aber endgültig Schluss und Heino verlässt die Marienkirche mit einem „Vielen Dank und hoffentlich bis bald.“

