Herbert Grönemeyer wird 70
: „Der Erfolg hielt sich massiv in Grenzen“, ARD-Doku zum Geburtstag

Herbert Grönemeyer wird 70. Anlässlich seines Geburtstags wirft die ARD mit der Doku „Grönemeyer - Alles bleibt anders“ einen Blick zurück auf das Leben des Ausnahmekünstlers.
Von
Michael Heider
Berlin
ARD/WDR GRÖNEMEYER - ALLES BLEIBT ANDERS, Film von Robert Bohrer, am Montag (13.04.26) um 20:15 Uhr im ERSTEN.
Musiker Herbert Grönemeyer bei seinem Treffen mit der Schauspielerin Nina Hoss in der Akademie der Künste.
© WDR/Emma Rosa Simon, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/Emma Rosa Simon" (S2+). WDR Kommunikation/Redaktion Bild, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de

Feiert am 12. April 2026 seinen 70. Geburtstag: Herbert Grönemeyer. In der Dokumentation „Grönemeyer - Alles bleibt anders“ wirft die ARD einen Bick zurück auf das Leben und die Karriere des Sängers.

WDR/Emma Rosa Simon
  • ARD zeigt die Doku „Grönemeyer - Alles bleibt anders“ zum 70. Geburtstag des Sängers.
  • Im Zentrum steht sein Weg von frühen Kritiken bis zum Durchbruch mit „4630 Bochum“.
  • Grönemeyer erinnert sich: „Der Erfolg hielt sich massiv in Grenzen“ – bis zur Erfolgsplatte.
  • Die Doku zeigt Karrierehöhepunkte, private Verluste und seine unprätentiöse Art.
  • Prominente Wegbegleiter wie Anke Engelke, Toni Kroos und Paula Hartmann kommen zu Wort.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Natürlich geht es mit 4630 los. Mit Bochum. Hier, tief im Westen, nahm schließlich alles seinen Lauf - und wirkt bis heute nach. Nicht nur, wenn im Ruhrstadion blaue Schals in die Höhe gereckt werden und Tausende im Chor anstimmen: „Bochum, ich komm aus dir. Bochum, ich häng an dir.“ Für ihn sei es „teilweise surreal, wenn sie das singen“, sagt Herbert Grönemeyer glaubhaft ungläubig über die Genese seines Hits zur Stadionhymne.

Es ist nur eines von vielen Beispielen, mit denen die ARD in „Grönemeyer - Alles bleibt anders“ die enorme Prägekraft des Sängers verdeutlicht. Anlass zur Dokumentation gibt der anstehende 70. Geburtstag Grönemeyers. Grund zu feiern, zweifellos. Und Grund, einen Blick zurück auf eine der bemerkenswertesten Karrieren der deutschen Popgeschichte zu werfen. Zumal es alles andere als selbstverständlich ist, dass Herbert Grönemeyer heute nationales Kulturgut ist.

Denn Hits wie „Flugzeuge im Bauch“, „Männer“ oder „Zeit, dass sich was dreht“ ließen noch auf sich warten. Die Kritiker schienen sich zu Beginn seiner Karriere Ende der 1970er jedenfalls einig: „Sein Hauptproblem besteht wohl darin, dass er nicht singen kann“, war etwa im „Iserlohner Kreisanzeiger“ über Herbert Grönemeyer zu lesen.

Die Skepsis gegenüber der Gesangskunst und den poetischen Fähigkeiten des Newcomers (damals schrieb er die meisten seiner Lieder nicht selbst) konnte auch in offene Unverschämtheit umschlagen, davon zeugt ein Ausschnitt aus einem alten Interview. „Schön, wie man in Deutschland aufgebaut wird“, kommentiert Grönemeyer den Clip und lacht.

„Der Erfolg hielt sich massiv in Grenzen“, so Herbert Grönemeyer

Es ist das Lachen des Siegers. Und desjenigen, der unbeirrt an sich und seine Kunst geglaubt hat. Und das musste Grönemeyer auch. „Der Erfolg hielt sich massiv in Grenzen“, erinnert er sich zurück an seine Anfänge. Das änderte sich mit seiner wegweisenden Platte „4630 Bochum“. Ausverkaufte Konzerte, Schlangen von Fans vor dem Plattenladen, kurz: Durchbruch.

Es ist eine gut dokumentierte Geschichte, die die ARD erzählt. Vieles dürfte selbst weniger Eingeweihten bekannt vorkommen: die steilen Höhen und großen Erfolge Grönemeyers, die Tücken der Prominenz, die Schicksalsschläge im Privaten, allen voran der Tod seines Bruders und seiner Ehefrau. Wirklich Neues erfährt man selten. Und doch ist das 90-minütige Porträt mehr als ein Format nur für Fans.

Vor allem Herbert Grönemeyer selbst nimmt Zuschauer ein

Zwischen der gehetzten Aneinanderreihung von Konzertmitschnitten und Clips aus TV-Archiven ist es vor allem Grönemeyer selbst, der einnimmt. Besonders lebendig wird der Film dort, wo er sich seinen Anfängen nähert. Wann Grönemeyer eigentlich zu „Grönemeyer“ wurde, will Schauspielerin und Freundin Nina Hoss wissen - und führt damit zurück an dessen Zeit am Bochumer Schauspielhaus. Mitte der 1970er-Jahre war er dort als Schauspieler und Musiker engagiert. Die Lehren des damaligen Intendanten Peter Zadek in Sachen Bühnenpräsenz und künstlerische Energie hätten ihn nachhaltig geprägt, erklärt Grönemeyer.

ARD/WDR GRÖNEMEYER - ALLES BLEIBT ANDERS, Film von Robert Bohrer, am Montag (13.04.26) um 20:15 Uhr im ERSTEN.
Sänger Herbert Grönemeyer bei Studioaufnahmen in Berlin.
© WDR/Daniel Waldhecker, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/Daniel Waldhecker" (S2+). WDR Kommunikation/Redaktion Bild, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de

Neue Einblicke gewährt die ARD-Doku „Grönemeyer - Alles bleibt anders“ nicht, trotzdem nimmt Herbert Grönemeyer selbst Zuschauende spielend für sich ein.

WDR/Daniel Waldhecker

Dass Zadek selbst in einem alten Interview trocken bemerkt, er habe Grönemeyer „nie für einen guten Schauspieler“ gehalten, entlockt dem Sänger ein helles Kichern. Er habe eben nichts darstellen wollen, erklärt die Theaterlegende mit einer gewissen Anerkennung: „Es interessiert ihn dazustehen und so zu sein, wie er ist.“ Womöglich lag darin schon das Erfolgsrezept des späteren Popstars.

Anke Engelke, Toni Kroos, Paula Hartmann - alle sind sie Fans

Dass Herbert Grönemeyer auch in der Dokumentation anlässlich seines 70. Geburtstags so ist, wie er ist, darin liegt das Pfund des Films. Sein Umgang, den er mit Kollaborateuren, Weggefährten oder Bewunderern wie Anke Engelke, Toni Kroos, Paula Hartmann und Mely Kiyak an den Tag legt, ist herrlich herzlich und wunderbar unprätentiös.

Was am Ende der 90 Minuten bleibt, ist das Bild eines Künstlers, der getrieben ist von unaufhörlicher Neugier, einem Hunger aufs Leben und der Lust an Gemeinschaft. Ob nun Musik, Schauspiel, Fußball, das Engagement gegen Rechts oder für Geflüchtete - Herbert Grönemeyer hat sich durch alle Höhen und Tiefen hindurch seine Menschlichkeit bewahrt. Und das ist wohl das größte Kunststück in diesem an Kunst so reichen Leben.

„Grönemeyer – Alles bleibt anders“ ist ab 8. April 2026 in der ARD Mediathek abrufbar und am 13. April 2026 um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.