['Handylicht'
: Herbert in Höchstform

Bei seiner „Tumult“-Tour heizt Grönemeyer mit Rock und Samba ein / Auch politische Töne
Von
Jan-Henrik Hnida
Berlin
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Auf "Tumult"-Tour: Herbert Grönemeyer – Musiker, Produzent, Schauspieler und Sänger – lieferte in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena eine mitreißende Show ab.

POP-EYE / Ben Kriemann

Herbert hat alles gegeben. Mit Latino–Rhythmen, fetzigen Klassikern und politischen Appellen zieht er am Dienstagabend die Fans in seinen Bann, als er auf seiner „Tumult“-Tour Station in seiner Wahlheimat macht.

Ein Song folgt dem nächsten, Hüften schwingen, lachen, zwischendurch an die Menschlichkeit appellieren, Altes aufleben lassen und Neues ausprobieren. Mit „Bist du da?“ steigt Grönemeyer mit einem Song seines neuen Albums "Tumult“, das am 9. November herauskam, in sein Konzert ein.

Sieben große Videobildschirme zeigen beim Folgelied die erste Strophe an: "Jeder braucht ein trautes Umfeld. Keiner wohnt für sich.“ Letzteres hebt sich — weiß auf schwarz — vom Rest des Textes ab. Schon hier klingt an, dass Grönemeyer mit seiner neuen Platte ein Statement, einen musikalischen Kontrapunkt gegen rechte Tendenzen setzen will. Doch nicht steif und mit erhobenem Zeigefinger, sondern lustvoll. „Widerstand muss Spaß machen“, wird er später in die Menge rufen. Dann wird erst einmal getanzt.

Klatschen, schunkeln oder mit geschlossenen Augen einfach nur genießen — zum Lied „Kopf hoch“ gehen die Fans voll mit. Auf die nachdenklichen Töne ist Partystimmung angesagt. Wo vorher ein großer, weißer Vollmond und die Tiefen des Weltalls auf den Leinwänden zu sehen waren, heizen die drei Gitarristen mit rockigen Klängen ein. Auf „Haltung gegen Rechts zeigen“ folgen lateinamerikanische Rhythmen, die die Bass–Boxen durch Mark und Bein gehen lassen. Mit Trommeln und Grönemeyers heiseren Jauchzern hat auch dieser neue Song gezündet. Mit einem Schuss Selbstironie, „Wunderbar“– und „Danke“-Rufen und den etwas ungelenken, aber energiegeladenen Tanzeinlagen hat der 62–Jährige die Zuhörer hinter sich.

Wohnt der Pop–König aus dem Ruhrpott schon seit 25 Jahren in der Hauptstadt – "die Berliner Luft tut mir gut“ –,  gibt er zusammen mit dem Publikum bei „Bochum“ alles. Mit seiner 40–jährigen Karriereerfahrung beherrscht er laute wie leise Stücke. Auf das rockige „Vollmond“ von 1988 — im roten Scheinwerferlicht — folgt  das aktuelle „Mein Lebensstrahlen“. Der Vollblutmusiker sitzt am Piano. Ruhig, bei blauen und lila Farben, bringt es die Fans zur Ruhe. Visuell untermalt diese zarte Stimmung eine blühende Blume als Video, die sich im Zeitraffer langsam entfaltet.

Immer wieder stellt Grönemeyer sein gesangliches Talent unter Beweis, heizt, fast grölend, ein oder singt in den höchsten Tönen. "Es ist so schön, dass es euch gibt!“ Ja, er und die Berliner sowie Brandenburger harmonieren an diesem Abend ausgesprochen gut. Ebenso scheint ihm keiner der gut gelaunten Gäste krasse Themenwechsel übel zu nehmen: „Dass Menschen auf dem Mittelmeer absaufen, ist eine Schande für uns Europäer“, ruft er. Blutrot verfärbt sich daraufhin die Arena. Mit dem Berliner Rapper BRKN singt er anschließend das deutsch–türkische Lied "Doppelherz“ — für grenzenloses Miteinander.

Klassiker wie „Alkohol“, „Mensch“ und „Halt mich“ sorgen dafür, dass auch die letzten Zuschauer vom Stuhl gerissen werden. Sphärische Saxofon–Töne und zackige Samba–Rhythmen runden das Repertoire ab. Schweißnass und im Konfettiregen sagt Grönemeyer am Ende seinen Fans „Auf Wiedersehen“.

Die Konzerte am 3./4.9. in der Berliner Waldbühne sind bereits ausverkauft.