Inselleuchten 2025 bei Bernau: Was die Besucher vom neuen Festival-Standort halten

Illuminationen auf dem Inselleuchten: Dietmar Korth und sein „kaltes Feuerwerk“ im alten Pferdestall des Gutshofs Börnicke
Michael Heider- Das Festival „Inselleuchten 2025“ fand erstmals auf dem Gutshof Börnicke bei Bernau statt.
- Rund 2000 Besucher genossen Musik, Illuminationen und artistische Darbietungen.
- Künstler wie Alexander Scheer, Andreas Dresen und The Gardener & The Tree traten auf.
- Besucher lobten die Atmosphäre, vermissten aber Rückzugsnischen und Bootsfahrten.
- Highlights: Flammenshows, „kaltes Feuerwerk“ im Pferdestall und ein romantischer Schlosspark.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Poetisch betrachtet ist der Gutshof Börnicke absolut eine Insel. Denn seien wir mal ehrlich: Eine Insel, die muss abgeschieden sein. Sie bietet im besten Fall Zuflucht und Rückzug. Und mehr als alles andere ist eine Insel doch Sinnbild für Träume, Sehnsüchte und Wünsche. Ob die betroffene Landmasse nun von Wasser umgeben ist? Vollkommen unerheblich!
Nach poetischen Definitionskriterien hat sich das „Inselleuchten an neuen Ufern“ bei Bernau seinen Namen also absolut verdient. Auch wenn Wasser eine etwas knappe Ressource am neuen Standort darstellt, seinen Zauber hat sich das Festival trotzdem bewahrt. Und schließlich haben neue Ufer einen unschlagbaren Vorteil: sie wollen erkundet werden!
An jeder Ecke verstecken sich Attraktionen
Anlass dazu bietet die Premierenausgabe des Inselleuchtens in Börnicke zur Genüge. An jeder Ecke verstecken sich kleine Attraktionen. Und immer wieder: bunt funkelnde Feen und ganz viel Illuminationszauber. Doch bevor die Nacht über dem Gutshof hereinbricht und sie ihre Magie ganz entfalten können, ist die Musik Hauptattraktion. Das Inselleuchten verstand sich seit jeher darauf, ein Festival für Augen und Ohren zu sein.
Den Soundtrack dazu liefern wohl kurierte Acts wie Me & Ms Jacobs. Die acht Musiker aus Hannover brechen an diesem Freitagabend als erste zu neuen Ufern auf. Sie bringen im besten Sinne ungenierten Eklektizismus auf die Bühne, der gekonnt zwischen Soul, Pop, Jazz und Reggae wildert. Die musikalische Brücke dazwischen ist Sängerin Lina Jacobs, die umgeben von den Klinkersteinen des alten Gutshofs die Frage beantwortet, was passiert, wenn die Stimme von Amy Winehouse auf die Bühnenpräsenz von Grace Slick trifft.
Alexander Scheer und Andreas Dresen spielen Gundermann
Dennoch, die gut 2000 Insulanerinnen und Insulaner genießen den musikalischen Auftakt im Sitzen. Erst als Alexander Scheer und Andreas Dresen mit Band Lieder von Gerhard Gundermann spielen, stehen sie alle – und kommen der Bühne so nah wie nur möglich. Wellenbrecher braucht es beim in Börnicke zum Glück nicht. „Oh mein Gott, ihr leuchtet“, kommt Scheer es da veranstaltungsbewusst über die Lippen.

Alexander Scheer (li.) und Andreas Dresen mit Band spielen auf dem Inselleuchten 2025 Lieder von Gerhard Gundermann
Michael HeiderDie Songs des liedermachenden Baggerfahrers aus dem Lausitzer Tagebau, sie reißen mit. Seine Texte, gesungen von Scheer mit rauchiger Emphase, erzeugen Kneipenfeeling auf dem Open Air. Das scheint auch dem Storch zu gefallen. Wie bestellt, schwingt er sich vom Schlot des Gutshofs bei „Engel über dem Revier“ mit breiten Schwingen in die Luft. Und bekommt für sein ausgezeichnetes Timing Applaus.
Über dem Eröffnungsabend liegt eine wohltuende Gediegenheit. Ein Gefühl irgendwo zwischen Sommer, endlich Wochenende und Walpurgisnacht. Und über allem eine Prise Feenstaub. Darunter bringen Pantomimen das Publikum zum Lachen. Akrobatinnen führen Seilkunst baumelnd von Ästen der mächtigen Bäume im Schlosspark vor. Auf dem Dach der „dicken Marie“, einem alten Feuerwehrwagen, spielt das musikalische Duo „Jazz in Boe“. Überall auf dem Gelände verstecken sich kleine Highlights.

Funkelnde Feen bevölkern das Inselleuchten 2025 bei Bernau.
Michael HeiderHochzeitstag auf dem Inselleuchten
Rita und Detlef zeigen sich davon begeistert. Für das Ehepaar aus Bernau ist es das erste Inselleuchten. Durch den Umzug nach Börnicke ist das Festival nun leicht mit dem Fahrrad für sie zu erreichen. Sie sind froh um die Fortsetzung. „Man hat immer nur Gutes gehört“, sagt Rita. „Einmalig“, kann Detlef nun urteilen. Wohl auch, weil die beiden das Inselleuchten zur Feier ihres 38. Hochzeitstages nutzen.

Feiern auf dem Inselleuchten Hochzeitstag: Detlef und Rita
Michael HeiderAls endlich die Dunkelheit die Bühne in Börnicke bereitet, entfaltet sich ein Panoptikum des herrlich Skurrilen. Nicht nur die Kreationen der Lichtpoeten um Henrik Schade erhellen die Fassaden. Auch Flammenshows bringen Licht ins Dunkel. Besonders lange Schlangen bilden sich vor dem alten Pferdestall. Dort stellt Dietmar Korth sein „kaltes Feuerwerk“ aus. Inspiriert von den Gegebenheiten vor Ort, leuchtet er die alten Kutschen und Geräte in dem langgezogenen Backstein-Bau mystisch aus. Am anderen Ende des Gutshofs wiederum genießen manche schlicht den Blick auf die illuminierten Ufer des kleinen Schlosspark-Sees.
„Es ist ein romantisches Event“
Auch unter Inselleuchten-Veteranen ist die Begeisterung groß. Manche bedauern, dass am neuen Standort keine Bootsfahrten mehr möglich sind. „Sei's drum“, wie eine Besucherin findet. „Die Stimmung und die Lichter, die sind hier die gleichen. Einfach schön.“ So sehen es auch Yvonne und Lutz, die aus Berlin nach Börnicke gekommen sind. Für das Paar ist es das zweite Inselleuchten. Gemütlich finden sie den neuen Standort, wenn auch etwas gedrängt. „In Marienwerder hatte es sich stärker verteilt, es gab mehr Bühnen“, sagt Lutz. Yvonne vermisst Nischen zum Rückzug. „Aber es ist trotzdem einfach schön hier, sie haben die Räume, die zur Verfügung waren, gut genutzt.“ Zurückkehren würden sie auch an die neuen Ufer, betont Lutz. „Es ist ein romantisches Event.“
Gut also, dass The Gardener & The Tree den Eröffnungsabend in Börnicke beschließen. Die Band aus der Schweiz versteht sich mit ihren gefühligen Indie-Folk bestens auf Töne, die direkt ins Herz treffen. Und so findet der erste Abend des Inselleuchtens 2025 nicht nur für Romantiker ein stimmiges Ende. Ein Abend, über dem Poesie lag – wie es sich für eine Insel gehört.


