In vielen Städten gibt es am Mittwoch (1. Juni) Feste oder andere Angebote für Kinder und Familien. Eine kleine Auswahl:

Zuhören, basteln, mit Sprache spielen

In Cottbus wird gleich an zwei Tagen gefeiert, und zwar mit Veranstaltungen rund um Kinderbücher. Am 1. Juni liest der Autor Ingo Schulze im Dieselkraftwerk aus seinem Kinderroman „Der Herr Augustin“ (14 Uhr). Es geht um einen vergesslichen Herrn und eine ungewöhnliche Freundschaft. Nach der Lesung bietet die Illustratorin des Buchs einen Scherenschnitt-Workshop an (Altersempfehlung für die Lesung: 4–104 Jahre, Workshop: 5–10 Jahre).
Guck mal, da oben: Kuppelfoyer vom Staatstheater Cottbus
Guck mal, da oben: Kuppelfoyer vom Staatstheater Cottbus
© Foto: Patrick Pleul
Am 2. Juni gibt es im Staatstheater (Kammerbühne) eine Lesung aus „Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel“ – ein DDR-Kinderbuchklassiker (18 Uhr). Es ist ein „Sprachbuch voll Spielsachen“, mit Rätseln und Zungenbrechern; in den Geschichten des Autors Franz Fühmann laufen die Wörter durch die Welt und tauschen miteinander die Buchstaben. Anschließend dürfen Kinder bei einem Workshop eigene Sprachspiele und Spielsprachen erfinden. Die kleine Veranstaltungsreihe, gemeinsam organisiert vom Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst und dem Staatstheater Cottbus, ist kostenlos. Infos: www.staatstheater-cottbus.de/programm/lufttreppen-kinder-und-jugendliteratur-in-der-ddr-blmk

Party!!!

Am Internationalen Kindertag lädt das FEZ in Berlin kleine und große Kinder zu einem ganzen Tag voll Spiel, Spaß und guter Laune ein. Es wird ein buntes Programm für Kinder von 5 bis 12 Jahren geboten – von Riesenrutsche über Mitmach-Zirkus und Nonsens-Olympiade bis zum großen Trampolin-Parcours. Neben spannenden Aktionen gibt es Stände zu politischen Themen und es können viele Spielplätze im Grünen erkundet werden. Von 9 bis 18 Uhr, Eintritt ab 4 Euro, An der Wuhlheide 197, Berlin-Köpenick. fez-berlin.de/veranstaltungen2022imfez-berlin/internationalerkindertag2022

Für die ganze Familie: "Hans im Glück" an den ubs.
Für die ganze Familie: „Hans im Glück“ an den ubs.
© Foto: Udo Krause

Alles auf die Bühne!

In Schwedt starten die deutsch-polnischen Theatertage mit einem Kinderfest: Geboten wird ein kinder- und familienorientiertes Theaterprogramm – umsonst!

Frankfurt (Oder)

Um 10 Uhr wird auf der Odertalbühne das Familienmusical „Hans im Glück“ in deutscher und polnischer Sprache (ab 5 Jahre) gezeigt, eine liebevolle Inszenierung nach dem berühmten Märchenklassiker. Um 13 Uhr ist eine Musiktheatervorstellung des Theaters Vorpommern (ab 4 Jahre) zu erleben: „Das kleine Ich-bin-Ich“ nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Mira Lobe und Susi Weigl begleitet das kleine Kunterbunt bei der Suche nach seinem Platz in der Welt. Bis 15 Uhr wird es zudem ein buntes Begleitprogramm mit Bastelständen, einer Hüpfburg, einem Karussell und weiteren Aktionen im Europäischen Hugenottenpark geben.
Um 17 Uhr präsentiert das Sinfonieorchester der Oper im Schloss Stettin (Großer Saal) eine bunte Mischung berühmter Filmmusik im Konzert, etwa aus „Mission Impossible“ und „Fluch der Karibik“. Der Besuch aller Veranstaltungen ist kostenfrei, eine Voranmeldung an der Theaterkasse ist erwünscht. www.theater-schwedt.de

Lieber zu Hause mit Pizza und Netflix?

Den Kindertag kann man natürlich auch selbstorganisiert begehen. Zum Beispiel, wenn sich die Familie nach Arbeit und Schule/Kita im Eiscafé trifft. Oder auch nur mit einem besonderen Pausenbrot, vielleicht dem Schildkrötenbrötchen [Rezept: www.kuechengoetter.de/rezepte/schildkroetenbroetchen-96401] . Es geht ja nicht um teure Geschenke, sondern um die Botschaft: Schön, dass es dich/euch gibt!
Oder: Die ganze Familie auf dem Sofa und gemeinsam einen Film gucken – vielleicht sogar mit Pizza? Besser geht fast gar nicht. Aber auch das normale Abendbrot (ausnahmsweise!!) mal vor dem Fernseher zu essen, macht Spaß. Zwei Filmvorschläge: „Die Unglaublichen“ – ein Pixar-Klassiker über eine Familie mit ganz besonderen Fähigkeiten. Spannend, lustig und warmherzig (gibt es zum Beispiel bei Amazon Prime). Oder – etwas flacher, aber aktueller: „Rot“ (auch Pixar, gibt es bei Netflix): Mei Lee hat es nicht leicht – ihre strenge, überfürsorgliche Mutter sitzt ihr ständig im Nacken. Und als wenn das nicht schon genug ist, verwandelt sich die 13-Jährige jedes Mal in einen roten Panda, wenn ihre Emotionen hochkochen. Ein Fluch! Locker und flauschig – Eltern und Kinder in der (Vor-)Pubertät können sich hier gemeinsam über die Probleme dieser schwierigen Zeit kaputt lachen.

Vorlesetipp: Herr Dachs und Schnecke Rakete müssen umziehen – der Beginn einer abenteuerlichen Reise.
Vorlesetipp: Herr Dachs und Schnecke Rakete müssen umziehen – der Beginn einer abenteuerlichen Reise.
© Foto: Dachs

Mal wieder vorlesen

Man könnte auch – pädagogisch wertvoll, aber genauso toll – mal wieder richtig lange vorlesen. Das macht durchaus auch vielen größeren Kindern (und Eltern) Spaß. Ein tolles neues Buch (das man vielleicht noch in der Mittagspause in der örtlichen Buchhandlung besorgen kann): „Dachs und Rakete. Ab in die Stadt“ von Jörg Isermeyer, illustriert von Kai Schüttler (ab 5, gibt es auch als E-Book zum Download). Es geht um zwei Freunde, die überstürzt umziehen müssen, um ziemlich viel Essen und darum, auch in schlimmen Situationen nicht vorschnell zu verzweifeln. Woanders muss es nicht schlechter sein, man kann neue Freunde finden und spannende Abenteuer erleben. Oder wie der Vater der Hauptfigur zu sagen pflegt: „Jeder Tag birgt tausend Pfade – die einen krumm, die andern grade.“
Aber zur Not findet sich bestimmt auch im eigenen Regal noch Lesefutter, für das bisher keine Zeit war.

Was wird da eigentlich gefeiert?

Der Kindertag – auch Weltkindertag, Internationaler Kindertag oder Internationaler Tag des Kindes – wird in über 145 Staaten der Welt begangen. Er soll auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder und speziell auf die Kinderrechte aufmerksam machen.
Es gibt kein einheitliches Datum. Gefeiert wird entweder am 1. Juni, am 20. September oder am 20. November. Beim Kindertag verläuft eine Grenze zwischen Ost und West: Die DDR führte den Internationalen Kindertag am 1. Juni nach sowjetischem Vorbild im ersten Jahr ihres Bestehens ein. Er wurde als „Kampftag für die glückliche und friedliche Zukunft aller Kinder“ verstanden. In Schulen und Kindergärten wurden Kinderfeste veranstaltet. Es gab Kinder- bzw. Pionierfeste, Veranstaltungen mit Gratulationen und kleinen Geschenken von den Eltern, Lehrern und Erziehern. In Schulen und Kindereinrichtungen wurde der Tag oft festlich gestaltet. Die BRD beging den Weltkindertag am 20. September, der Tag spielte für die meisten Menschen aber keine große Rolle.
Heute werden in Deutschland an beiden Tage Feste gefeiert, organisiert von freien Trägern der Jugendhilfe, Kinderschutzorganisationen und/oder Kommunen – meist ist die Republik dabei klar zweigeteilt: im Osten feiert man am 1. Juni, im Westen im Herbst. In Berlin wird an beiden Tagen gefeiert. Außerdem wird der 20. November von der UN als Internationaler Tag der Kinderrechte begangen.