Jack White in Berlin 2026
: So war das Konzert in der Columbiahalle

Bluesrock, Fußballhymne und Handyverbot – Jack White bietet in der ausverkauften Columbiahalle Berlin ein zeitlos grandioses Konzert.
Von
Gunnar Leue
Berlin
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Green Bay Packers v Detroit Lions: DETROIT, MICHIGAN - NOVEMBER 27: Jack White performs during the halftime show of the game between the Green Bay Packers and the Detroit Lions at Ford Field on November 27, 2025 in Detroit, Michigan.   Gregory Shamus/Getty Images/AFP (Photo by Gregory Shamus / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP)

Ein Klassiker: Jack White bietet Bluesrock vom Feinsten - nur Handys und Fotos mag er nicht. (Archivbild)

GREGORY SHAMUS/AFP
  • Jack White spielte in der ausverkauften Columbiahalle Berlin ein intensives Konzert.
  • Die Show war „Phone Free“: Handys kamen in Etuis und blieben bis zum Ende tabu.
  • Geboten wurden schwerer Bluesrock und rasante Nummern – unter anderem „Hotel Yorba“.
  • „Steady, As She Goes“ und „Love Interruption“ brachten das Publikum spürbar in Bewegung.
  • Zum Abschluss lief „Seven Nation Army“, dessen Riff als Fußballhymne weltweit bekannt ist.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Was man im Mainstream als Erstes macht, ist in gewisser Weise ein Fluch, weil alle erwarten, dass man das den Rest seines Lebens genauso weiterführt“, sagte Jack White jüngst. Worauf sich der im amerikanischen Nashville lebende Musiker konkret bezog, war nicht seine aktuelle Konzerttournee, sondern eine Ausstellung in London. Dort zeigt er – nach jahrzehntelanger Zurückhaltung – Skulpturen, Installationen und Möbelentwürfe. Schließlich war er, bevor er zum Rockstar wurde, einmal Polsterer.

Am Donnerstagabend in Berlin steht er nicht als Polsterer oder bildender Künstler im Rampenlicht, sondern als Rockmusiker. Sein lange ausverkauftes Konzert in der Columbiahalle ist schon besonders, noch bevor überhaupt der erste Ton erklingt: Die Zuschauer müssen ihre Handys für die knapp zweistündige Dauer des Gigs quasi funktionsunfähig machen.

Bei diesen sogenannten „Phone Free Shows“ werden die Geräte in verschließbaren Etuis verstaut und bleiben bis zum Konzertende tabu. Die 3500 Fans nehmen es ohne zu murren in Kauf, denn der Lohn ist offenbar: Volle Konzentration auf einen der einflussreichsten Gitarristen seiner Generation, samt seinen drei Top-Bandmitgliedern.

Liebeserklärung an die E-Gitarre

Nicht weniger als zwölf Grammy Awards hat er, der Bands wie White Stripes und Raconteurs aus der Taufe hob,  gewonnen. 2008 war er zudem die dritte Hauptfigur, neben Jimmy Page von Led Zeppelin und The Edge von U2, im Dokumentarfilm „It Might Get Loud“, einer Liebeserklärung an die E-Gitarre.

Der 50-jährige Jack White ist kein Sichzurschausteller und solche Leute mag er auch nicht. Seinen Präsidenten hat er 2024 als „schlechtesten Amerikaner aller Zeiten“ gedisst. Der Mann hat also keine Scheu vor klaren Ansagen - und seinen Hang zum Unverschnörkelten zelebriert er auch in seinem Gitarrenspiel.

Das beweist er am Donnerstag von der ersten bis zur letzten Minute. Es gab wohl in den letzten Monaten (Jahren?) kein Rockkonzert in Berlin, das so zeitlos grandios war, weil gleichzeitig modern und altmodisch. Wobei mit dem altmodischen nicht die Abwesenheit von Handys im Publikum gemeint ist, sondern die Referenz an alte Rockzeiten, konkret die der goldenen Ära der Rockmusik.

Mehrmals hatte man das Gefühl, als würde hier 70er-Jahre-Zeppelin-Rock im 2020er-Jahre-Clubrock-Gewand geboten. Der White`sche Bluesrock ist schwer und düster wie eine Gewitterwolke („Old Scratch Blues“) und rasant wie eine Sommerhusche („Hotel Yorba“). Dazu kommen Blitz-und-Donnerkracher wie „Steady, As She Goes“ und „Love Interruption“, die den Leuten den Hüpfschweiß in die T-Shirts treiben.

Jung und alt im Publikum

Nach diesem extrem körperlich spürbaren Mix gibt es augenscheinlich eine Nachfrage auch bei jüngeren Menschen, denn das Publikum ist ziemlich generationen- und auch geschlechterübergreifend. Es ist ja viel die Rede vom verweichlichten Nachwuchs, bei der Freizeitbeschäftigung Konzert ist die Lust auf verschwitzten Rock offenbar nicht verloren gegangen, selbst wenn die Dokumentation an die Freunde per Handy temporär verboten ist.

„Seven Nation Army“ beim Glastonbury Festival 2022 auf YouTube:

Ob zur Begeisterung über die Songs von Jack White auch dessen Texte beitragen, lässt sich schwer sagen. In denen geht es zwar oft um Beziehungsthemen, um Isolation, Religion und zwischenmenschliche Konflikte, aber doch eher nicht um Romantik. Auch nicht bei „Seven Nation Army“, dem letzten Song des Abends, der oft als eine Art Kampfsong verstanden wird, aber nach Auskunft von Jack White vor allem den Wunsch ausdrückt, Gerüchten und öffentlicher Aufmerksamkeit zu entfliehen.

Im kollektiven Weltgedächtnis ist er allerdings noch mal gänzlich anders abgespeichert: als Fußball-Stadion-Thema. Das markante und inzwischen megaberühmte Gitarrenriff des Songs vom 2003 erschienenen Album „Elephant“ hat längst ein Eigenleben entwickelt, das weit über die Grenzen des Rock hinausreicht. Mit jenem „Dööh, dö, dö, dö, dö, dööh“-Gesang, der dem Riff des Songs nachempfunden ist, wird seit Jahren in Fußballstadien rund um den Globus gefeiert.

Dass ausgerechnet eine amerikanische Indie-Rock-Band zur Quelle einer der bekanntesten Stadionhymnen wurde, wirkt bis heute kurios. White selbst zeigte sich darüber stets erfreut. „Es gibt nichts Schöneres, als wenn Leute eine Melodie umarmen und ihr erlauben, ins Pantheon der Volksmusik einzutreten“, sagte er einmal. In den nächsten Tagen werden wir sie sicher wieder des öfteren bei den Übertragungen von der Fußball-WM hören.