James Blunt in Berlin 2024: So war der „You’re Beautiful“-Sänger in der Mercedes-Benz Arena

Tourt mit seinem aktuellen Album „Who We Used to Be“ gerade durch Deutschland: Der britische Sänger James Blunt (hier bei einem Auftritt in der Castingshow „The Voice of Germany 2021“)
Britta Pedersen/dpaDa ist er also. Jener Mann, der als Schmacht-Pop-Phänomen in den frühen Nullerjahren wie aus dem Nichts kam. Dessen Stimme mal nach heiserer Micky Maus, mal nach jungem Paul Simon klingt. Der sofort verführt oder auf ewig vergrault: James Blunt.
Nicht allein und klatschnass wie im ikonischen Video zum Initialhit „You‘re Beautiful“, sondern mit Band und viel Selbstbewusstsein betritt Blunt am Mittwochabend (20. März) die Bühne in der Berliner Mercedes-Benz Arena. „It is fucking great to be back in Berlin“, ruft er seinem Publikum entgegen.
James Blunt legt in Berlin mit viel Energie los
Den Abend eröffnet Blunt mit „Beside You“ von seinem jüngst erschienenen Album „Who We Used to Be“ – und mit unerhörter Energie. Es mag daran liegen, dass die Strapazen seiner am Anfang stehenden Welttournee noch überschaubar sind. Aber man merkt: Dieser Mann hat enorm Bock, live zu spielen. Platz für Scherze lässt er zwischen den Songs trotzdem. Dem betretenen Schweigen auf die Ankündigung, nur jüngeres Material zu spielen, entgegnet er: „Findet euch damit ab, ich hab euer Geld schon.“
Ernst meint er das natürlich nicht. „Wiseman“, „Carry You Home“, „Goodbye My Lover“, die Setlist ist gespickt mit jenen gefühligen Songs, für die ihn seine Fans seit bald 20 Jahren verehren. Und „der Kerl mit den traurigen Liedern“, wie sich der Brite treffend selbst charakterisiert, gibt für sie alles. Seine mittlerweile 50 Jahre sind Blunt dabei nicht nur nicht anzusehen, sie sind ihm auch nicht anzuhören.
Schwindelerregend hoch oder rauchig-tief – Blunts Stimme sitzt
Nummer um Nummer singt er sich die Kehle aus dem Leib und klingt dabei auch noch unerhört gut. Das in schwindelerregend hoher Stimmlage befindliche „High“ performt er genauso treffsicher wie das rauchig-tiefe „Postcards“. Sein Status als Radio-Dauerbrenner wird dem Sänger mit derartigen Live-Qualitäten kaum gerecht.

Cover des Albums „Who We Used To Be“ von James Blunt
Atlantic RecordsJames Blunt präsentiert in Berlin Pop in Reinform. Das Bühnenbild ist reduziert, besteht nur aus Lampenschirmen und einem Videoscreen. Wohnzimmer-Feeling. Animationen werden nur sparsam, dafür treffsicher eingesetzt. Das Konzert hebt sich so wohltuend vom Trend ab, Popkonzerte zu effektsatten Riesenshows aufzublasen. Das lässt viel Raum für Blunts einnehmende Persönlichkeit. Und der hat sichtlich Spaß.
Lange Schatten eines erfolgreichen Debüts
Genau wie sein Publikum. Das scheint mit ihm gewachsen zu sein. Jedenfalls sind mehr Babyboomer als Vertreter der Generation Z in die auch vor der Bühne bestuhlte Mercedes-Benz Arena gekommen. Kein Wunder. War es doch sein bereits 2004 erschienenes Debütalbum „Back to Bedlam“, mit dem Blunt Weltruhm erlangte. Die Platte hat sich über 12 Millionen Mal verkauft.
Doch die Krux eines meteorhaften Aufstiegs aus dem Nichts ist, dass der Erfolg des Debüts lange Schatten werfen kann. In ihnen gerät das Folgende schon mal aus dem Blick. So auch bei Blunt. Dessen Single „You're Beautiful“ aus dem Sommer 2005 war ein derart unerhörter Erfolg, dass er noch zwei Jahrzehnte später in erster Linie mit ihm assoziiert wird. Kam da noch was?
Ed Sheeran weiß seinen Kollegen zu schätzen
Und ob! Das „One Brit Wonder“ (so der augenzwinkernde Titel einer neuen Doku über den Sänger) hat seither alle drei bis vier Jahre ein neues Album veröffentlicht. Sieben sind es bislang. Und viele der darauf veröffentlichten Songs waren weit mehr als nur Achtungserfolge. „Same Mistake“, „Stay the Night“, das mit dem deutschen Elektro-Pop-DJ Robin Schulz entstandene „OK“ – Blunts Berliner Setlist strotzt vor Songs, die im Autoradio-Unterbewusstsein Vieler einen festen Platz haben dürften, ohne den Briten mit ihnen in Verbindung zu bringen.
James Blunt war eben immer schon ein Stück weit Verkannter. Oft war sein schmachtender, fast kitschiger Pop Zielscheibe lustvollen Spottes. Die Musikzeitschrift NME kürte „Back to Bedlam“ 2006 gar zum „Schlechtesten Album des Jahres“. Dass seine „traurigen Lieder“ dennoch enormen Einfluss auf den modernen Pop nahmen, macht einer seiner namhaftesten Vertreter deutlich: Ed Sheeran. Für den Megastar ist Blunt nicht weniger als ein „nationaler Schatz“. Nach dem Konzert in Berlin, das mit „1973“ endet, gibt es dem nur wenig entgegenzusetzen.


