Jenny Jägerfeld
: Roman „Comedy Queen“ widmet sich dem Thema Depression

Der Roman „Comedy Queen“ der schwedischen Psychologin Jenny Jägerfeld wagt sich an die schweren Themen Depression, Trauer und Suizid.
Von
Antje Scherer
Frankfurt (Oder)
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Das Buch "Comedy Queen"

Urachhaus

Auch Punkt zwei ("Versuch gar nicht erst, dich um etwas Lebendiges zu kümmern") bis sieben ("Comedy Queen werden!") bergen Tücken, die die (fast) Zwölfjährige anfangs nicht im Blick hatte.

Die Liste, versteckt in ihrem Darth–Vader–Wecker, hat sie zusammengestellt, um zu überleben. Die Strategie dafür ist recht einfach: alles anders machen als ihre Mutter. Denn die ist tot. Sie war depressiv und hat sich das Leben genommen. „Mama ist mit ihrem Leben gescheitert. Und gestorben. Dafür gibt es eine Menge Gründe. Mein Leben soll gelingen, das habe ich mir vorgenommen.“ Sashas wichtigster Punkt: Nie weinen. Niemals. Und folgerichtig ist ihre Mission: Stand–up–Komikerin werden.

Zugegeben, der Roman „Comedy Queen“ braucht ein paar Seiten, um seinen Charme zu entfalten. Die Schwedin Jenny Jägerfeld, mit dem Astrid–Lindgren–Preis ausgezeichnet, schreibt literarisch nicht so anspruchsvoll wie zum Beispiel Kollegin Frida Nilsson; der in Ich–Form erzählte Bericht von Sasha ist recht geradeheraus. Gerade dadurch rückt einem der trotzige Kampf dieses Mädchens um einen Neuanfang aber nahe.

Der studierten Psychologin, die neben dem Schreiben in einer Praxis in Stockholm arbeitet, ist es gelungen, die schweren Themen Depression, Trauer und Suizid in eine glaubwürdige, stimmige und oftmals ziemlich witzige Geschichte zu verpacken. Ihre Heldin ist nicht nur die Sasha mit der toten Mutter, sondern auch eine starke Zwölfjährige mit einem quirligen Alltag, der trotz allem weiterläuft.

Der Roman eignet sich auch zum Einsatz im pädagogischen oder therapeutischen Umfeld: Jägerfeld erklärt etwa beiläufig, wie sich eine schwere Depression anfühlt oder was in einer Therapiestunde passiert und listet Adressen auf, wo Jugendliche sich Hilfe holen können. Und vermittelt glaubhaft die Überzeugung, dass sich Dinge verändern lassen „und man irgendwann wieder in der Lage sein wird zu lächeln.“

So ein Fall kann in jeder Klasse auftreten, weswegen es gut wäre, wenn möglichst viele Schüler die Liste mit „idiotischen Bemerkungen“ zur Kenntnis nähmen, die man nach dem Suizid der eigenen Mutter auf keinen Fall hören möchte — und Sashas warmherzige Freundin Märta, die Schokolade und ein Harry–Potter–Zitat in den Briefkasten steckt, als Gegenentwurf kennenlernen könnten. Sie habe das Buch geschrieben, weil sie „es ein wenig leichter machen wollte, über Selbstmord und psychische Krankheit zu reden“, schreibt die Autorin am Ende. „Dass wir das tun, ist nämlich von lebenswichtiger Bedeutung.“ Antje Scherer

Jenny Jägerfeld: „Comedy Queen“, Urachhaus, 247 Seiten, 17 Euro (ab 11)