Jubiläum
: Vom Wildpark zum Zoo

Seit der Wende haben Direktor Hensch und sein Team die Einrichtung komplett umgebaut. Am Samstag gibt es die Party zum 90. Geburtstag.
Von
Viola Petersson
Eberswalde
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Zoo im Wandel: Zum 90. Geburtstag hat Direktor Bernd Hensch an 15 Standorten das Früher und Heute anhand von Aufnahmen gegenübergestellt. Hier der einstige Eingang mit dem alten Kassenhäuschen.

MOZ/Thomas Burckhardt

Allein der Wandel des Namens macht die Veränderung über neun Jahrzehnte deutlich: vom Wildpark, als solcher 1929 gegründet, über den Heimattierpark und Tierpark zum heutigen Zoo. „Und irgendwann sind wir vielleicht Naturschutzzentrum“, sagt Direktor Bernd Hensch, seit 39 Jahren in der Einrichtung und seit 30 Jahren Chef. Dieses Jubiläum sei im Trubel des Alltags und der Vorbereitungen auf die Zoo-Geburtstagsparty beinahe untergegangen. Aber das sei auch nicht so wichtig, sagt Hensch, der erst der dritte Direktor (nach Bruno und Günter Schulz) in der Geschichte des Zoos ist. Was für Beständigkeit und Kontinuität spräche.

Obgleich stets ein Besuchermagnet, die Geschichte des Zoos ist eine wechselvolle. Hinter Bernd Hensch und seinem Team bzw. dessen Vorgängern liegen bewegte Jahre. Für eine Chronik habe die Zeit nie gereicht. Aber der gebürtige Eberswalder hat die wichtigsten Zahlen, Eckdaten und große Ereignisse im Kopf, sie sind gegenwärtig und für Gäste auf der Homepage nachzulesen.

Credo naturintegrierte Haltung

Seit der Wende, so erzählt er, sei die Einrichtung im Prinzip komplett umgebaut worden. Alle Gehege wurden erneuert. Anlagen, Wege, Technik. Beton, Metallzäune und -gitter etwa verschwanden, wurden durch eine moderne und zugleich naturnahe Gestaltung ersetzt. Diese Nähe zur Natur, die ist Hensch wichtig. Auch, um sich von den beiden Berliner Einrichtungen abzuheben. Der eine der bundesweit artenreichste, der andere der älteste.

„Wir brauchen kein Superlativ“, ist sich Hensch sicher. Er wolle eben mit der „naturintegrierten Haltung der Tiere“ überzeugen. Große Anlagen, Raum für Natur und Tier.  Gehege, in denen Tiger, Bär, Löwe und Co. „ihre natürliche Verhaltensweisen ausleben können, wenn auch begrenzt“. Und: „Wir bauen den Zoo für Tier und Mensch um“, fügt er hinzu. Es ginge um Artenschutz, vor allem aber auch um Umweltbildung. Ein Konzept, das aufzugehen scheint.

Immerhin zählte der Zoo Eberswalde im vorigen Jahr 290 000 Besucher, so viele wie noch nie in der Geschichte. Und für 2019 zeichnet sich ein neuer Rekord ab. Mit einem Superlativ kann der Zoo Eberswalde heute dennoch werben. 2000 war er zum schönsten kleinen Zoo Deutschlands gekürt worden.

Eine Auszeichnung, die keineswegs selbstverständlich war. Im Gegenteil. Hensch erinnert an die Wende, als Stadtväter und -politiker den Tierpark abwickeln wollten. Zu teuer, hieß es damals. Doch innerhalb einer Woche haben 25 000 Eberswalder mit ihrer Unterschrift gegen die drohende Schließung protestiert. Gegen dieses starke Votum für den Erhalt war die Rathausspitze machtlos. Was freilich noch nicht die finanziellen Sorgen löste. Hensch machte sich auf die Suche nach Partnern, nach Sponsoren. Unternehmen halfen. Ein Förderverein wurde gegründet. Später hob der umtriebige Direktor die Tigerradtour aus der Taufe, die gerade ihre 15. Auflage erlebte. Von den Erlösen profitiert natürlich nicht nur der Tiger.

Nach dem Fest rücken Firmen an

Inclusive Jungtieren zählt der Zoo heute um die 1600 Tiere in 138 Arten. Zu den größten Vierbeinern gehören Wisent und Braunbär, die kleinsten sind die Ameisen und Bienen, die seltensten die Schopfgibbons. Und Ausreißer? Klar, die habe es auch gegeben. „Da könnte ich dutzende Geschichten erzählen“, meint der promovierte Biologe in seiner ganz eigenen Art. Am Ende gibt er nur eine zum Besten: Zu DDR-Zeiten seien etwa 30 junge und 30 alte Perlhühner ausgebüxt, seien einfach am Eingang vorbei in Richtung Krankenhaus marschiert. Wo die Ankömmlinge natürlich für Aufregung und Erheiterung sorgten. Hensch konnte alle einfangen, bis auf ein Perlhuhn. Das habe dann, versteckt, seinen Lebensabend an der Breitscheid-Straße verbracht.

Doch zurück zur Gegenwart und zur Zukunft. Es werde weiter  gebaut. Nach dem Zoofest am Samstag ginge es sofort mit dem Urwaldhaus weiter. Es folgen der Indoor-Spielplatz in der Gaststätte „Brauner Bär“ sowie 2020 die Gletscherlandschaft über dem Bären-/Wolfsgehege. In sechs Metern Höhe. Infrage stelle heute niemand mehr den Zoo. Doch: Die Herausforderungen bleiben.

Großes Zoofest am Sonnabend mit Dagmar Frederic

13 Uhr Eröffnung am Urwaldhaus durch Direktor Bernd Hensch mit tierischer Begrüßung 13.30 Uhr Auftritt Dagmar Frederic14 Uhr Kinderprogramm mit Clownin Olivia14.30 Uhr Live-Musik mit der Gruppe Roof Garden15 Uhr Tiertaufe und Anschnitt der Geburtstagstorte15.30 Uhr Auftritt Dagmar Frederic16.30 Uhr Kinderprogramm mit Zauberei und Jonglage17 bis 21 Uhr Live-Musik mit Roof Gardenaußerdem: Aktionen an der Meerschweinchenanlage (Blasrohrschießen, Schach mit SV Motor), am Springbrunnen (u. a. Fußballtorwand und Riesendart mit KSB) und in der Zooschule⇥red