Kacken an der Havel
: Für Brandenburg ist Netflix-Serie wenig schmeichelhaft

Die neue Netflix-Serie „Kacken an der Havel“ startet. Das Bild, das sie von Brandenburg zeichnet, ist wenig schmeichelhaft. Gedreht wurde in Oberhavel und der Uckermark.
Von
Christina Pekel
Frankfurt (Oder)
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Kacken an der Havel, Courtesy of Netflix © 2024

Formal Bürgermeisterin, faktisch Kleinstadt-Diktator: In der Netflix-Serie steht die Kleinstadt Kacken an der Havel in Brandenburg unter der Knute von Veronica Ferres (M.)

Anika Molnár / Netflix
  • Netflix-Serie „Kacken an der Havel“ startet am 26. Februar 2026 mit neun Folgen.
  • Handlung: Rapper Toni kehrt nach Brandenburg zurück, erfährt von 13-jährigem Sohn.
  • Bürgermeisterin Ferres herrscht streng; Dorf ohne ÖPNV, skurrile Einwohner.
  • Drehorte: vor allem Polen; auch Kremmen, Schwante, Neuruppin, Klein Ziethen, Uckermark.
  • Ton: derb-humorig, viele Gags; nicht alle zünden, dennoch unterhaltsam.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Selten gab es wohl so eine Resonanz auf eine Netflix-Ankündigung wie 2024, als der Streaming-Gigant den Drehstart der Serie „Kacken an der Havel“ vermeldete. Besonders der  Titel der Produktion – der auf den Schauplatz der Handlung, ein Brandenburger Dorf – anspielt, sorgte bei Kommentatoren für Unmut. Sollte hier etwa das Bundesland in ein schlechtes Licht gerückt werden?

Diese Frage kann jetzt beantwortet werden. Am Donnerstag, den 26. Februar 2026, startet „Kacken an der Havel“ mit neun halbstündigen Folgen auf Netflix. Zu sehen sind dabei unter anderem Anton Schneider alias Rapper Fatoni, „Kacken“-Drehbuchautor Dimitrij Schaad sowie Veronica Ferres.

Also: Welches Bild von Brandenburg wird gezeichnet? Und was erwartet die Zuschauer? Wir haben vorab einen ersten Blick auf die Folgen geworfen.

„Kacken an der Havel“ dreht sich um Toni Fleischer (Fatoni). Der träumt von einer großen Karriere als Rapper, fristet sein Dasein bisher allerdings als Pizzabäcker in Berlin. Doch dann stirbt seine Mutter bei dem Versuch, eine Ente zu retten. Toni kehrt für die Beerdigung zurück in seinen brandenburgischen Heimatort Kacken an der Havel. Das Dorf im Niemandsland steht unter der Knute von Bürgermeisterin Ferres und hat allerhand merkwürdige Dorfbewohner zu bieten.

Kacken an der Havel, Courtesy of Netflix © 2024

Geht auf Netflix an den Start: In der Serie „Kacken an der Havel“ verschlägt es Rapper Fatoni nach Brandenburg. Welches Bild die Produktion von der Region zeichnet.

Anika Molnár / Netflix

Noch während er in der Heimat weilt, erreicht Toni eine frohe Kunde: Ein Label winkt mit einem Plattenvertrag. Dafür muss Toni jedoch zurück nach Berlin und einen Hit schreiben. Was einfach klingt, wird zur Herausforderung. Denn in Kacken erfährt der Rapper, dass er der Vater des 13-jährigen Charly (Sky Arndt) ist. Zudem schmiedet Bürgermeisterin Ferres einen bösen Plan, um sich den Hof der Fleischers unter den Nagel zu reißen …

Die Netflix-Serie wurde in Polen und Brandenburg gedreht

Wieviel ‚echtes‘ Brandenburg steckt in der Netflix-Produktion? Tatsächlich wurde der Großteil der Serie in Polen abgedreht. Als Veronica Ferres‘ Amtssitz fungiert etwa das Rathaus im niederschlesischen Lubomierz. Deutlich erkennbar sind zudem die markante Aula des Lyceum Ogólnokształcąca in Jelenia Góra und die Brücke über den Jezioro Złotnickie bei Karłowice.

Dennoch folgt „Kacken an der Havel“ nicht dem Negativbeispiel der ARD-Serie „Oderbruch“, die trotz ihres vielsagenden Titels komplett auf Drehorte in Brandenburg verzichtete. Besonders prominent wurde beispielsweise im Oktober 2024 in Kremmen (Oberhavel) auf dem Marktplatz und in der Altstadt gedreht. Vor die Kamera gerieten zudem Schwante (Oberhavel), Neuruppin und das Dorf Klein Ziethen (Barnim). Einige Szenen wurden außerdem in der Uckermark produziert – genauer: in der Nordwestuckermark sowie in Pinnow bei Gerswalde.

Kacken an der Havel, Courtesy of Netflix © 2024

Erfand und produzierte zusammen mit seinem Bruder Alex die Netflix-Serie „Kacken an der Havel“: Dimitrij Schaad (r., mit Newcomer Sky Arndt)

Anika Molnár / Netflix

Einige werden vielleicht sogar das Stück Hauptstadt im Kackener Stadtbild erkennen. Beim Theater handelt es sich in Wahrheit um das Kino L’Aiglon in Berlin-Wedding. Der Bau aus den 1950er-Jahren, ein ehemaliges Kulturhaus der französischen Streitkräfte, wird seit 1994 nicht mehr als Kino genutzt – genau richtig für das Szenenbild in „Kacken an der Havel“.

So zeigt die Serie eine Brandenburger Kleinstadt, die ziemlich aus der Zeit gefallen wirkt – und das nicht nur, weil Ferres als Bürgermeisterin einen eigenen kleinen Führerkult betreibt. Überhaupt werden so einige Spitzen verteilt: So führt nur eine einzige Straße aus Kacken nach Berlin, ÖPNV ist überhaupt nicht vorhanden. Sparzwänge führen dazu, dass die einzige Polizistin der Stadt ihr Büro in einem Nagelsalon hat.

YouTube-Video: Trailer zur Netflix-Serie „Kacken an der Havel“

Und die Menschen? Die erzählen sich noch heute, wer mit wem vor fünfzehn Jahren ein Stelldichein im Cabrio hatte. Und manchmal stellt sich nach einem ersten Kuss sogar heraus, dass man miteinander verwandt ist.

Andererseits: Wenn Serienerfinder Dimitrij Schaad die Serie auf eine Begegnung mit einem „uralten betrunkenen Schweden in einem Traktor“ zurückführt und die Produktion als „arthousigen Nischentitel“ bewirbt, sollte klar sein, dass die Produktion nicht allzu ernst genommen werden sollte. Gags werden am laufenden Band geliefert und gehen auch mal unter die Gürtellinie. Das mag mit der Zeit ermüdend wirken, zumal nicht alle Witze am Ende unbedingt zünden. Doch wer sich darauf einlässt, wird seinen Spaß an der schrägen Geschichte haben – auch, wenn das Heimat-Bundesland nicht im besten Licht dargestellt wird.

„Kacken an der Havel“, ab 26. Februar 2026 auf Netflix