Kalit-Festival 2025: Konzert, Märchen, Romantik– was Schloss Friedenfelde bot

Großer Andrang bei bestem Wetter beim Kalit-Festival 2025 auf Schloss Friedenfelde in der Uckermark. Auch Tatortkommissarin Eva Mattes ist dabei. Aus welchem Werk sie las.
Charly Schwarz- Kalit-Festival 2025 begeistert auf Schloss Friedenfelde in der Uckermark mit Musik, Lesungen und Märchen.
- Höhepunkt: Reginald Mobley und die lautten compagney in einer Maschinenhalle mit 300 Gästen.
- Wandelkonzert mit acht Stationen und Lesungen von Claudia Rankine und Eva Mattes fasziniert Besucher.
- DEFA-Märchenfilm und Kammermusik im Gutshaus sorgen für nostalgische und musikalische Erlebnisse.
- Festival erhält großen Zuspruch – Planungen für 2026 sind bereits in Aussicht gestellt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer beim Kalit-Festival auf Schloss Friedenfelde dabei gewesen ist, den kann es nicht verwundern, dass viele kulturverwöhnte Großstädter den Umzug in die Uckermark nicht scheuen. Dazu hatten Annedore Streyl als Gutsherrin, der Förderverein „Gesellschaft der Musikfreunde Friedenfelde“ und ein engagiertes, vielköpfiges Team offenbar auch einen Vertrag mit den Wettergöttern gemacht. Bei allerschönstem Sonnenschein gaben sich hochkarätige und preisgekrönte Künstler zum Thema „Coming Home/Rattenzuhausbeiuns“ die Ehre und waren gleichzeitig nahbar wie sonst selten.
Sowohl drinnen im gediegen sanierten Gutshaus als auch draußen in der weitläufigen Parkanlage stimmte das Ambiente. In dieser einladenden Kulisse fanden am Wochenende Konzerte und Lesungen statt, die die Gäste in sehr verschiedene Welten entführten.
Leere Stühle suchte man vergeblich. Aufmerksam und interessiert folgten die Zuhörer am Samstag den Lesungen von Claudia Rankine und Eva Mattes. Erstere fand ausschließlich in Englisch statt, weil es für dieses neueste literarische Werk „Triage“, das erst 2026 erscheint, noch keine Übersetzung gibt.
Eva Mattes las aus „Gritta von Rattenzuhausbeiuns“ von Bettina von Arnim. Die sehr positive Resonanz des Publikums und die eigene Begeisterung für diese lyrische Romantikerin ließen erste Gedanken zu einem eigenständigen Programm aufkommen, konnte man am Sonntag im Gespräch mit Eva Mattes erfahren.

Höhepunkt auf Schloss Friedenfelde: der Auftritt des Countertenors Reginald Mobley mit der lautten Compagney in der Maschinenhalle.
Charly SchwarzDie musikalischen Genüsse des Tages durch das Ensemble der lautten compagney Berlin und Kalit, dem Jungen Ensemble für Alte Musik Brandenburg, fanden am Abend in der Maschinenhalle in Neudorf ihren absoluten Höhepunkt. Aus Platzgründen war diese Location erstmals gewählt worden und die Veranstalter bewiesen abermals eine gute Hand. Die knapp 300 Besucher erlebten hier ein grandioses Konzert im Zusammenwirken der Musiker der lautten compagney mit dem Countertenor Reginald Mobley aus den USA.
Wer hätte gedacht, wie gut geeignet die Akustik einer alten Maschinenhalle für ein derartiges Konzert ist? Als durch die geöffnete Hallentür mit Blick in die wundervolle weite Landschaft der Uckermark der Sonnenuntergang sein goldenes Licht auf die Musiker legte, war dies einfach der perfekte Moment. Die Gäste dankten für den akustischen Genuss mit einem weit angelegten Repertoire von Händel-Arien bis zu Afro-American Spirutuals mit stehenden Ovationen.
Spaziergang vom Gutshaus zur Maschinenhalle in Neudorf
Der 1,5 Kilometer lange Weg vom Gutshaus in die Maschinenhalle Neudorf, den man natürlich auch mit dem Auto zurücklegen konnte, wurde von vielen im abendlichen Sonnenschein auch als Spaziergang genutzt, um nach langem Sitzen die Beine zu vertreten.
In der Dunkelheit am Ende des Konzertes gestaltete sich der Rückweg auf dem teilweise unbeleuchteten Terrain in Erinnerung an längst vergangene Nachtwanderungen etwas abenteuerlich. Das anschließende Beisammensein im Gutspark an langen, gedeckten Tafeln im Kerzenschein bei anregenden Gesprächen war ein guter Anlass, den schönen Tag gemeinsam Revue passieren zu lassen.

Kammermusik in Grünen in Neudorf: Eva Mattes (r.) liest aus Werken von Bettina von Arnim, Musiker der lautten compagney begleiten.
Charly SchwarzDer zweite Tag dieses wunderbaren Festivals wurde um 11 Uhr eingeläutet. Wolfgang Katschner als ein sehr unterhaltsamer Moderator mit charmantem Witz tat die Vier-Gruppen-Planung, für das bevorstehende fast dreistündige Wandelkonzert kund und verwies mit strengem Blick auf unbedingte Einhaltung des Zeitplans, damit das Konzept auch aufgehe.
Annedore Streyl sowie drei Damen aus dem Helferteam übernahmen jeweils eine Gruppe von Gästen, die von ihnen dann von Spielpunkt zu Spielpunkt geleitet wurde. Ganze acht Stationen umfasste das Wandelkonzert. Die Spielpunkte befanden sich sowohl im Gutshaus als auch weitläufig auf dem Parkgelände verteilt. Da war auch Kondition gefragt.
Die dreifache Womenpower des Quillo-Ensembles spielte modern interpretierte zeitgenössische Stücke inmitten der Natur auf ihrer mobilen Bühne. Claudia Rankine und Christian Filips lasen vor dem Bergbauernhaus, abwechselnd in Englisch und Deutsch, aus „Just us: An American conversation“, Filips‘ Übersetzung war von ihm extra dafür angefertigt.
Eva Mattes las, gesäumt von lebendigen Lavendelbüschen, am Giebel des Kavaliershauses aus Werken von Bettina von Arnim. Beide Lesungen wurden passend und sehr unterhaltsam von Musikern der lautten compagney Berlin begleitet. Wann vorher hörte man eine Nachtigall so wundervoll interpretiert?

Countertenor Reginald Mobley und Wolfgang Katschner (Laute) bieten Songs von John Dowland und Henry Purcell auf dem Kalit-Festival 2025.
Charly SchwarzAn der Grenze zwischen Park und freiem Feld luden Mobley und Katschner (Laute) zu Songs von John Dowland und Henry Purcell. Niemand wollte weiterwandeln nach diesem Hörgenuss, der alle in seinen Bann zog.
Ausschnitte aus DEFA-Märchenfilm im Schloss Friedenfelde
Doch es ging weiter, nun im Gutshaus: im Dachgeschoss wurde durch ein Ensemble der lautten compagney Kammermusik geboten, im Esszimmer im Erdgeschoss machte ein Ausschnitt aus dem DEFA-Märchenfilm „Gritta von Rattenzuhausbeiuns“ aus dem Jahre 1985 Lust darauf, den gesamten Film zu schauen. „Lieder aus den Schlössern der Arnims“ war Thema des Konzertes im Musikzimmer des Gutshauses.
Frieda Jolande Barck sang sehr gefühlvoll, begleitet von Daniel Trumbull auf dem Cembalo. Lediglich Trumbulls kleine Tochter sehnte das Ende des Konzertes herbei, um am Schluss endlich neben ihm im Gras zu sitzen und dem Bläsertrio vom Balkon zu lauschen, das den Abschluss dieses Festivals einläutete.
Das künstlerische Konzept um Christian Filips und Wolfgang Katschner ist aufgegangen, das war ihnen am Sonntagnachmittag ins Gesicht geschrieben. Die zahlreichen, zumeist angereisten Gäste sparten nicht mit Applaus und Lobesworten. Ein nächstes Mal, wie von allen Besuchern lautstark gewünscht, ist angedacht, auch ein Thema bereits avisiert, auch wenn es noch nicht verraten wurde. Großer Dank ging an alle Helfer und Förderer sowie das Land Brandenburg und den Landkreis Uckermark für die händische, logistische, organisatorische und finanzielle Unterstützung in der großen Hoffnung auf KALIT26.



