Kim Wilde in Berlin 2025
: Die Frau der vielen Comebacks kommt in die Columbiahalle

Kim Wilde rückt mit der „Closer Tour“ auch in Berlin ihr 1988er-Album „Close“ wieder in den Fokus. Warum Songs wie „You Came“ und „Hey Mr. Heartache“ heute noch interessant sind.
Von
Boris Kruse
Berlin
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HANDOUT - Das undatierte Handout zeigt die britische Sängerin Kim Wilde. +++ dpa-Bildfunk +++

Das undatierte Foto zeigt die britische Sängerin Kim Wilde. Die Sängerin wird auf ihrer „Close Tour 2025“ auch in Berlin haltmachen.

picture alliance/dpa/Cherry Red

Irgendwann besinnen sich die meisten Stars auf ihre größten Erfolge der Vergangenheit zurück und legen mit Neuveröffentlichungen, Neuinterpretationen und Jubiläums-Tourneen nach. Keine Schande, wenn man den Geist einer Zeit so überzeugend in Popmusik gebannt hat wie Kim Wilde die 1980er-Jahre. „Kids In America“ und „Chequered Love“, „Cambodia“ und „You Came“, „You Keep Me Hangin' On“ und viele mehr - die britische Sängerin hat dem Jahrzehnt definitiv einen Stempel aufgedrückt.

Derzeit rückt Kim Wilde ihren Album-Klassiker „Close“ aus dem Jahre 1988 wieder in den Fokus. Es gibt eine erweiterte Neuveröffentlichung mit dem Titel „Closer“ und auch eine ausgedehnte Tournee. Wenige Tage nach ihrem 65. Geburtstag (am 18. November) gastiert die Londonerin damit in der Berliner Columbiahalle.

Ihren Trademark-Sound hat Kim Wilde über 45 Jahre immer wieder aufgefrischt und verändert, geblieben sind die Grundzutaten: catchy Melodien, eine drahtig-schlanke Rhythmusgruppe und eine Liebe für punkige, manchmal rockige Energie. Dabei ist sie ihren musikalischen Wurzeln wohl auch deshalb so treu geblieben, weil ihre Karriere als Familienunternehmen begonnen hatte. Kim Smith, wie die Sängerin mit bürgerlichem Namen heißt, wurde stets von ihrem Vater, dem englischen Rock `n`Roll-Sänger Marty Wilde, und ihrem jüngeren Bruder Ricky Wilde unterstützt. Den Künstlernamen Wilde hatten beide Geschwister vom Vater übernommen.

Kim Wilde: Erstes Comeback mit gerade einmal 28 Jahren

Rückschläge gab es in der Karriere von Kim Wilde auch einige, zumindest in kommerzieller Hinsicht. In späteren Jahren arbeitete Wilde zeitweise als Fernsehmoderatorin, die mit ihrer privaten Leidenschaft für das Gärtnern in entsprechenden TV-Formaten vor der Kamera stand.

Ihr Album „Close“ fiel im Jahre 1988 in die Zeit des ersten großen Comebacks von Kim Wilde, die damals doch erst 28 Jahre alt war. Denn nachdem sie 1981 mit „Kids In America“ schlagartig berühmt geworden war, griffen die Mechanismen der Musikindustrie allzu unbarmherzig zu: In der Zeit danach sollte sie Jahr für Jahr ein neues Album abliefern. Bei diesem Pensum blieb es nicht aus, dass die musikalische Suppe immer dünner wurde. Das zweite Album, „Select“ von 1982, konnte mit den Hits „Cambodia“ und „View From A Bridge“ noch beinahe an ihr Debüt anknüpfen, danach ging es allerdings langsam und stetig bergab. 1987 hatte sie dann aber mit ihrem Cover des Supremes-Songs „You Keep Me Hangin' On“ wieder einen Riesenhit.

Wichtiger Input von Vater Marty und Bruder Ricky Wilde

Auf „Close“ hat Kim Wilde sich von unguten Erwartungen emanzipiert. Das Album ist weniger im Wave-Pop-Klanguniversum der frühen 1980er-Jahre verwurzelt, sondern repräsentiert einen erwachseneren Blick auf die Ausdrucksmittel der Popmusik. Mittlerweile war sie auch als Songschreiberin so weit gereift, dass erstmals der Großteil der Lieder aus ihrer eigenen Feder kam, wobei Vater Marty und Bruder Ricky immer noch einen wichtigen Anteil hatten - sowohl am kreativen Prozess als auch an der Produktion. Und die Arbeit hatte sich gelohnt: Wenngleich „Close“ in den USA unterging, kletterte das Album in vielen Ländern Europas hoch in die Charts.

Die deutschen Pop-Ikonen Nena (l.) und Kim Wilde singen bei ihrem gemeinsamen Auftritt am Samstag (17.05.2003) in Freiburg bei der ARD-Live-Sendung "Verstehen Sie Spass" den Song "Anyplace, anywhere, anytime", eine englische Version von Nenas "Irgendwie, irgendwo, Irgendwann".

Die deutsche Pop-Ikone Nena (l.) und Kim Wilde singen bei ihrem gemeinsamen Auftritt am 17. Mai 2003 in Freiburg bei der ARD-Live-Sendung "Verstehen Sie Spaß?" den Song "Anyplace, anywhere, anytime", eine englische Version von Nenas "Irgendwie, irgendwo, Irgendwann".

Rolf Haid/dpa

Die Songs von „Close“ sind auf der laufenden „Closer Tour“ erwartungsgemäß stark vertreten - die überwiegende Mehrheit der zehn Songs wird auf jedem Konzert gespielt, wie der Blick auf Setlists zurückliegender Abende zeigt. Gleich zum Auftakt legen Kim Wilde und ihre Band allabendlich mit „Hey Mr. Heartache“, „You Came“ und „Never Trust A Stranger“ von dem 1988er-Langspieler das Fundament für einen nostalgischen Abend. Aber im Laufe des Abends sind auch alle anderen ganz großen Hits aus allen Stationen ihrer Karriere zu hören - bis hin zu „Anyplace, Anywhere, Anytime“, einem Cover des Nena-Songs „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“, den sie im Jahre 2003 auch mit der Kollegin aus Deutschland als Duett eingesungen hat.

Gefeiert bei Auftritten in Frankfurt (Oder)

Seither hatte Kim Wilde viele Auftritte in Deutschland und auch in der Region Berlin-Brandenburg. 2010 etwa war sie zu Gast beim Stadtfest „Bunter Hering“ in Frankfurt (Oder). Der Auftritt wurde von den Brandenburgern derart gut aufgenommen, dass sie dreieinhalb Jahre später gleich noch einmal kam: diesmal mit einem akustischen Mini-Set aus Weihnachtsliedern, die sie auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt spielte. Damals hatte sie gerade ihr Weihnachtsalbum „Wilde Winter Songbook“ veröffentlicht, auf dem Klassiker wie „Let It Snow“ und „Rockin' Around The Christmas Tree“, aber auch einige Eigenkompositionen zu hören sind.

Fast genau zwölf Jahre später wäre es schon wieder an der Zeit, das eine oder andere Weihnachtslied auszupacken. Auf der aktuellen Tour stehen jedoch eher die poppigen und rockigen Seiten von Kim Wildes Repertoire auf dem Programm. Aber wer weiß, vielleicht besinnt sie sich in der Berliner Columbiahalle ja doch spontan auf den einen oder anderen Weihnachtsklassiker.

Kim Wilde: „Closer Tour 2025“, Dienstag, 25. November, Beginn um 20 Uhr in der Columbiahalle, Columbiadamm 13-21, 10965 Berlin, verbleibende Tickets zum Preis von 62,40 Euro zum Beispiel auf www.eventim.de