Jetzt legt die Berlinerin "Freddie und die Bändigung des Bösen" vor, das sich wieder um Familien in der Hauptstadt dreht. Nur dieses Mal für junge Leser; es ist bereits Stellings zweites Kinderbuch.
Im Mittelpunkt steht Freddie: elf, nachdenklich, nett und der beste Freund von Mattis. In der Außenwahrnehmung scheint Letzteres seine Haupteigenschaft zu sein. Er ist quasi pausenlos an Mattis Seite, um das Schlimmste zu verhindern. Denn wenn dem Klassenkamerad langweilig wird oder ihm jemand in die Quere kommt, explodiert er.
Als Buch für soziologisch interessierte Erwachsene liest sich das okay. Stelling hat selbst drei Kinder und ist eine gute Beobachterin; ihre Beschreibungen von heutigem Kinderalltag – im Klassenzimmer, auf dem Schulhof, zu Hause – sind treffend und erhellend. Wie schwer es ist, einen zwölften Geburtstag zu feiern etwa, weil ein Kindergeburtstag uncool ist, aber eine richtige Disco noch nicht geht. Zum Trampolinspringen, das wäre okay, ist aber – zumindest im Fall von Freddie – zu teuer.
Stelling ist zwar nicht ganz so wütend wie in den "Schäfchen", aber ihr Zeigefinger ist trotzdem überdeutlich – und das dürfte gerade die Zielgruppe abschrecken. Vor allem aber kriegt sie es – anders als etwa Kollegin Frida Nilsson – nicht hin, eine literarische Form für die starken Beobachtungen zu finden. Es fehlt eine packende Geschichte, die einen am Ball bleiben lässt; und die Vielzahl der Konflikte, die sie aufmacht, bildet einen schwer konsumierbaren Klumpen. Dazu kommt eine allwissende Erzählerstimme, die ständig ihren Senf dazugibt. All das wirkt ziemlich von oben herab – wer mit Kindern zu tun hat, weiß, dass sie das hassen wie die Pest.
Schade eigentlich, denn mit diesem gestressten Freddie, der wirklich versucht, ein guter Freund zu sein, halbwegs mit Lehrern und Eltern auszukommen und sich trotzdem selbst treu zu bleiben, könnten sich Gleichaltrige durchaus identifizieren.