Kinostart: Christopher Nolans „Tenet“ ist ein anstrengendes Filmkunstwerk

Stylish: Elizabeth Debicki und John David Washington in "Tenet"
Warner Bros./dpaEin Hollywood–Hoffnungsträger aber bleibt: „Tenet“. Zwar wurde auch der Start–Termin von Christopher Nolans elftem Spielfilm ein ums andere Mal verlegt. Nun aber ist es tatsächlich so weit: In Deutschland und anderen Ländern startet der wie kaum ein anderes großes Werk in diesem außergewöhnlichen Kino–Sommer erwartete Film endlich.
Die Zukunft steht auf dem Spiel
Es geht, so heißt es in der ersten halben Stunde, ums „Überleben Aller“ in diesem zu jeder Minute beindruckenden, herausfordernden und durchaus anstrengenden Filmkunstwerk. Das Überleben der Menschheit liegt in der Hand des jungen US–Schauspielers John David Washington. Der Sohn von Denzel Washington spielt im Film einen namenlosen Agenten ("der Protagonist").
Es geht in „Tenet“ aber auch, und das macht ihn so spannend und herausfordernd, um Fragen wie diese: Was ist, wenn beim Rennen der Gegenwind plötzlich von hinten kommt? Wie kann es sein, dass jemand bei einer Benzinexplosion keine Verbrennungen, sondern eine Unterkühlung davonträgt? Paradoxien wie diese sind es, die die Faszination von „Tenet“ ausmachen.
An einem Schießstand etwa muss der Protagonist, der sich anfänglich bei einem Terrorangriff auf die Kiewer Oper als tougher Agent hat bewähren können, lernen, dass Kugeln keineswegs immer nur in eine Richtung fliegen, sondern sich auch gern mal ihren Weg zurückbahnen in den Pistolenlauf. „Mich überrascht nichts mehr!“, heißt es irgendwann aus dem Mund der Hauptfigur. Die ist bei ihrem Kampf für die Menschheit aber nicht ganz allein: Als Nebenheld wird ihr Robert Pattinson an die Seite gestellt.
Schon vor zehn Jahren hat uns Mastermind Nolan ("The Dark Knight") mit seinem, von Traumebene zu Traumebene hüpfenden, mit Leonardo DiCaprio besetzten Rätselwerk „Inception“ manches Gehirnareal verknotet. Diesmal ist es ganz ähnlich: Lässt man sich ein auf die Prämissen des Films ("invertierte“ Pistolenkugeln, gegeneinander laufende Zeitstränge, Angriffe aus der Zukunft), dann macht das Leinwandgeschehen viel Spaß, fordert Intellekt und Augengenauigkeit. Nicht jede Kinogängerin freilich, nicht jeder Leinwandfreund wird sich auf die – nur behauptete? – Komplexität einlassen wollen.
Allen Skeptikern aber sei gesagt, dass „Tenet“ auch auf anderen Ebenen funktioniert: Auch wer nichts anzufangen weiß mit „temporalen Zangenbewegungen“, wird einräumen müssen, dass man selten im Kino derart gut gekleidete Menschen zu sehen bekommt. Die exquisiten Anzüge des Protagonisten etwa. Seine, fast wie bei einer Haute–Couture–Schau abwechselnd getragenen, streng geknöpften Poloshirts in diversen Farbtönen. Ebenso die tollen Kleider der ebenfalls mitspielenden Elizabeth Debicki.
Vollendet ist auch die begleitende Musik: mal hämmernd und pochend, mal sägend, das ohnehin schon strapazierte Hirn noch zusätzlich malträtierend. Der Score stammt vom Oscar–prämierten Schweden Ludwig Göransson ("Black Panther"). Die Besetzungsliste glänzt mit Nolan–Favoriten: Michael Caine (der Butler in Nolans Batman–Trilogie) hat einen distinguierten Kurzauftritt als Informant. Kenneth Branagh, der auch in Nolans „Dunkirk“ spielt, ist grandios als russischer Waffenhändler.
TenetGroßbritannien/USA 2019, 150 Min.., FSK 12, von Christopher Nolan, mit John David Washington, Robert Pattinson, Elizabeth Debicki.