Klassiker: Berlinale – tschechischer Film über den Holocaust

"Daleka Cesta" war 1949 ein früher Versuch, Theresienstadt im Film zu zeigen. Ein Klassiker über den Holocaust, mit Otomar Krejča und Blanka Waleská
Narodni filmovy archiv PragMit dem Schwarzweißfilm „Der weite Weg“ ("Daleká cesta") bringt die Reihe „Berlinale Classics“ die erste filmische Reflektion der Shoa in der damaligen Tschechoslowakei auf die Leinwand – in restaurierter Fassung. Bis heute gilt der bereits drei Jahre nach Kriegsende gedrehte Film als „die Holocaust-Produktion“ der ehemaligen CSSR – auch dank ihrer ungewöhnlichen Erzählstruktur: Da ist einerseits die dramatische Mischehe zwischen den beiden Ärzten, dann das grotesk dargestellte Lagerleben in Theresienstadt.
Außerdem immer wieder Dokumentarfilmstückchen wie beispielsweise aus Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“. Sie verbinden bestimmte Teile des Filmes: Gleich zu Beginn werden so unterschiedliche Propaganda-Reden mit Schauspielszenen, die das Gegenteil vom Gesagten darstellen, konterkariert.
Absurditäten und Widersprüche kennzeichnen Alfred Radoks beeindruckende Darstellung des Alptraumes. Das verwundert kaum, hatte sich der Regisseur doch schon zuvor als expressionistischer Theatermacher und Autor einen Namen gemacht. Er selbst war zur Hälfte Jude und hatte einen Großteil seiner Familie in den Konzentrationslagern der Nazis verloren. So wurde sein Vater in Theresienstadt gefoltert und ermordet – wenig später drehte der Sohn dort diesen Film.
Sehenswert ist „Der Weite Weg“ auch, weil er künstlerische Betrachtung, Faktendokumentation und Spielfilm in einem ist. Inspiriert von Orson Welles „Citizen Kane“ hat Alfred Radok mit seinem Film vielen noch tiefgründigeren Filmen zum Holocaust den Weg bereitet, indem er diesen Völkermord selbst als Grauen aber auch als Tragödie der Menschheit entlarvt.
„Daleka Cesta“: Berlinale Classics, 28.2. 14.30 Uhr Cinemaxx 8