"Als ich fortging" ist ein Song von Karussell, ein Ost-Hit von 1987, den Sänger und Komponist Dirk Michaelis 1989 im Palast der Republik vortrug und später bei den Wiedervereinigungsjubiläen am Brandenburger Tor. Die Geschichte machte das Liebeslied zu einem Abschiedssong von einem untergehenden Land: "Nichts ist von Dauer, wenn’s keiner recht will. Auch die Trauer wird da sein, schwach und klein."
Doch dann begann das Konzert des Duos Capriccio auf der Burg Beeskow mit den Beatles: "All my lovin’", begleitet mit Gitarre und Rassell – und von Instrumentalisten  vom Band, was bei einem Paar im Publikum eine hitzige Diskussion darüber weckte, ob der Gitarrist auf der Bühne überhaupt live spiele. Doch Klaus-Jürgen Dobeneck, der am Konservatorium in Halle studierte, ist nicht nur ein erfahrener Gitarrist und Querflötenspieler, sondern hat auch die Songs dieses Abends arrangiert.
Und das waren nach dem Auftakt dann doch überwiegend Klassiker aus dem Osten; nicht nur von DDR-Bands, sondern auch von der in der DDR  populären Rockband Omega aus Ungarn und den aus Polen stammenden Czerwone Gitary, den Roten Gitarren, die auch als die Beatles des Ostens bezeichnet wurden und 1971 ein Liebeslied schrieben, von dem Capriccio-Sängerin Sabine Waszelewski sagte, es "passe zur Klimakrise": "Es brennt der Wald".
Kulisse perfekt, Stimmung kühl
Das aus Dessau stammende Duo ist zum zweiten Mal in Beeskow zu Gast. Die wegen der Corona-Abstandsregelungen weiträumig über den Burghof verteilten Klappstühle waren komplett besetzt, der Abend warm, und zwischen den Mauern segelten Schwalben zwitschernd hin und her. Doch obwohl das Programm, das vor den Pause von der Renft Combo über die Puhdys bis zum sehnsuchtsvollen "Nach Süden" von Lift reichte, musikalisch perfekt und Sabine Waszelewski eine Sängerin ist, die stimmlich mehr zu bieten hat als viele Schlagergrößen, wollte die Stimmung zunächst nicht so recht zünden. Das lag einerseits an den Arrangements, denen es an Varianz fehlte, andererseits daran, dass die Songs nicht so recht zu Waszelewskis warmer, gefühlvoller Stimme passten.
Doch als diese nach der Pause Sillys Abschiedssong "Asyl im Paradies" coverte, hatten viele Zuschauer Tränen in den Augen, und man fragte sich, ob hier nicht vielleicht eine passendere Nachfolgerin von Tamara Danz auf der Bühne stand. Ein Ausklang für Nostalgiker.