Konzert in Eisenhüttenstadt: Star-DJ Alex Christensen über 90er-Hits, Skandale und Osten

Sorgt für Stimmung: Alex Christensen – hier bei Sonne, Strand & Sterne 2024 – kommt im August nach Eisenhüttenstadt. Vorab gab er ein Interview.
Marcel Brell/obs/dpaHinter „Das Boot“, „Love Sees no Colour“, „United“, „Ritmo de la Noche“ und „Rhythm Is a Dancer“ verbirgt sich ein Name: Alex Christensen. Der DJ und Produzent aus Hamburg hat die deutsche Clubszene geprägt und – so sagen viele – den Sound der 90er-Jahre revolutioniert.
Mit U96, bestehend aus ihm und dem Produzententeam Matiz, hatte Christensen 1991 seinen Durchbruch. Damals wurde der Soundtrack zum Film „Das Boot“ ein Techno-Hit. Weltweit verkaufte sich die Coverversion der Titelmelodie, komponiert von Klaus Doldinger, mehr als zwei Millionen Mal. Alex Christensen, geboren 1967, zierte fortan Bravo-Cover, Autogrammkarten und Poster. „Meine Musik lebt von Strom, sprich Keyboards, Drums und Computer. Ich steh' da voll zu.“ Marky Mark, Helene Fischer, Tom Jones, *NSYNC, Marianne Rosenberg – all das sind Künstler, mit denen er zusammengearbeitet hat.
Mit dem Programm „Alex Christensen & Friends – Classical 80's & 90’s Dance“ kommt er am 16. August 2025 nach Eisenhüttenstadt auf die Freilichtbühne. Vorab hat er super gelaunt ein Interview am Telefon gegeben, bei dem im gegenseitigen Einverständnis sofort geduzt wurde.
Der Cover-Boy und Star-DJ
Als ich das Interview vorbereitet habe, bin ich tatsächlich auf ein Bravo-Cover von 1992 gestoßen. Da ist Alex Christensen echt auf dem Titel.
Süß, ne?

Alex Christensen auf einem Bravo-Cover von 1992. Auf Ebay wird die Ausgabe im Juli 2025 für 9,90 Euro angeboten.
Screenshot von EbayTotal. Ich habe mich aber gefragt, auf welchem Cover du jetzt gerne mal wärst?
Das weiß ich gar nicht. Printmedien sind ja nicht mehr so im Fokus. Mir ist wichtiger, bei Spotify im „New Music Friday“ auf dem Cover zu erscheinen. Diese viralen Dinge sind mittlerweile wichtiger geworden.
Aber hast du die beispielsweise die alten Ausgaben der Bravo noch zu Hause und hast sie mal deinem Sohn gezeigt?
Also meine Eltern haben das immer gesammelt und ich habe die Sachen auch hier. Aber wenn ich das meinem Sohn (Anm. der Red. Jahrgang 2003) zeige, der kennt die Bravo nicht.
Mehr als 30 Jahre liegen jetzt dazwischen. Wie hat sich der Mensch und der Musiker Alex Christensen seit seinem Durchbruch Anfang der 1990er verändert?
Ich hoffe, dass ich mich zum Guten verändert habe und dass ich mich überhaupt verändert habe. Anfangs war ich sicherlich sehr blauäugig, wild und nicht so überlegt. Ich habe einfach Dinge ausprobiert. Das hat alles so seine Zeit und war auch gut. Was ich jetzt, glaube ich, hinbekommen habe, ist, dass ich ein bisschen weiser geworden bin und keine hektischen Entscheidungen mehr treffe. Ich überlege länger.
Das ist sicherlich notwendig in dieser Branche?
Ja, natürlich. Du kannst durch Kleinigkeiten sofort deinen Ruf verlieren und wirst an den Pranger gestellt. Das geht leider heute relativ schnell.

Alex Christensen liefert mit „1,2,3 Techno“ den Beat für einen heißen Sommer.
RTLZWEI/dpaGroße Skandale sind bei dir aber ausgeblieben in all der Zeit ...
Ich bin nicht so ein Freund dieser Regenbogenpresse. Ich bin eher jemand, der versucht, mit guter Musik und Langfristigkeit erfolgreich zu sein. Das ist vielleicht der steinigere Weg, aber das ist der, der mir persönlich besser gefällt. Erfolg kann man nicht nur an Popularität messen, ob ich jetzt auf irgendwelchen Titelseiten bin. Erfolg ist für mich, wenn ich lange, lange Musik machen kann, und zwar so, dass ich meine Familie damit ernähren kann.
Bei dir ist das jetzt schon eine kleine Ewigkeit so. Gab es irgendwann mal den Moment, wo du gesagt hast, ich habe keinen Bock mehr?
Ach, diese Momente gibt es immer wieder. Aber wenn du etwas so lange so etwas machst, hast du auch nichts Anderes aufgebaut. Ich bin in keiner anderen Sache so richtig gut. Das merkt man, wenn man sich zurückzieht und sagt: Ich will jetzt keine Musik mehr machen. Dann sitzt du zu Hause, starrst an die Decke und denkst so: Nee, das kann ja auch nicht sein. Ich muss irgendetwas tun. Und dann kommst du doch immer wieder zur Musik zurück.
So wird das Konzert in Eisenhüttenstadt
Legst du jetzt noch in Clubs auf? So richtig wie damals?
Nein, nein, in Clubs, das mache ich nicht mehr. Wenn, dann nur noch ganz vereinzelt, bei Festivals. Ich möchte ja in Würde altern und ich finde, das kann man mit so einem Orchester ganz gut.
Jetzt kommst du nach Eisenhüttenstadt, aber auch Schwedt und Cottbus tauchen bei den kommenden Gigs auf. Achtest du darauf, dass du den Osten mit abdeckst oder ist das eher Zufall, je nachdem, wie man gebucht wird?
Ob Ost oder West, das ist mir vollkommen egal. Ich finde da, wo Menschen meine Musik hören wollen, da gehe ich hin. Wobei man sagen muss, als „Das Boot“ rauskam, da war der Mauerfall gerade einmal zwei Jahre her. Der Osten hat natürlich einen großen Anteil an dem Erfolg.
Was können denn die Fans hier auf der Freilichtbühne erwarten?
Wir spielen eigentlich immer viel länger, als wir sollen. Ich habe eine tolle Crew, ich habe die besten Musiker, die man sich vorstellen kann, wir sind alle eingespielt, wir machen das schon seit 2017 miteinander und ich freue mich total auf den Auftritt. Das wird eine tolle Reise in die 90er. Das wird ein Bällebad der guten Gefühle.
Gibt es Songs, die unbedingt erklingen sollen?
Also meine großen Hits muss ich auf jeden Fall spielen, ob das „Das Boot“ ist, „United“, „Around the World“ oder „Club Bizarre“. Die Sachen mache ich immer liebend gerne. Und ich bekomme auch heute noch eine Gänsehaut, wenn ich „Das Boot“ spiele.
Was erwartest du von deinen Fans?
Dass sie das Konzert genießen, dass sie zwei Stunden einfach abschalten und ihre Alltagssorgen vergessen. Musik sorgt für eine seelische Beruhigung. Musik ist aber auch wichtig, um seinen Emotionen mal freien Lauf zu lassen.
Du hast damals in einem Interview gesagt, deine Musik lebe von Strom. Das tut sie ja bis heute
Ich bin ja jemand, der mittlerweile viele Freiheiten genießt. Ich habe relativ viele Alben mit klassischem Orchester und sogar ein Swing-Album mit Paul Anka aufgenommen. Ich bin durch alle Musikgenres durchgestreift. Das hat mir auch immer großen Spaß bereitet. Aber die nächsten Jahre möchte ich mich komplett auf die Konzerttournee mit meinen Fans und meinem Orchester konzentrieren. Live zu spielen, das ist auf jeden Fall das Schönste. Man kommt rum, man sieht eine andere Stadt, man lernt Menschen kennen, man hat gemeinsame Gefühle und gemeinsame Erinnerungen.
Gibt es jemanden, mit dem du gerne mal arbeiten möchtest?
Es gibt viele, wo ich das nicht ablehnen würde. Aber der Weg dahin ist steinig und anstrengend. Wenn man ihn geht, läuft man Gefahr, sein eigenes Projekt aus den Augen zu verlieren. Deswegen ist das nicht mehr mein Fokus. Wenn es sich ergibt, schön. Aber ich stecke da keine große Energie rein.
Einen Namen bekomme ich nicht rausgekitzelt?
Nee, da kannst du ja bei allen anfangen. Ob das Taylor Swift ist oder Coldplay. Klar, sind die alle attraktiv, aber das ist so out of range. Wenn du mit solchen Leuten zusammenarbeiten willst, muss du mindestens genauso erfolgreich sein. Denn Erfolg verteilt sich immer horizontal. Du musst auf gleicher Ebene sein. Hat der gewünschte Künstler 20 Millionen Follower bei Spotify, dann musst du auch etwa 20 Millionen haben. Oder du hast so viele Hits kreiert, dass er unbedingt mit dir zusammenarbeiten will. Das ist heute in der digitalen Welt alles zahlenbasiert. Eine andere Option ist: Du gehörst zu deren Umfeld. Aber für mich hier aus Hamburg ist das einfach viel zu mühsam, das zu erreichen. Ich bin da realistischer.
Okay. Welchen Song hörst du hoch und runter gerade?
Oh, das ist lustig. Du fragst jemanden, der Musik analysiert und macht, welche aktuelle Musik er hört. Also im Auto sitze ich meistens und höre Wortbeiträge. Aber es gibt sicherlich im Moment ein paar Songs, die ich richtig klasse finde. So ad hoc fällt mir gerade keiner ein, den ich so richtig feiere. „Wackelkontakt“ fand ich lustig. Da kriege ich gute Laune.
Ich hoffe, die nächste Frage, ist kein Gute-Laune-Killer: Mit welchem Politiker würdest du gerne mal sprechen?
Oh, das ist echt schwierig. Ich würde gerne mal mit Friedrich Merz und Alice Weidel zusammensitzen.
Wie müsste ich mir das dann vorstellen? Einfach so zum Kaffee oder zur Brause?
Wie auch immer. Hauptsache, ich kann mit denen mal sprechen. Ich fände das ganz gut, wenn so ein naiver Mensch wie ich, der politisch kein Fachmann, sondern eher Amateur ist, einfach ein paar Fragen stellen kann. Vielleicht bekomme ich da die richtigen Antworten.
Freilichtbühne 2025
Kommende Konzertsommer-Veranstaltungen auf der Freilichtbühne in Eisenhüttenstadt
1. August – Schlager-Open-Air mit Maite Kelly, Eloy de Jong, Julian David und weiteren
2. August – „Hütte tanzt“ mit Stereoact und weiteren Künstlern
15. August – Matthias Reim
16. August – Alex Christensen & Friends
Tickets gibt es online auf Eventim und unter anderem in der Tourismusinformation in der Lindenallee in Eisenhüttenstadt
Hat das, was gerade in Deutschland und in der Welt los ist, Einfluss auf die Musik, die du machst?
Nein, meine Musik ist für mich zur Unterhaltung da und Seelenbalsam. Ich habe sicherlich eine Haltung, aber ich will die Menschen unterhalten. Probleme haben wir genug, Nachrichten gibt es den ganzen Tag. Für mich sind Nachrichten wie Fast Food. Zu viele davon vergiften deinen Geist, und Fast Food vergiftet deinen Körper. Man muss lernen, richtig zu dosieren.
Okay. Lust auf ein paar Entscheidungsfragen?
Haus raus!
Klassik oder Rock?
Klassik.
Fleisch oder Gemüse?
Fleisch.
Bier oder Brause?
Brause.
USA oder Japan?
Japan.
Buch oder Film?
Film.
Langschläfer oder Frühaufsteher?
Frühaufsteher
Fußball oder Basketball?
Fußball.
Sport oder Handy?
Handy ist Sucht, Sport ist das, was ich möchte.
Machst du Sport?
Ja, ja, ich mache Sport. Ich gehe dreimal die Woche ins Fitnessstudio.
Musik oder Nachrichten?
Musik, das ist auf jeden Fall geistig anspruchsvoller.
Danke für das Gespräch.

Silvestershow in Berlin am 31.12.2024:Alex Christensen steht bei der ZDF-Show „Celebrate at the Gate“ vor dem Brandenburger Tor auf der Bühne.
Joerg Carstensen/dpa

