Wie viele andere Bands mussten auch Von Wegen Lisbeth 2019 nach mehr als 50 Shows und 65.000 verkauften Tickets in eine coronabedingte Zwangspause gehen. Die fünf Berliner nutzten die Zeit, um ein neues Album aufzunehmen, das vor zwei Monaten erschien. „EZ Aquarii“, benannt nach einem Sternensystem, wurde auf der diesjährigen Deutschland-Tour – mit Halt in Rostock, München oder Leipzig – frenetisch gefeiert. Die „Captcha Tour 2022“ fand nun ihren Abschluss am Freitag, 4. November, in der Columbiahalle in Berlin – ein Heimspiel für die aus der Hauptstadt stammenden fünf Musiker.

Das letzte Konzert der Tour werde besonders lang, kündigt Sänger Matthias Rohde verheißungsvoll an, nachdem die ersten Songs „Westkreuz“ und „Auf Eis“ verklungen sind. „Wir werden uralte, mittelalte und neue Songs spielen“, so die Band, was nach drei Studioalben natürlich etwas vollmundig klingt.
Ein relativ minimalistisches Bühnenbild im Hintergrund, dafür sind die Instrumente vielfältiger. Bereits zu Beginn hält der Sänger im Nebel einen so genannten „Regenmacher“ in der Hand, um mit der Gefäßrassel die mystische Stimmung vor dem ersten Song zu verstärken. Ob Triangel oder Kinder-Glockenspiel, die Lisbeths haben einen charakteristischen Klang, der auch durch eigenwillige Synthieklänge geprägt ist. Seine Gitarre hält Rohde allerdings so hoch, dass man beim Anblick regelrecht verkrampft. Die fünf Musiker sind eben keine harten Rocker, sondern eher poppig unterwegs.

Kreischende Fans und Kreislaufzusammenbrüche

Das überwiegend junge und weibliche Publikum feiert ekstatisch, sodass bereits vor den ersten Songs in der stickigen, ausverkauften Columbiahalle erste Kreislaufzusammenbrüche registriert werden. Nach gut der Hälfte des Konzerts holen sich die fünf Musiker dann noch Verstärkung auf die Bühne, in Form von Trompete, Posaune und Saxofon. Nur so lässt sich der gewohnte Song der Single „Meine Kneipe“ wiedergeben. Das Publikum singt ausgelassen und lauthals mit. Für den Song „Fundbüro“ kommt dann auch der Berliner Rapper Longus Mongus auf die Bühne. Mit Sonnenbrille singt er die Zeilen: „Sonnenbrille auf, ja, ich fühle mich kacke. Steh' vor meiner Wohnung, Schlüssel in and'rer Jacke“.

Die Luft vor der Bühne wird immer stickiger

Nach diesem doch eher melancholischen Song nimmt das Konzert immer mehr an Fahrt auf. „Wenn du tanzt“, „Bitch“ und „Sushi“ lassen den Saal mit beschwingten Melodien immer mehr kochen. Die Luft vor der Bühne wird immer stickiger, nur auf den oberen Rängen profitieren die Gäste noch von der Klimaanlage. Nach ordentlichen zwei Stunden Spielzeit wird schließlich als Zugabe „Elon“ gespielt, ein Song, der die Anekdote aufgreift, dass Tesla-Chef Elon Musk Anfang des Jahres nicht an den Türstehern des Berliner Clubs Berghain vorbeikam. „Money can't buy you love“ (mit Geld kann man Liebe nicht kaufen) ist der Rat, den die Lisbeths dem Unternehmer geben.

Charity-Projekte liegen der Band am Herzen

Zu den Klängen von „Wieso“ treten die begeisterten Fans dann den Weg nach Hause an. Die Band weist ihre Gäste noch auf zwei Charity-Projekte hin. Zwei Stände am Veranstaltungsort setzen sich jeweils für die Ukraine sowie für zivile Seenotrettung ein. Auch ein Volksbegehren-Infostand befindet sich am Einlass vor der Halle. Hier geht es um das Ziel „Klimaneutralität 2030“. Die Band ist bekannt für ihren Einsatz fürs Klima; sie spielten bereits auf einer Fridays for Future-Demo.