Protest muss wehtun, damit er wirkt, keine Frage. Wer gesellschaftlich etwas ändern will, darf nicht leise und höflich sein. Bei den Tausenden von Autofahrern, die in Berlin und anderswo regelmäßig in langen Staus stehen, wenn sich Umweltaktivisten der „Letzten Generation“ auf der Straße festkleben, kann man immerhin noch sagen: Sie fahren Auto und schaden damit dem Klima.
Pendler, Feuerwehr oder Rettungswagen, die nicht durchkommen, dürften für diese Maßnahmen trotzdem wenig Verständnis haben.
Doch die Kunst? Zwei Umweltaktivisten haben sich aus Protest gegen den Klimawandel an der weltberühmten Laokoon-Gruppe in den Vatikanischen Museen festgeklebt. Auf einem am Donnerstag im Internet verbreiteten Video ist zu sehen, wie eine Frau und ein Mann die Hände an den Sockel der Statue kleben. Vor sich platzieren sie ein Plakat mit der Aufschrift: "Letzte Generation, kein Gas, keine Kohle". Die Aktivisten gehören demnach der Gruppe "Ultima Generazione" an. Das Sicherheitspersonal entfernte die beiden Medienberichten zufolge wieder. Ähnliches war Ende Juni schon in London in der Courtauld Gallery passiert, als sich Aktivisten am Rahmen eines van Gogh-Bildes festklebten.
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AKTUALISIERUNG: Am 23. August haben sich dann zwei Aktivisten der Gruppe "Letzte Generation" an den Rahmen des Raffael-Gemäldes "Sixtinische Madonna" geklebt. Das Kunstwerk selbst wurde nicht beschädigt. Das Bild des Renaissance-Malers Raffael (1483-1520) ist eines der berühmtesten Gemälde der Dresdner Galerie Alte Meister im Zwinger. Die Aktivisten hatten sich laut einem WDR-Bericht dieses Bild ausgesucht, da es "ein starkes Symbol" sei. "Maria und Jesus blicken mit Furcht in die Zukunft" - das passe zum nahenden Klimakollaps.
Allein: Was kann der vor 2000 Jahren geschaffene Laokoon der berühmten vatikanischen Skulptur, die „Sixtinische Madonna“ in Drsden oder auch nur vor mehr als 100 Jahren gemalte Bild von Vincent van Gogh in der Londoner Courtauld Gallery dafür, dass wir gerade nach Kräften unser Klima ruinieren? Dass Laokoon mit einer Schlange als Symbol der entfesselten Natur kämpft oder auf van Goghs Bild blühende Pfirsichbäume zu sehen sind, die bald nicht mehr blühen dürften, wenn es mit der Erderwärmung so weitergeht, reicht das als Erklärung?

Was kommt als nächstes?

Immerhin: Noch haben die Aktivisten achtgegeben, sich nur an dem Sockel der Skulptur und dem Rahmen des Bildes festzukleben. Die Kunst wurde nicht beschädigt, so die Botschaft. Noch. Allein, was ist der nächste Schritt? Eine Messer- oder Säureattacke auf ein Bild (hat es schon alles gegeben)? Oder vielleicht gleich ein Museum in die Luft sprengen? Kultur ist kein Kampfmittel im Klimakonflikt. Im Gegenteil, eher ein Bewusstmacher. Also: Hände weg von der Kunst!
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