Kultur und Klimaprotest
: Hände weg von der Kunst: Warum es keine Lösung ist, sich an Bilder zu kleben – ein Kommentar

Erst war es ein Van Gogh in London, nun die Laokoon-Gruppe im Vatikan und die „Sixtinische Madonna“ in Dresden. Warum Vandalismus an der Kunst nicht hilft in der Klimakrise.
Von
Christina Tilmann
Frankfurt (Oder)
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Aktivisten der „Ultima Generazione“ (Letzte Generation) kleben sich am Sockel der Laokoon Gruppe in den Vatikanischen Museen in Rom fest.

euronews (Screenshot)

AKTUALISIERUNG: Am 23. August haben sich dann zwei Aktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ an den Rahmen des Raffael-Gemäldes „Sixtinische Madonna“ geklebt. Das Kunstwerk selbst wurde nicht beschädigt. Das Bild des Renaissance-Malers Raffael (1483-1520) ist eines der berühmtesten Gemälde der Dresdner Galerie Alte Meister im Zwinger. Die Aktivisten hatten sich laut einem WDR-Bericht dieses Bild ausgesucht, da es „ein starkes Symbol“ sei. „Maria und Jesus blicken mit Furcht in die Zukunft“ - das passe zum nahenden Klimakollaps.

Allein: Was kann der vor 2000 Jahren geschaffene Laokoon der berühmten vatikanischen Skulptur, die „Sixtinische Madonna“ in Drsden oder auch nur vor mehr als 100 Jahren gemalte Bild von Vincent van Gogh in der Londoner Courtauld Gallery dafür, dass wir gerade nach Kräften unser Klima ruinieren? Dass Laokoon mit einer Schlange als Symbol der entfesselten Natur kämpft oder auf van Goghs Bild blühende Pfirsichbäume zu sehen sind, die bald nicht mehr blühen dürften, wenn es mit der Erderwärmung so weitergeht, reicht das als Erklärung?

Was kommt als nächstes?

Immerhin: Noch haben die Aktivisten achtgegeben, sich nur an dem Sockel der Skulptur und dem Rahmen des Bildes festzukleben. Die Kunst wurde nicht beschädigt, so die Botschaft. Noch. Allein, was ist der nächste Schritt? Eine Messer- oder Säureattacke auf ein Bild (hat es schon alles gegeben)? Oder vielleicht gleich ein Museum in die Luft sprengen? Kultur ist kein Kampfmittel im Klimakonflikt. Im Gegenteil, eher ein Bewusstmacher. Also: Hände weg von der Kunst!

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