Kulturgeschichte des Butlers: „Downton Abbey“ kommt jetzt ins Kino - Im Zentrum: der Butler
Die beliebte britische Serie war 2015 zu Ende gegangen. Ein Ende hatte das damals auch für Mr. Carson bedeutet, den Butler des Hauses, der so lange alle Fäden zusammengehalten hatte und sie nun zum Ende der sechsten Staffel aus den tremorzitternden Händen geben musste. Im aktuellen Film kehrt er auf Bitten von Lady Mary noch einmal zurück, als sich königlicher Besuch auf Downton Abbey ankündigt.
Es ist wieder Zeit für Butler. „Downton Abbey“ hatte beim Start 2010 eine regelrechte Nostalgiewelle ausgelöst, indem die Serie aufs Eleganteste eine Zeit feierte, in der mit dem Zollstock der korrekte Abstand der Gabel vom Teller nachgemessen wurde und eine ganze Armada von Bediensteten im Küchengeschoss den Betrieb aufrechterhält. Doch der Erfolg der Serie erklärt sich dabei nicht nur aus dem brillanten Drehbuch von Julian Fellowes, dem exzellenten Cast, angeführt von Maggie Smith, und den Schauwerten von Highclere Castle.
Arbeit gegen Vertrauen
Die Vorstellung, dass Herrschaft und Dienerschaft respektvoll und harmonisch zusammenleben, bedient ungeniert Sehnsüchte aus vorhegelianische Zeiten. „Die Zuschauer mochten, wie die Bediensteten und Aristokraten harmonisch als Team zusammenarbeiteten. Die Diener waren zur Stelle, um den Adeligen ein perfektes Leben zu ermöglichen. Die zahlen es mit Vertrauen zurück“, erklärt Jim Carter, der Mr. Carson spielt. Und der Historiker Alastair Bruce, der als Berater bei den Dreharbeiten mitwirkte, erläutert: "Absolut jeder auf Downton Abbey, vom Earl of Grantham an der Spitze bis hin zur Juniorküchenmagd, hat seinen angestammten Platz. In gewisser Weise war das eine unglaublich effektive soziale Struktur. Es gab ein großes Verantwortungsbewusstsein bei den Privilegierten und umgekehrt einen Nutzen für die Menschen an der Basis des Systems.“
Auch Martin Krajweski, heute Juniorprofessor für Mediengeschichte an der Bauhaus-Universität Weimar, hat sich in seiner Habilitationsschrift mit dem Diener befasst und eine „Mediengeschichte einer Figur zwischen König und Klient“ geschrieben. Das originelle, mit 600 Seiten höchst materialreiche Buch, spannt den Bogen vom Diener bis zu heutigen Computer-Assistenten und sieht als Klammer über die Jahrhunderte die Funktion des Torhüters: Der Wert der Assistenten speise sich dabei „vor allem aus den entscheidenden medialen Operationen wie dem Zustellen und Abweisen von Nachrichten“. Weshalb den verborgenen Zugängen, den Tapetentüren, Tunneln, Dienstbotenstiegen und Klingelvorrichtungen, in der Architektur der Herrenhäuser ein besonderer Wert zukommt, um unsichtbar, aber so schnell wie möglich den Kontakt zur Herrschaft halten zu können. Ein Setting, das sich auch in "Downton Abbey“ wunderbar beobachten lässt.
Wodurch der Diener oder Butler dank seiner geräuschlosen Assistenzfunktion natürlich auch zum Mitwisser aller Geheimnisse wird. Deshalb ist Loyalität so eminent wichtig. In Lee Daniels’ Film "Der Butler“ von 2013 spielt Forest Whitaker die an die reale Figur des Eugene Allen angelehnte Rolle des Cecil Gaines, den es von den Südstaaten-Plantagen in Georgia bis ins Weiße Haus bringt, wo er Diener von immerhin sieben US-amerikanischen Präsidenten wird (für den wahren Eugen Allen waren es sogar acht). Obwohl er der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung nahe stand und daher in deutlicher Opposion zu manchen seiner Chefs gerät, suggeriert der Film, er habe gelegentlich sogar politisch auf sie Einfluss genommen.
Der beste Butler ist Anthony Hopkins
Auch wenn man in Deutschland beim Wort Butler zunächst an die Kultsendung „Dinner for One“ und den als James urkomisch immer wieder über den ausgestopften Tigerkopf stolpernden Freddie Frinton denkt – der ultimative Butler ist Anthony Hopkins, der in James Ivorys Film „Was vom Tage übrigblieb“ von 1993 den Butler James Stevens gibt, der vor lauter Pflichtbewusstsein weder die verfehlte Appeasement-Politik seines Herren, Lord Darlington, kritisiert, noch die zärtlichen Gefühle der Haushälterin Miss Kenton, gespielt von Emma Thompson, bemerkt. Für Hopkins, der vor dem Dreh so unsicher war, dass ihm als Berater Cyril Dykman, der pensionierte Chefbutler der britischen Königin, zur Seite gestellt wurde, war es die Rolle seines Lebens.
Was als Lehre übrig bleibt: Das Entscheidende für Herrschaft wie Diener war die strikte Einhaltung der Contenance und Korrektheit. Wenn also der britische konservative Hardliner Jacob Rees-Mogg die Brexit-Debatte im Parlament so unwichtig findet, dass er sich demonstrativ zu einem Schläfchen niederlegt, wird das von der empörten Öffentlichkeit als Ausdruck von Arroganz und Dünkel gelesen. Auch Mr. Carson wäre entsetzt gewesen.




