In dem 2017 erschienenen Roman "Tamaschito" erzählt Förster die Geschichte seiner Haft. Dreieinhalb Jahre lang saß er im Sowjetischen Speziallager Bautzen ein. 16 Jahre war er, als er seinen Freund sterben sah. Später erzählte Förster, dass er in Bautzen mitansehen musste, wie 1000 junge Menschen ums Leben kamen. Dem Abtransport in ein Straflager in Sibirien entging er, weil er krank und ausgehungert war. Förster litt an Tuberkulose, verlor einen Lungenflügel. "Ich bin einer, der davongekommen ist", sagt er.
Seine Werke sprechen für ihn
Die Inhaftierung prägte Försters Arbeit. Über die Erlebnisse durfte er in der DDR nicht sprechen. Doch er schwieg auch nicht. Er ließ seine Kunst reden. Die Skulpturen heißen "Martyrium", "Passion" oder "Großer trauernder Mann". Letztere ist den Opfern des Luftangriffs am 13. Februar 1945 auf Försters Heimatstadt Dresden gewidmet.
Försters Weg zur Kunst war nicht leicht. Zuerst durfte er kein Abitur machen. Die technische Ausbildung habe ihm jedoch später in der Kunst geholfen. Dann litt er wiederholt unter Repressalien, bekam kein Material, was einem Arbeitsverbot gleichkam. Dennoch erhielt Förster 1973 den Kunstpreis der DDR, wollte ihn zunächst nicht annehmen, bis ihm ein befreundeter Künstler erklärte: "Man nimmt das Geld und fühlt sich in keiner Form verpflichtet."
Förster eckte immer wieder an. 1964 würdigte er mit dem "Kopf der Gelähmten" Menschen, denen im Sozialismus keine Ehre zuteil wurde. Die Frau in Försters Berliner Nachbarschaft, die trotz ihrer Lähmung täglich Kohlen schleppte und das Leben bewältigte, war für ihn eine Heldin. Seine häufig lediglich als Torso dargestellten Objekte des Widerstands könnten auf Hände und Füße verzichten, so der Künstler. "Sie sterben nicht im Verhungern, sondern im Widerstand. Ich zeige das Unzerstörte", erklärte Förster. Dazu gehören überdimensional große Geschlechtsmerkmale an den  männlichen Torsi. "Sie geben ihre gute Eigenschaft weiter", so der Bildhauer. Selbst die Siegesgöttin Nike ist bei Förster keine Triumphierende. Denn: "Es gibt keine Sieger ohne Opfer."
Försters Skulpturen sind an vielen Orten in Brandenburg zu sehen – auch in Frankfurt (Oder), wo seine Objekte, die sich mit Kleists  "Penthesilea" beschäftigen, rund um das Kleist-Museum stehen. Das Potsdam-Museum widmet Förster einen Ausstellungsraum, an der Glienicker Brücke wurde zum zehnten Jahrestag des Mauerfalls seine "Nike" enthüllt. In der Gedenkstätte Lindenstraße, die sich im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Potsdam befindet, steht im Hof die für ihn wichtige Arbeit "Das Opfer" von 1994.
Schnell ist Förster im Gespräch wieder bei der politischen Dimension seiner Arbeit. Vier oder fünf Mal sei er noch verboten worden, nachdem er den DDR-Kunstpreis gewonnen hatte. Dass er nie angepasste Arbeiten ablieferte, bescherte ihm nach der Wende Erfolg und große Anerkennung in Ost- und West-Deutschland, weltweit. Der 90-Jährige hört nicht auf, mit seiner Kunst zu mahnen: "Wir müssen die Menschlichkeit über das Politische stellen." Dann schwenkt Wieland Förster ins Heute: "Unsere Aufgabe ist der Erhalt der Erde und der Menschheit, nicht deren Zerstörung."
Förster hat viel zu erzählen. Einiges davon könnte in einem Geschichtsbuch stehen. Er trauerte als Fünfjähriger um den Tod seine Vaters. Die Mutter zog die fünf Geschwister allein auf; dem deutschen Frauenbund habe sie sich nie angeschlossen. Der junge Wieland war in Straflagern der Hitlerjugend und erlebte die Bombardierung und Zerstörung seiner Heimatstadt Dresden.
Als Förster und seine Frau Angelika vor mehr als 50 Jahren aufs Land nach Wensickendorf (Oberhavel) zogen, den Trubel Berlins gegen die Stille eintauschten, war das eine Art Flucht, die Suche nach Ruhe. Denn neben der Bildhauerei und dem Zeichnen verfasste Wieland Förster Texte und Romane, schrieb Briefe und Tagebuch. Er wollte keine "Kunstkarriere" machen, sagt er. "Das war nie mein Antrieb." Mit seinem Zeitgenossen und Freund aus Dresdner Tagen, dem Maler Gerhard Richter, verbindet ihn ein reger Briefwechsel. Heute, am 12. Februar, wird der Künstler Wieland Förster 90 Jahre alt.

Wieland Förster in Frankfurt (Oder)


Skulpturen von Wieland Förster hatten es in Frankfurt (Oder) nicht leicht. 2013 verschwand die "Große Badende" von 1971, eine Bronzeplastik, die als Blickfang die Oderpromenade zierte. Weil Förster keine Gussform mehr besaß, bleibt sie verloren. Drei Jahre später ereilte es die im Garten des Kleist-Museums aufgestellte Bronzeplastik "Penthesilea". Die Diebe brachen sie vom Sockel und warfen sie über den Zaun. Im Sommer 2018 kehrte sie als Nachguss zurück. Die Skulptur "Das große Martyrium", die seit 1995 zwischen der Konzerthalle und der Gedenkstätte der "Opfer für politische Gewaltherrschaft" gestanden hatte, wurde 2016 zur Sicherheit eingelagert. red